In sieben Wochen wollen Bundestrainer Julian Nagelsmann und der 26-Mann-Kader um Senior Neuer (40) und Junior Lennart Karl (18) dann im Idealfall als fünfmaliger Fußball-Weltmeister wieder in Deutschland landen.
Nagelsmanns WM-Marschroute: «Step by step»
Auch wenn Nagelsmann vorerst nur in kleineren Etappen denken will und das Traumziel nicht mehr öffentlich herausposaunt. «Wir wollen tatsächlich step by step gehen, nicht irgendwie vom großen Ganzen reden - intern vor allem», sagte der 38-Jährige nach dem gelungenen Test in Mainz.
Dem folgte rund zwölf Stunden später in einem Trainingsspiel der Reservisten mit Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, Nick Woltemade oder auch Leroy Sané über zweimal 25 Minuten ein eher zähes 1:0 gegen die zweite Finnland-Besetzung. Der für Greuther Fürth spielende Doni Arifi traf spät ins eigene Tor. Der Dortmunder Waldemar Anton hatte davor Pech mit einem Pfostentreffer.
1:0 im zähen Reservisten-Kick
Die gefeierten Protagonisten des Vorabends um Doppel-Torschütze Deniz Undav, die jeweils einmal erfolgreichen Zauberer Florian Wirtz und Jamal Musiala sowie der bei seinem Startelf-Debüt erfrischend auffällige Bayern-Youngster Lennart Karl beglückten die Fans mit Autogrammen und Selfies.
Die Finnen waren eher ein willkommener Sparringspartner als ein ernsthafter WM-Prüfstein. Und trotzdem verließ Nagelsmann das Mainzer Stadion in der Nacht mit der Gewissheit, dass die Offensivpower auch für einen Topstart gegen WM-Neuling Curaçao am 14. Juni in Houston ausreichen sollte. «So können wir weitermachen», sagte Nagelsmann happy. Er war mit dem vorletzten Test «über weite Strecken sehr zufrieden». Die Fans feierten.
Havertz aufbauen: «Das kriegen wir hin»
«Große Baustellen» sieht der Bundestrainer im Vorbereitungsendspurt nicht. Neuer ist im Plan. Und in Chicago wird auch Kai Havertz zum Team stoßen. Der 26-Jährige müsse nach dem verpassten Champions-League-Titel mit dem FC Arsenal sicherlich «ein bisschen aufgebaut» werden, bemerkte Nagelsmann. Aber: «Das kriegen wir hin», versicherte der Bundestrainer.
Seine WM-Elf inklusive Neuer und Havertz steht größtenteils. Und die aktuelle Siegesserie seit dem Fehlstart in die WM-Saison beim 0:2 gegen die Slowakei vor neun Monaten sorgt für ein gutes Gefühl. «Wir haben acht Spiele nacheinander gewonnen, das ist kein so schlechter Wert», betonte der Bundestrainer.
Starke Offensive mit Undav, «Wusiala» und Youngster Karl
Ein wenig mutet es wie vor der WM 2010 in Südafrika an, als nach dem Schock des Ausfalls von Kapitän Michael Ballack plötzlich eine junge, unerfahrene Elf um Senkrechtstarter Thomas Müller, Sami Khedira oder Turnier-Neuling Neuer im Tor die Fußball-Welt verblüffte und die deutschen Fans lange träumen ließ.
«Wir haben so viele gute Fußballer. Wir haben immer Bock, manchmal sogar zu viel Lust», äußerte Nagelsmann über seine Zocker-Gruppe um Wirtz, Musiala und den unbekümmerten Teenager Karl: «Wir haben die Stärke, immer Tore zu machen.» Dazu schießt sich Sonnyboy Undav mit seiner Quote von nun sechs Toren in acht Länderspielen in den Fokus.
Auf die Frage, wann die WM ein Erfolg wäre, haute der 29-Jährige, der seinen Millionen-Vertrag in Stuttgart noch vor der Abreise nach Amerika bis 2029 verlängerte, eine klare Antwort raus: «Wenn wir das Ding gewinnen!» Das Ding ist natürlich der WM-Pokal.
Pavlovic und Nmecha überzeugen im Maschinenraum
Undav war einer der großen Gewinner des Mainzer Abends. «Wenn du zwei Tore machst und einen vorlegst, spielst du dich nicht aus der Mannschaft», sagte Nagelsmann. Das klang aus dem Mund des Bundestrainers doch ganz anders als die Nörgelei nach Undavs Siegtor zum 2:1 gegen Ghana im März. Die da noch verordnete reine Jokerrolle hat der Angreifer abgestreift.
Dazu kommen frische Typen wie Karl oder der Frankfurter Außenverteidiger Nathaniel Brown. Nagelsmann hat den Mut, die Jungen loszulassen. Er scheint dazu bereit, den WM-Debütanten Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha den wichtigen Maschinenraum auf der Doppel-Sechs im Mittelfeld anzuvertrauen.
«Die beiden haben es gut gemacht», sagte Nagelsmann über das dynamische Bayern-Dortmund-Duo. Kapitän Joshua Kimmich blickte angesichts der vielen positiven Fingerzeige der ersten Vorbereitungstage schon mal freudig auf die Generalprobe im Soldier Field von Chicago. «Gegen die USA müssen wir in der Art und Weise daran anknüpfen, dann sind wir gut präpariert.»
Von Klaus Bergmann, Arne Richter und Eric Dobias, dpa
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