Brachte Mainz 05 in Führung: Sheraldo Becker (r).
Daniel Bockwoldt/dpa
Brachte Mainz 05 in Führung: Sheraldo Becker (r).
Fußball-Bundesliga

«Ein Brett»: Desolater HSV verliert 0:5 gegen reife Mainzer

Die Euphorie beim Hamburger SV nach den Coups auf dem Transfermarkt ist vorerst verflogen. Der spielerisch starke FSV Mainz 05 holt den HSV beim 5:0 in die raue Bundesliga-Wirklichkeit zurück.

Der FSV Mainz 05 hat die Saison-Heimspielpremiere des Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga gründlich vermasselt. Gegen den bedenklich schwachen HSV kamen die Rheinhessen zu einem beinahe mühelosen 5:0 (2:0). Sheraldo Becker (20. Minute), Phillipp Mwene (42.) nach starker Becker-Vorarbeit, zweimal Phillip Tietz (48./83.) und der eingewechselte Ex-Hamburger Ransford Königsdörffer (90.+1) trafen für die Mainzer.

Nach dem 0:0 im ersten Saisonspiel gegen den SC Paderborn und dem Sieg in Hamburg ist der Start der Mannschaft des Schweizer Trainers Urs Fischer gelungen. Die Hamburger finden sich hingegen nach zwei Niederlagen in zwei Spielen mit null Punkten und null Toren vorerst am Tabellenende wieder. 

«Ärgerlich. Das ist ein Brett. Das müssen wir verarbeiten», sagte HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes bei DAZN und fügte an: «Aber wir wissen, dass wir am Anfang sind und werden uns davon erholen einen Tag, aber dann geht es auch wieder weiter.» Und Hamburgs Kapitän Nicolai Remberg befand: «Wir haben es, unabhängig von den individuellen Fehlern, nicht geschafft, mal gefährlich nach vorn zu kommen.» Trainer Merlin Polzin bemängelte Kampflosigkeit. «Wir haben eine schlechte Leistung gezeigt und dafür stehen wir gerade», sagte er.

Mainz-Coach Urs Fischer lobte sein Team: «Es war eine sehr gute Leistung. Wir waren über 90 Minuten griffig. Die drei Punkte nehmen wir gern mit.» Man habe zu den richtigen Zeitpunkten die Tore erzielt. «Ich fand, dass wir sehr stabil waren über 90 Minuten und wirklich nicht viel zugelassen haben.»

Souveräne Mainzer gegen verunsicherte Hamburger

Vor 57.000 Zuschauern im wie in der vergangenen Saison stets ausverkauften Volksparkstadion bemühte sich der HSV gleich um Spielkontrolle. Mit hohem Pressing versuchten die Hamburger, das Aufbauspiel der Mainzer zu stören. 

Nach zehn Minuten erspielten sich die Gäste aber mehr und mehr ein Übergewicht und etliche Chancen - auch begünstigt durch haarsträubende Fehler von HSV-Spielern. Dabei erwies sich besonders Verteidiger Jordan Torunarigha als Unsicherheitsfaktor. 

Vier Neue in der HSV-Startelf

Dem Spiel der Gastgeber war anzumerken, dass sie in der Formation noch nie zusammengespielt hatten. Auf vier Positionen hatte HSV-Cheftrainer Merlin Polzin seine Startelf im Vergleich zum 0:2 beim Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund umgestellt. 

Unter anderem brachte er den erst am Dienstag verpflichteten Zakaria El Ouahdi für Bakery Jatta auf der rechten Außenbahn, auf Links kam der ebenfalls am Dienstag ausgeliehene David Möller Wolfe für Louis Lemke zum Einsatz. Der von den Fans herbeigesehnte Rückkehrer und Spielmacher Fabio Vieira saß zunächst auf der Bank.

HSV-Fehler begünstigen Mainzer Führung

An El Ouahdi und Wolfe lag es aber nicht, dass beim HSV nichts zusammenlief. Die Mainzer nutzten die Schwächen der Hamburger geschickt aus, wirkten reifer und eingespielter. Nationalspieler Nadiem Amiri ordnete das Spiel seiner Mannschaft, Stürmer Becker war ein ständiger Unruheherd und hätte schon in der 10. und 18. Minute sein Team in Führung bringen können. 

Das gelang ihm dann nach einem Abspielfehler von HSV-Kapitän Nicolai Remberg im Mittelfeld. Kaishu Sano schaltete am schnellsten, spielte auf Becker, der HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes keine Chance ließ.

In der Folgezeit wurde das Spiel der Hanseaten noch fahriger, die Mainzer hatten alles im Griff. Die fast logische Konsequenz: Nach tollem Zuspiel von Becker drückte Mwene den Ball zum 2:0 über die Linie.

Jubel, als Fabio Vieira das Spielfeld betritt

Zu Beginn der zweiten Halbzeit durften die HSV-Fans endlich jubeln. Polzin brachte neben Patson Daka und Shafiq Nandja die Heilsbringer-Hoffnung Fabio Vieira. Schon nach drei Minuten war die aufkommende Euphorie wieder erstickt, als der umtriebige Tietz für die Mainzer auf 3:0 stellte.

Die Gäste waren weiter tonangebend. Dem HSV fiel nichts ein. Selbst Vieira brachte nicht die erhofften Impulse. Auch in der zweiten Halbzeit blieben die Hamburger ohne ernsthafte Torchance.

Der HSV hatte sogar Glück, dass Nicolas Capaldo nicht nach 69 Minuten Rot sah. Er stoppte den durchgelaufenen kurz zuvor eingewechselten Ex-HSVer Königsdörffer per Bodycheck kurz vor dem Strafraum. Schiedsrichter Tobias Reichel wertete die Aktion aber nicht als Notbremse. Tietz und ausgerechnet Königsdörffer machten mit dem 4:0 und 5:0 die HSV-Pleite perfekt.

Von Claas Hennig, dpa
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