Jonathan Tah und Jürgen Klopp erlaubten sich ein Späßchen bei der Pressekonferenz.
Federico Gambarini/dpa
Jonathan Tah und Jürgen Klopp erlaubten sich ein Späßchen bei der Pressekonferenz.
Fußball-Nationalmannschaft

Geheimratsecken, Schweineohren und Klopps Griechen-Warnung

Unter Jürgen Klopp herrscht bei der DFB-Elf eine andere Stimmung. Und manchmal wird es kurios. Vor dem zweiten Spiel erlauben sich der Bundestrainer und sein Abwehrchef ein mysteriöses Späßchen.

Jürgen Klopp hatte schon viel mehr gesagt, als er eigentlich wollte. Doch als Jonathan Tah schon zum zweiten Teil der Medienrunde vor dem Nations-League-Spiel gegen Griechenland bereit saß, stürmte der Bundestrainer zum Erstaunen aller Beobachter noch einmal zurück in den Raum. 

«Wenn die Jungs morgen nicht performen, kommen meine Geheimratsecken zurück», sagte Klopp im Teamquartier in Herzogenaurach und verschwand feixend wieder von der Bildfläche. 

Was hatte das zu bedeuten? Klopps Haarpracht, die er vor einigen Jahren operativ aufbessern ließ, war in der ersten Länderspielwoche unter seiner Regie jedenfalls noch kein öffentliches Thema gewesen. 

Tah kontert mit «Schweineohren»

Tah wollte nicht zur Aufklärung beitragen. «Darf ich leider nicht verraten, was es damit auf sich hat», sagte der Bayern-Profi mit einem Lächeln. Als er seinen Auftritt mit einer eigenen Frage zu dem in manchen Regionen als «Schweineohren» bekannten Gebäck beendete, drängte sich der Eindruck auf, dass sich der Bundestrainer und der Verteidiger einen öffentlichen Spaß erlaubt hatten. Mussten sie womöglich die Wörter Geheimratsecken und Schweineohren in ihren Statements unterbringen? 

Fakt ist jedenfalls: Die Stimmung ist wieder blendend bei der Fußball-Nationalmannschaft vor dem ersten Heimspiel unter Klopp als Chefcoach. Es wird nicht nur geschuftet, sondern auch gelacht. «Wir hatten jetzt nicht extrem viel Zeit. Aber ich glaube, wie man merkt, die positive Energie die der Trainer und auch das Trainerteam reinbringen, hilft uns als Mannschaft», sagte Tah. 

Zu sportlichen Themen hatte sich Klopp vor dem zweiten von vier Spielen im engen Nations-League-Fenster nach dem Mutmacher-Start beim 1:1 gegen die Niederlande natürlich auch geäußert. Im Tor wird am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Augsburg, wie langfristig geplant, der frühere Stuttgarter Alexander Nübel statt Marc-André ter Stegen stehen. 

Der für den verletzen Jamal Musiala am Freitag früher zum DFB-Tross beorderte Spielmacher Florian Wirtz wird noch nicht in der Startelf zum Einsatz kommen. «Das wäre jetzt echt ein Brett und das Falscheste, was wir tun können», sagte Klopp konkret angesprochen auf Wirtz. Gleiches gilt für Jonathan Burkardt als Ersatzmann von Kai Havertz. Mehr wurde zu Personalien nicht verraten. So will es Klopp auch künftig am Tag vor Länderspielen halten. 

Stattdessen erzählte er nach seiner Beziehung zum Spielort befragt recht launig, dass seine Cousine eine Apotheke in Augsburg habe. Freude löst beim Bundestrainer auch aus, dass erstmals seit 25 Jahren bei einem Heimspiel der Nationalmannschaft wieder Stehplätze erlaubt sind. «Die Stimmung im Stadion hat dramatische Auswirkungen auf die Leistung. Menschen, die stehen, da kommt die Lautstärke her», sagte der frühere Coach der Emotions-Clubs in Mainz, Dortmund und Liverpool. 

Klopp sieht goldene Griechen-Generation

Vor Griechenland mit dem jungen Dortmunder Konstantinos Karetsas wollte Klopp aber eine deutliche Warnung loswerden. Vielleicht sei dies die «goldene Generation» des griechischen Fußballs. «Wir respektieren Griechenland sehr, wir müssen wirklich hart arbeiten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen», sagte der 59-Jährige. Der Kontrahent ist mit einem 2:1 in Serbien in den Wettbewerb gestartet. 

Sein Torwarttausch habe ausdrücklich nichts mit der Leistung von ter Stegen in Amsterdam zu tun, betonte Klopp. Die kritischen Kommentare am Auftritt des 34-Jährigen könne er ohnehin nicht nachvollziehen. «Ich bin sehr happy mit seiner Leistung.» 

Doch nun darf Nübel in seinem vierten Länderspiel vorspielen. «Er hat sich das verdient. Ich hoffe, dass er es genießt und den Laden sauber hält», sagte Klopp nach dem Abschlusstraining noch in Herzogenaurach, bei dem alle 24 Akteure seines Kaders dabei waren. 

Klopp spricht von «tollen Szenen» 

Im Schnellverfahren hat Klopp das Remis in Holland analysiert. «Wir haben wirklich tolle Szenen gefunden. Wir haben festgestellt, in allen Momenten, in denen wir gemeinsam gegen den Ball agiert haben, haben wir wirklich ganz, ganz tolle Verteidigungsmomente gehabt», sagte der Bundestrainer. 

Das kollektive Arbeiten in einem tiefen Block bleibt für ihn die Grundvoraussetzung für die «Freiheit» und die «Risikobereitschaft», die er nach vorne sehen will. Unabhängig, ob der Gegner Holland oder Griechenland heißt.

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa
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