Das US-Militär hat die zweite Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. (Archivbild)
Seaman Daniel Kimmelman/US Navy/AP/dpa
Das US-Militär hat die zweite Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. (Archivbild)
Iran-Krieg

Neue Eskalation überschattet Staatsbegräbnis im Iran

Die USA bombardieren zwei Nächte in Folge Ziele im Iran. Das Land meldet seinerseits Angriffe auf US-Zerstörer. Unterdessen endet mit der Bestattung von Ajatollah Ali Chamenei eine politische Ära.

Nach den massiven Luftangriffen des US-Militärs wächst im Iran die Sorge vor einer Rückkehr zum offenen Krieg. Die USA bombardierten nach eigenen Angaben rund 90 militärische Ziele. Es war die zweite Nacht in Folge, in der es Angriffe gab. Der Iran reagierte mit eigenen Angriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss. Unterdessen endet mit der Bestattung des getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei eine jahrzehntelange politische Ära in der Islamischen Republik.

Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in mehreren Gebieten entlang der Küste des Landes. Auch zivile Infrastruktur wurde zerstört, wie Bilder von Staatsmedien zeigten. Mindestens 14 Menschen seien getötet und 78 weitere verletzt worden, teilte der Pressedienst der Regierung mit. Auf der wichtigen Bahnstrecke Teheran-Maschhad kam der Personenverkehr zum Erliegen.

Im Laufe des Tages griffen Irans Streitkräfte staatlichen Angaben zufolge unter anderem US-Zerstörer und US-Schiffe vor der Küste Bahrains mit Marschflugkörpern an. In der Nacht hatten die Revolutionsgarden mit Raketen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain gezielt. Diese Länder liegen nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt. Die Streitkräfte Jordaniens, das erstmals seit Wochen wieder Ziel von Angriffen wurde, schossen nach eigenen Angaben acht Raketen ab. 

Chamenei-Bestattung in Maschhad

Die militärische Konfrontation erfolgte inmitten der Trauerfeiern für Chamenei. Am Donnerstag sollte das frühere Staatsoberhaupt im Imam-Resa-Schrein seiner Heimatstadt Maschhad beerdigt werden. Am Mittwoch waren im benachbarten Irak, wo mehrheitlich Schiiten leben, nach offiziellen Schätzungen drei Millionen Menschen zu Trauerfeiern zusammengekommen.

Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Es kam trotz der Waffenruhe und einem Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs aber mehrfach zu gegenseitigen Angriffen.

Seine Anhänger verehren Chamenei als Märtyrer, der ihrer Ansicht nach im Widerstand gegen einen militärisch überlegenen Feind gefallen ist. Ein großer Teil der rund 86 Millionen Einwohner im Land dürfte der Staatstrauer jedoch gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen.

Spekulationen über Chamenei-Nachfolger und Sohn Modschtaba

Bereits vor der Bestattung wurde im Iran viel über den Verbleib von Chameneis Nachfolger und Sohn Modschtaba spekuliert. Er war eine Woche nach dem Tod seines Vaters zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden. Öffentlich trat er seither jedoch nicht auf. Das löste Gerüchte über seinen Gesundheitszustand aus, von schweren Verletzungen ist die Rede. 

Zwar werden regelmäßig Mitteilungen über die Internetauftritte von Chamenei junior veröffentlicht, Videoaufnahmen oder Audiobotschaften gibt es von ihm aber noch immer nicht. Seine Abwesenheit dürfte auch innerhalb der politischen und militärischen Staatsführung für Spannungen sorgen. Erste Konflikte zwischen den politischen Lagern wurden bereits öffentlich ausgetragen.

Trump droht mit noch heftigeren Angriffen

US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran derweil mit noch heftigeren Angriffen. Die Attacken seien Vergeltungsmaßnahmen für vom Iran beschossene Schiffe, schrieb er auf der Plattform Truth Social. «Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!» Auch Irans Revolutionsgarden drohten: Sollte das US-Militär seine Aggression wiederholen, werde man die eigenen «vernichtenden Reaktionen» auf weitere US-Stützpunkte in der Region ausweiten, hieß es in einer Erklärung.

Ein großer Streitpunkt zwischen den USA und dem Iran ist die Straße von Hormus. Die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Meerenge hat sich in dem Konflikt für den Iran als stärkstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel entpuppt. Die Wiedereröffnung der Meerenge ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran Mitte Juni verständigt hatten. Irans Militärführung besteht darauf, laut dem Abkommen allein verantwortlich für die Verwaltung der Meerenge zu sein. Der Schiffsverkehr ist weiterhin stark eingeschränkt.

Straße von Hormus wichtiges Druckmittel für Iran

Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schrieb in einer Lage-Analyse, der Iran sei bereit, sich auf einen umfassenden Konflikt mit den USA einzulassen, sollte dies zur Sicherung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus nötig sein. 

Nach Informationen des US-Nachrichtenportals «Axios» bereitet sich das Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische Auseinandersetzung mit dem Iran in der Meerenge vor. Die Dauer und die Intensität der neuen Angriffe hingen von den nächsten Schritten Teherans ab, hieß es unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. 

Ob die USA die neuen Angriffe gewissermaßen duldeten, die Lage militärisch selbst eskalierten oder eine Einigung mit dem Iran erreichten - bei jeder Option gebe es Nachteile, sagte Richard Fontaine von der Denkfabrik Center for a New American Security der «New York Times». Am wahrscheinlichsten sei eine Fortsetzung «niedrigschwelligen Geplänkels» gefolgt von «hektischer Diplomatie der Vermittler, dem Entstehen einer neuen und brüchigen Waffenruhe und dann wahrscheinlich noch eine Angriffsrunde», sagte Fontaine.

Von Arne Bänsch, Johannes Sadek und Lars Nicolaysen, dpa
© dpa-infocom, dpa:260709-930-356522/4
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

BEACH BOYS mit KOKOMO

RADIO REGENBOGEN

RADIO REGENBOGEN


Es läuft:
BEACH BOYS mit KOKOMO