Janina Hettich-Walz gab einen Podestplatz noch aus der Hand.
Heiko Junge/NTB/dpa
Janina Hettich-Walz gab einen Podestplatz noch aus der Hand.
Weltcupfinale in Oslo

Historisch schwach: Erstmals kein deutscher Biathlon-Sieg

Ein paar kleine Achtungserfolge, aber kein Sieg und nur eine Olympia-Medaille: Deutschlands Biathlon-Saison bot wenig Highlights. In der Sommerpause werden die Gründe analysiert.

Die historische Nullnummer konnte Philipp Nawrath zwar nicht mehr verhindern, trotzdem freute sich Deutschlands bester Biathlet nach einem starken Saisonabschluss. «Das war eine Genugtuung. So perfekt am Schießstand durchzukommen, war genial und gibt mir ein gutes Gefühl», sagte der 33-Jährige nach seinem zweiten Platz im Massenstart von Oslo im ZDF: «Es ist genial, so in die Saisonpause zu starten.»

Nur 3,7 Sekunden fehlten Nawrath im allerletzten Weltcuprennen des Winters, um doch noch einen deutschen Sieg zu schaffen. Alle 20 Scheiben hatte er getroffen, aber auf den letzten Metern wurde der Nesselwanger noch vom norwegischen Sieger Johan-Olav Botn geschlagen. Erstmals gab es in einer gesamten Saison so keinen Sieg für die einst so erfolgsverwöhnten Biathletinnen und Biathleten, die mittlerweile von Frankreich und Norwegen abgehängt wurden. Nun müssen Wege aus der Krise gefunden werden.

«Wir müssen uns ankreiden, dass wir es dieses Jahr nicht so hingekriegt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten», sagte Sportdirektor Felix Bitterling im ZDF. Zu oft kosteten späte Fehler bessere Ergebnisse. So wie bei Janina Hettich-Walz, die im Massenstart am Holmenkollen ebenfalls lange Podestchancen hatte. Zwei Patzer im letzten Schießen verhinderten aber doch noch den Sprung auf Platz drei. Die 29-Jährige wurde am Ende Zehnte. Ähnliche Situationen gab es für sie und andere Deutsche zuletzt viel zu oft.

Nur neun Podestplätze in 69 Rennen

In 69 Rennen seit November gab es insgesamt nur neun deutsche Podestplätze - und erstmals keinen Sieg, seitdem Männer und Frauen 1987/1988 gemeinsam im Weltcup antreten. Nawrath schaffte zweimal als Zweiter die besten Resultate eines insgesamt ernüchternden Winters. Daneben gab es sieben dritte Ränge, unter anderem für die Mixedstaffel bei den Olympischen Winterspielen in Italien. Es war die einzige Medaille beim Saison-Highlight. So schwach war die deutsche Auswahl bei Winterspielen nie zuvor.

Nach dem Karriereende von Franziska Preuß gibt es niemanden, der die große Lücke der Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin füllen kann. Die 32-Jährige trat direkt nach Olympia zurück, kam aber als Besucherin doch noch mal nach Oslo. «Es ist voll okay, am Streckenrand zu stehen», sagte Preuß im ZDF. Sie hatte vor fast genau einem Jahr den letzten deutschen Sieg im Massenstart geholt und so die große Kristallkugel gewonnen.

Diese übergab sie am Holmenkollen nun an Lou Jeanmonnot. Die Französin musste sich Preuß im Vorjahr geschlagen geben, nun triumphierte sie souverän und hängte mit ihrem Team auch die deutsche Konkurrenz ab. Preuß freute sich für Jeanmonnot und über ihr neues Leben. «Es war mir nie langweilig. Es fühlt sich voll gut an», sagte Preuß: «Ich habe daheim gemerkt, dass die Freude am Sport zurück ist, das habe ich diesen Winter echt verloren. Ich brauch' keine Startnummer mehr, ich kann jeden Tag einfach so sporteln.»

Mehringer und Röiseland nicht mehr Frauen-Trainer

Aus der Ferne wird sie beobachten, wie es mit dem deutschen Biathlon weitergeht. Viel Arbeit wartet jedenfalls auf Sportdirektor Bernd Eisenbichler. Der 50-Jährige kehrt nach einem Abstecher zu einem Sportartikelhersteller in dieser Funktion ab 1. Mai zum Deutschen Skiverband zurück. Eisenbichler löst Bitterling ab, der zum Weltverband IBU zurückkehrt. Seit April 2022 hatte Bitterling viele Veränderungen unter anderem in der Trainerausbildung und der Entwicklung junger Sportlerinnen und Sportler angeschoben. Eisenbichler muss entscheiden, ob er diesen Weg genau so oder ganz anders weitergeht.

Künftig nicht mehr dabei sein werden die Trainer Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland. Wie Bitterling nach dem finalen Wettkampf bestätigte, wird das Duo die Verantwortung für das Frauenteam abgeben. Mehringer werde eine neue Aufgabe im Verband bekommen, Röiseland kehrt in seine norwegische Heimat zurück. Wer die beiden ersetzt, ist bislang nicht bekannt.

Von Thomas Wolfer, dpa
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