Beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC kam es zu Ausschreitungen.
Sebastian Kahnert/dpa
Beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC kam es zu Ausschreitungen.
2. Fußball-Bundesliga

Das sind die Folgen der Fan-Gewalt in Dresden

Polizei und Deutscher Fußball-Bund reagieren auf die Gewalt beim brisanten Zweitligaspiel in Dresden. Welche Konsequenzen jetzt für Dynamo und Hertha im Raum stehen.

Pyrotechnik, Platzsturm, Polizei im Großeinsatz: Nach den Fan-Ausschreitungen beim Zweitliga-Abendspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) ist die Bestürzung groß - nicht nur bei den Vereinen. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhängig. Der Deutsche Fußball-Bund kündigte an, nach den Osterfeiertagen Ermittlungsverfahren gegen die Clubs einzuleiten. Dynamo und die Hertha müssen sich erklären. 

Was ist passiert?

Das brisante Zweitligaspiel musste von Schiedsrichter Sven Jablonski zweimal unterbrochen werden. Erst wegen Rauchschwaden nach abgebrannter Pyrotechnik. Dann kletterten Anhänger beider Teams über die Zäune. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Pyrotechnik wurde gezielt aufeinander abgeschossen. 

Jablonski schickte beide Teams wegen der Krawalle in die Kabinen. Polizisten drängten die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block. Dort wurde dann eine Hertha-Fahne abgebrannt, in der Fanszene eine der schlimmstmöglichen Beleidigung der Kontrahenten. 

Ein Problem: Die Ausschreitungen waren absehbar, die ernste Rivalität beider Gruppierungen ist bekannt. Schon rund um das Hinspiel Anfang November hatte es in Berlin Auseinandersetzungen gegeben. Seitdem ist das Verhältnis der Hertha-Fans mit der Berliner Polizei sehr angespannt. 

Was sagt die Polizei?

Die Dresdner Polizei leitete mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren ein. Dabei geht es um Straftaten wie Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug, teilte die Polizeidirektion Dresden mit. Ob Personen aus beiden Fanlagern betroffen sind, blieb zunächst unklar.

«Einsatzbeamte betraten daraufhin den Innenraum des Stadions und trennten die beiden Lager. Das Spielfeld wurde in der Folge durch die Polizei gesichert», teilte die Polizei mit. Etwa 600 Gästefans hatten das Stadion vorzeitig in Begleitung der Polizei verlassen und die Heimreise angetreten. Insgesamt waren für das Topspiel am Karsamstag 750 Polizisten aus Bayern und Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen im Einsatz. 

Was bedeuten die Ausschreitungen für Dynamo Dresden?

Im Kampf um die Erhaltung der Fankultur und für mehr Stadionsicherheit sind die Vorkommnisse ein Rückschlag. Noch nie in der Dynamo-Historie stürmten Fans daheim aufs Spielfeld. Das war ein neues Gewalt-Level.

«Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv», sagte Dynamos Geschäftsführer Stephan Zimmermann in einer Stellungnahme des Vereins. Dabei im Blick: Die Diskussionen mit der Politik über personalisierte Tickets und Gesichtserkennung.

Zimmermann erklärte, dass er sich mit zahlreichen weiteren Vereinen bei den Politikern «seit Monaten für Faninteressen und ein sicheres Stadionerlebnis» einsetze. «Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor», betonte er. 

Nun steht wieder die Aufarbeitung bei den Dresdnern an. Schon während der Begegnung redeten die Dynamo-Verantwortlichen mit den Einsatzkräften, «um erste Erkenntnisse kommunikativ auszutauschen. Diese Wahrnehmungen und Beobachtungen sind jetzt Bestandteil der grundlegenden Aufarbeitung», hieß es bei Dynamo. 

Was bedeuten die Ausschreitungen für Hertha BSC?

Die Krawalle in Dresden sind für den Berliner Club ein echtes Problem. Auch wenn die größere Gewalt möglicherweise von den Dynamo-Fans ausging, war das Fehlverhalten der Hertha-Anhänger offenkundig. Nach Zusammenstößen mit der Polizei beim Schalke-Heimspiel im Januar hatte der Verein eindeutig Partei für seine Anhänger ergriffen. Dieses Bündnis steht nun auf dem Prüfstand. 

Die Hertha-Führung könnte ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen. «Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst», sagte Geschäftsführer Peter Görlich. Die Geschehnisse entsprächen nicht seinem «Wertegerüst».

Sportlich sind die Berliner nach dem Sieg wieder auf Kurs. Rechnerisch ist der Aufstieg nach 13 Punkten aus fünf Spielen noch möglich. Ablenkungen darf es nicht geben. «Zuerst müssen wir immer unsere Hausaufgaben machen, wofür das reicht, sehen wir dann», sagte Abwehrspieler Toni Leistner. 

Was macht jetzt der DFB?

Der Verband kündigte sofort Ermittlungen durch den Kontrollausschuss an. Sie sind eine Selbstverständlichkeit. Die Eröffnung eines Verfahrens gegen beide Vereine ist zwingend. Und eine Bestrafung ist logisch. Eine saftige Geldbuße wird bei der Historie beider Fanlager vermutlich nicht die einzige Konsequenz sein. Fan-Ausschlüsse sind möglich, sie sind angesichts der laufenden Diskussion um die Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien ein Politikum. 

Hertha-Boss Görlich warnte vor einer Pauschalisierung, merkte aber an: «Das, was wir jetzt gerade diskutieren in Sachen Staat und Verbotsrichtlinien, ist die Konsequenz aus solchen Ausschreitungen. Und da muss man sich natürlich schon fragen, wo ist die Argumentationslinie, nicht nur von uns Vereinen, sondern auch von der Szene und von der Fanszene, dass man darüber noch sprechen kann, weil uns gehen dann langsam auch die Argumente aus.»

Von Frank Kastner und Arne Richter, dpa
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