Unter Fans: Linda Dallmann bei den Anhängern des FC Bayern.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Unter Fans: Linda Dallmann bei den Anhängern des FC Bayern.
Champions-League-Halbfinale

Bayern-Fußballerinnen setzen «Ausrufezeichen»

Mit einem 1:7 gegen die Weltklassemannschaft des FC Barcelona begann die Champions-League-Reise des FC Bayern in dieser Saison. Nun stehen die Münchnerinnen im Halbfinale. Wie haben sie das geschafft?

Nach der kleinen Sternstunde für die Fußballerinnen des FC Bayern in der Champions League schnappte sich Nationalspielerin Linda Dallmann ein Megafon und heizte in der Münchner Fankurve ausgelassen den eigenen Anhang an. Der deutsche Doublesieger zog vor der Vereinsrekordkulisse von 25.000 Zuschauern in der Königinnenklasse erstmals seit fünf Jahren wieder ins Halbfinale des Wettbewerbs ein und genoss diesen besonderen Moment dahoam.

Das sei «für den deutschen Frauen-Fußball ein kleines Ausrufezeichen», befand die Chefin der Frauenfußball-Abteilung des FC Bayern, Bianca Rech, nach dem 2:1 (0:1) am Mittwochabend im Viertelfinal-Rückspiel gegen die Topstarter von Manchester United. Für die Münchnerinnen wiederum sei der dritte Einzug ins Champions-League-Halbfinale «ein großartiger Schritt».

Hoeneß, Eberl und Kompany schauen zu

A bisserl weiter darf's nun aber schon noch gehen, wenn man die Spielerinnen des FC Bayern fragte. «Auf uns warten zwei echt harte Spiele im Halbfinale und natürlich wollen wir ins Endspiel einziehen», sagte Kapitänin Glodis Viggosdottir, die nach einem komplett verschlafenen Auftakt ihrer Mannschaft und einem Rückstand durch Melvine Malard (11. Minute) den späten Ausgleich (81.) erzielte.

Dallmann vollendete vor den Augen von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, Sportvorstand Max Eberl oder auch Männer-Coach Vincent Kompany den Münchner Doppelschlag (84.). Dass es ab Ende April gegen den großen FC Barcelona im Halbfinale geht, daran gab es angesichts des 6:2 im Hinspiel gegen Real Madrid in der Mannschaft des spanischen Trainers José Barcala schon in der Nacht keine echten Zweifel. «Das, was jetzt kommt, soll uns Freude machen», verordnete Rech schon mal.

Minutenschlaf der Münchnerinnen

Die Münchnerinnen hatten ihre Champions-League-Saison ausgerechnet gegen den dreimaligen Champions-League-Sieger begonnen - und gleich mal eine XXL-Klatsche kassiert. «Wir hatten viele Lehrstunden in dieser Saison, aber Barça war die größte», meinte Dallmann.

Auch damals Anfang Oktober vergangenen Jahres verschliefen die Münchnerinnen den Start und lagen nach nicht einmal 30 Minuten mit 0:3 zurück. Am Ende wurden sie beim 1:7 förmlich vom Platz geschossen. Und auch im Rückspiel gegen Manchester hatte der FC Bayern anfangs «Köttel in der Hose», wie es Dallmann ausdrückte.

Spanierinnen bestrafen Fehler gnadenlos

«Wir waren ein bisschen ängstlich, zurückhaltend, haben zu viel Platz gelassen, dann kommt das Gegentor, erst dann sind wir wach geworden», sagte Rech. «Das darf uns im Halbfinale nicht passieren, sondern wir müssen lernen, dass wir von der ersten Minute da sind.»

Für das Halbfinale in der Champions League rechnen die Bayern nach der Länderspielpause mit den dann wohl wieder genesenen Klara Bühl, Jovana Damnjanovic und Katharina Naschenweng. Und auch dieses Trio weiß nur zu gut: Fehler bestrafen Spanierinnen eiskalt.

«Dieses Team kennt keine Grenzen»

«Wir sind in der Lage, Dinge zu drehen», beschrieb Kapitänin Viggosdottir eine der großen Stärken dieser Münchnerinnen unter Coach Barcala. Auch nach dem Rückstand gegen die zunächst wuchtigen Engländerinnen sei «keine Panik» da gewesen. «Wir wussten einfach, dass wir besser sein und Lösungen finden müssen.»

Viggosdottir lobte «Ruhe und Selbstvertrauen» Barcalas, der im Sommer den Norweger Alexander Straus abgelöst hat. Der Spanier glaubt an seine Spielerinnen und schafft es mit seinen Ansprachen, die Mannschaft immer wieder bestens neu zu justieren. «Dieses Team kennt keine Grenzen», meinte Barcala über das Potenzial von Viggosdottir & Co. «Die Entwicklung dieser Mannschaft ist unaufhaltsam.»

Martin Moravec, dpa
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