Das System in Deutschland soll erneut reformiert werden. (Symbolbild)
Patrick Pleul/dpa
Das System in Deutschland soll erneut reformiert werden. (Symbolbild)
Altersvorsorge

Renten in Europa: Haben unsere Nachbarn im Alter mehr Geld?

In Deutschland steht die nächste Rentenreform an. Aber üppig seien die gesetzlichen Altersbezüge im europäischen Vergleich heute nicht, sagt die Sozialministerin. Was machen die Nachbarn anders?

Im Ruhestand bequem leben: In Deutschland grübelt momentan eine Kommission darüber, wie das trotz aller Sparzwänge und der älter werdenden Bevölkerung künftig funktionieren soll. Nach der Aufregung über die Ansage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur gesetzlichen Rente als «Basisabsicherung» stellte Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) klar, dass am Ende ein Modell stehen soll, das den Lebensstandard sichert.

Andere Länder bekommen das aus Sicht der SPD-Chefin bisher besser hin - die deutschen gesetzlichen Renten mit durchschnittlich 1.400 Euro für Männer und 940 Euro für Frauen seien im Europavergleich niedrig, rechnete Bas diese Woche bei «Maischberger» vor. Vor allem Österreich wird immer wieder als Vorbild genannt. Aber wie unterscheidet sich das System vom deutschen «Drei-Säulen-Modell» mit gesetzlicher, privater und betrieblicher Rente? Und wie organisieren sich andere Nachbarn in Europa? Ein Überblick: 

Die Pension in Österreich 

In Österreich liegt die durchschnittliche Rente für Männer bei rund 2.400 Euro, für Frauen bei 1.700 Euro. Bas erzählte in der Sendung, dass ihr Vater, der 45 Jahre oder länger als Busfahrer eingezahlt habe, in Deutschland wohl nur die Hälfte von dem Betrag seiner Berufskollegen in Österreich bekomme.

Dort werden die Rentenbeträge zudem 14 Mal pro Jahr ausbezahlt. Die Erhöhungen richten sich nach der Inflation. Das Regelpensionsalter beträgt für Männer 65 Jahre. Für Frauen wird es bis 2033 schrittweise auf 65 angehoben.

Der Hauptunterschied zu Deutschland: Es wird nicht zwischen Pensionen und Renten unterschieden - Beamte, andere Beschäftigte und Selbstständige zahlen verpflichtend in ein gemeinsames System ein. Das erklärt nach einer Vergleichsrechnung der Deutschen Rentenversicherung etwa 30 Prozent der höheren Zahlbeträge.

Dazu kommt: Der Rentenbeitragssatz liegt bei 22,8 Prozent und damit deutlich höher als die 18,6 Prozent in Deutschland; der Staat schießt mehr Geld in die Rentenkasse zu. Und die Bevölkerung ist im Durchschnitt etwas jünger. 

Aber auch in Österreich gilt das System als höchst reformreif. Mit rund 30 Milliarden Euro muss die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geschlossen werden. Aktuelles Ziel ist daher, das Arbeiten im Alter nach Erreichen der Altersgrenze attraktiver zu machen. 

Staats- plus Betriebsrente in den Niederlanden 

Als vorbildlich werden oft auch die Niederlande genannt. Nach dem Allgemeinen Rentenversicherungsgesetz zahlen Arbeitnehmer in eine staatliche Versicherung ein. Anspruch auf eine Rente haben alle Einwohner, gestaffelt nach Aufenthaltsdauer in den Niederlanden und Wohnsituation. Die Staatsrente wird aus den Beiträgen bezahlt, der Staat gleicht etwaige Defizite aus. 

Zum anderen gibt es die Betriebsrente. Etwa 90 Prozent der Arbeitnehmer können darüber verfügen. Arbeitgeber bezahlen im Schnitt zwei Drittel, Arbeitnehmer ein Drittel der Beiträge. Ergänzend gibt es individuelle Rentenversicherungen. Arbeitnehmer ohne Betriebsrente sind im Alter oft auf staatliche Beihilfen angewiesen. Das gesetzliche Rentenalter liegt inzwischen bei 67 Jahren.

