Unter den 50 Absolventen, die der DFB in den letzten drei Jahren mit einer Pro-Lizenz auszeichnete, waren nur zwei Frauen. Sabrina Wittmann von Drittligist Ingolstadt und Eva-Maria Virsinger, die Hoffenheims Bundesligaspielerinnen trainiert. Dennoch heißt es auf der Verbandshomepage: «Der DFB hat im Vergleich mit allen anderen europäischen Nationalverbänden die meisten Trainerinnen mit einer Pro-Lizenz ausgebildet – insgesamt 31.»
Ob künftig beispielsweise Quoten bei den Lehrgängen eine Option seien, ließ der DFB auf dpa-Anfrage unbeantwortet.
FIFA führt Trainerinnen-Quote ein
Der Weltverband FIFA beschloss hingegen solch eine Quote, um mehr Trainerinnen in Führungspositionen zu etablieren. Schon bei der Frauen-WM 2027 muss entweder der Chefcoach oder dessen Assistenz weiblich sein. Bei der Frauen-WM 2023 waren lediglich zwölf der 32 Teamchefs weiblich. In Deutschland bildet Bundestrainer Christian Wück ein Gespann mit seinen Assistentinnen Maren Meinert und Saskia Bartusiak.
«Fußball ist die heilige Kuh in Deutschland. Und dort wird eine Frau als Eindringling empfunden und da versucht man eher, sich der Konkurrenz zu entledigen», sagte Medienwissenschaftlerin Daniel Schaaf von der Deutschen Sporthochschule Köln einmal dem «Deutschlandfunk».
Imke Wübbenhorst: «Das wäre nicht fair»
Eta ist eine Ausnahme, reiht sich aber ein in eine Liste von Frauen, die in den letzten Jahren Pionierarbeit geleistet haben. Etwa Nicole Kumpis, die seit 2022 Präsidentin bei Zweitligist Eintracht Braunschweig ist. Oder Imke Wübbenhorst, die 2020 als erste Frau nach Inka Grings (SV Straelen) in Lotte einen Männer-Viertligisten übernahm. «Man sieht, dass es im Fußball vorangeht», sagte Wübbenhorst der dpa.
Die heutige Cheftrainerin des Schweizer Frauen-Erstligisten Young Boys Bern befürchtet bei Eta aber auch negative Reaktionen im Falle des Misserfolgs. «Ich wünsche ihr, dass sie auch die Punkte holt, weil sonst wird es halt immer wieder daran festgemacht werden, dass sie eine Frau ist. Das wäre nicht fair», sagte Wübbenhorst.
Ex-Unioner sieht große Herausforderung für Eta
Lucas Tousart kickte für die Eisernen, als Eta vor über zwei Jahren als Co-Trainerin einsprang - und sieht auch ein Problem. «Es geht eher um den zwischenmenschlichen Bereich. Sie wird Entscheidungen treffen, klar Stellung beziehen und etwas Abstand schaffen müssen. Das ist eine Rolle, die schwieriger zu bewältigen ist», sagte der Mittelfeldspieler der «L'Équipe».
Für Union Berlin war Etas Beförderung eine «logische Konsequenz». Die Köpenicker nehmen in Sachen Gleichberechtigung ohnehin eine Vorreiterrolle ein. In Jennifer Zietz gibt es eine Geschäftsführerin Profifußball Frauen. Die Spielerinnen erhielten bereits in der Regionalliga Verträge, die ihnen ermöglichten, nur vom Fußball zu leben. Schon vor dem Bundesliga-Aufstieg absolvierten sie ihre Heimspiele wie die Männer in der Alten Försterei.
Etas Aufstieg hat Vorbildcharakter. Doch wie groß der tatsächliche Effekt ist, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. «Das eröffnet Möglichkeiten für kleine Mädchen, die gerade Fußball spielen und nun denken, ich könnte überall Trainerin werden, sehr erfolgreich sein und eine richtige Karriere haben», vermutete etwa Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany.
Von Jordan Raza, dpa
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