Tausende protestieren gegen die AfD
Der Wahlsieg der AfD beschäftigt nicht nur die Menschen in Sachsen-Anhalt. Vielerorts in Deutschland gehen die Menschen gegen die Partei auf die Straße, darunter Tausende in Berlin.
Der Wahlsieg der AfD beschäftigt nicht nur die Menschen in Sachsen-Anhalt. Vielerorts in Deutschland gehen die Menschen gegen die Partei auf die Straße, darunter Tausende in Berlin.
Tausende Menschen im ganzen Land haben gegen die AfD protestiert. Nach dem klaren Sieg der Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kamen allein bei einer kurzfristig organisierten Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin mehrere Tausend Menschen zusammen. Die Veranstalter schätzten die dortige Teilnehmerzahl auf rund 14.000 Menschen, die Polizei sprach von etwa 5.000 Demonstranten.
Zu der Kundgebung aufgerufen hatten die Kampagnen-Organisation Campact und die Klimaschutzbewegung Fridays for Future. Unter den Teilnehmern waren auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die Spitzenkandidaten der Grünen und der Linken bei der Berlin-Wahl am 20. September.
Scharfer Ton gegenüber der AfD
«Alle zusammen gegen den Faschismus!», riefen die Demonstranten. Auch auf ihren Transparenten wurden sie deutlich: «AfD + BSW Demokratie adé» oder «Faschismus ist keine Alternative» stand dort ebenso geschrieben wie etwa «Dumm Dümmer NSDAfD» und «AfD Nazis stoppen! Schluss mit Rassismus und Sozialabbau». Viele Menschen zeigten sich im Gespräch mit einem dpa-Reporter besorgt ob des Erfolgs der AfD.
Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit einem Stimmenanteil von 43,8 Prozent mit großem Vorsprung gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will seiner Partei deshalb bei den anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten eine Mehrheit suchen - sein Ziel sei es, schnellstmöglich eine stabile Mehrheit zu finden, sagte er in Berlin.
Das BSW bekräftigte seine Bereitschaft, Siegmund ins Amt zu verhelfen. Die übrigen Parteien im Landtag hatten vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt stuft den AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein.
«Die AfD will Sachsen-Anhalt jetzt als Sprungbrett nutzen, um erst das Land, dann den Osten und schließlich die ganze Republik zu erobern», warnte der geschäftsführende Vorstand von Campact, Christoph Bautz. «Verfassungsfeinde dürfen nicht regieren - und das BSW darf nicht deren Steigbügelhalter werden.»
Singen für Vielfalt in Rostock
Auch an vielen weiteren Orten in der Bundesrepublik kamen Menschen zu Protesten gegen die AfD zusammen. In Mecklenburg-Vorpommern, wo in knapp zwei Wochen ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird und die AfD in Umfragen vorn liegt, rief das Bündnis «Zusammen bewegen» unter anderem in Greifswald, Ludwigslust und Neubrandenburg zu Demos auf.
In Schwerin versammelten sich nach Polizeiangaben mehrere Hundert Demonstranten, in Rostock kamen auf Einladung von Mecklenburg-Vorpommerns Theatern mehr als 500 Menschen auf den Neuen Markt zum gemeinsamen Singen zusammen. «Chöre, Ensembles, Künstler, Vereine, Besucher und Bewohner bringen miteinander zum Klingen, was dieses Land stark macht: das Miteinander der Menschen, die hier wohnen», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Beteiligt sind den Angaben zufolge alle öffentlichen Theater.
Regenbogenflaggen gegen rechts in Essen
In Essen im Ruhrgebiet kamen nach Polizeiangaben am Abend rund 1.200 Menschen zu einer Kundgebung gegen den Rechtsruck zusammen. Dem Aufruf des Bündnisses «Essen stellt sich quer» waren damit mehr als doppelt so viele Menschen gefolgt wie bei der Anmeldung erwartet. Mit Regenbogenflaggen, Pappschildern mit Botschaften wie «AfD-Verbot jetzt» oder «Kein Platz für Nazis» zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt.
Auch in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam gingen am Abend Hunderte Menschen gegen die AfD auf die Straße, ebenso im hessischen Darmstadt. In Kassel protestierten rund 80 Menschen. Bereits am Sonntag hatten in Frankfurt nach Polizeiangaben rund 2.500 Menschen dafür demonstriert, ein Verbotsverfahren gegen den klaren Wahlsieger AfD zu prüfen.
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