Drei-Säulen-System in der Schweiz 

Die Schweiz hat wie Deutschland drei Renten-Säulen: Die staatliche Säule, eine zweite Säule, die im Berufsleben von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bestückt wird, und eine dritte Säule, die steuerbegünstigte Privatvorsorge. Finanziert wird die staatliche Rente durch Einzahlungen und Steuerbeiträge. Eine Beitragsbemessungsgrenze gibt es nicht. Das heißt, Menschen mit hohen Einkommen zahlen hohe Summen in die Rentenkasse, während Ansprüche gedeckelt sind. Die höchstmögliche Rente bei vollen Beitragsjahren aus der ersten Säule liegt zurzeit bei 2.520 Franken (rund 2.750 Euro) im Monat. Das Rentenalter für Frauen wird gerade schrittweise auf das der Männer angehoben: auf 65. 

Die Zahlung aus der zweiten Säule variiert stark, je nach Versicherung. Durchschnittlich haben Rentner aus erster und zweiter Säule umgerechnet rund 4.800 Euro im Monat, Rentnerinnen rund 3.200 Euro. Dazu kommen die während des Berufslebens angesparten Beträge aus der dritten Säule. Das hört sich viel an, aber die Lebenshaltungskosten sind auch hoch - ebenso wie die Krankenkassenbeiträge, die Rentner meist ohne Zuschüsse tragen müssen.

Flexibler Renteneintritt in Schweden 

In Schweden kann man ab einem bestimmten Alter selbst entscheiden, wann man in Rente geht. Aktuell geht das etwa für die Jahrgänge ab 1963 frühestens mit 64 Jahren. Die Zahl ist an die Lebenserwartung gekoppelt, sie dürfte also steigen. In der Regel fällt die Rente umso höher aus, je mehr jemand verdient und je später die Person in Rente geht. Alle zahlen ein – auch Beamte und Selbstständige.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: die sogenannte Prämienrente. Von insgesamt 18,5 Prozent Rentenbeitrag geht der größte Teil in ein umlagefinanziertes System wie in Deutschland, aber 2,5 Prozent in die Prämienrente. Die wird in Fonds angelegt, die die Schweden selbst auswählen können. Treffen sie keine Wahl, landet das Geld im staatlichen Standardfonds.

Frankreich: Reform unter Protest

In Frankreich gingen Menschen Ende 2023 im Schnitt im Alter von 62 Jahren und 9 Monaten in Rente. Ausgezahlt wurde im Schnitt eine Rente von 1.666 Euro brutto im Monat. In dem Jahr war unter massiven Protest beschlossen worden, das gesetzliche Rentenalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre anzuheben. Diese Anhebung wurde inzwischen ausgesetzt.

Tatsächlich begann der Ruhestand für viele aber bereits vor der Reform später - aus finanziellen Gründen: Wer für eine volle Rente nicht lange genug eingezahlt hatte, arbeitete länger. Mit 67 gab es dann unabhängig von der Einzahldauer Rente ohne Abschlag. Wer besonders früh angefangen hat zu arbeiten, kann nach einer festgelegten Einzahldauer auch früher abschlagsfrei in Rente.

Rente mit 68 in Großbritannien

Großbritannien hat das gesetzliche Rentenalter für jüngere Jahrgänge - genauer gesagt für alle ab dem 5. April 1977 Geborene - inzwischen auf 68 Jahre angehoben. Es gibt die Möglichkeit, später in Rente zu gehen und dafür eine Erhöhung oder Abschlagszahlung zu bekommen.

Finanziert wird die staatliche Rente über die sogenannten National-Insurance-Beiträge. Anspruch hat nur, wer mindestens zehn Jahre eingezahlt hat. Die volle Rente von derzeit rund 240 Pfund in der Woche erhält man nach mindestens 35 Beitragsjahren. Als auskömmlich gilt das mit umgerechnet etwa 1.108 Euro für vier Wochen nicht. Arbeitgeber sind daher verpflichtet, anteilig in eine private Altersvorsorge ihrer Mitarbeitenden einzuzahlen. Die Regierung setzt zudem steuerliche Anreize, um Investitionen in private Rentenfonds zu fördern.

Von den dpa-Korrespondentinnen und Korrespondenten
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