Gianni Infantino steht massiv unter Druck. (Archivbild)
Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Gianni Infantino steht massiv unter Druck. (Archivbild)
Treffen in Marokko

Infantino beruft Krisenrunde ein - Neue Vorwürfe gegen FIFA

Die Kritik an Gianni Infantino reißt nicht ab. Nun gibt es Vorwürfe der Erpressung in Richtung des Weltverbands. Der angezählte FIFA-Chef setzt ein Krisentreffen an - fernab vom Hauptsitz.

Inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit und neuer Vorwürfe trifft sich Gianni Infantino mit weiterem Spitzenpersonal des Fußball-Weltverbands zu einer Notfallsitzung. Wie britische Medien übereinstimmend zuerst berichteten, hat der stark in der Kritik stehende FIFA-Präsident wichtige Mitarbeiter für heute zu einem Treffen in die marokkanische Hauptstadt Rabat beordert. Dies deckt sich mit Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Inhalt und Ausgang der Gespräche sind vorab noch offen.

Wie die BBC berichtete, sollen unter anderem Generalsekretär Mattias Grafström und Finanzchef Thomas Peyer an der Sitzung teilnehmen. Der Schwede Grafström hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an FIFA-Mitarbeiter eine «traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen» sowie einen «Aufruhr» beklagt.

Rabat auch Schauplatz für nächsten FIFA-Kongress

Infantino hatte zuletzt für eine Welle der Empörung in der Fußball-Welt gesorgt, als die Pläne bekannt wurden. Der FIFA-Chef lenkte zwar ein und verwarf die Idee - dennoch formiert sich vor allem in Europa heftiger Widerstand gegen ihn. Die aktuelle Krise könnte das Ende von Infantinos inzwischen zehnjähriger Amtszeit als FIFA-Präsident bedeuten. Nach Abschluss der WM in den USA, Mexiko und Kanada vor zweieinhalb Wochen schien seine erneute Wiederwahl beim Kongress Mitte März 2027 in Rabat noch alternativlos zu sein.

In Rabat ist der regionale Sitz für Afrika der in Zürich ansässigen FIFA. In der Hauptstadt des WM-Co-Gastgebers von 2030 war Infantino in der vorigen Woche als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten.

Erpressungsvorwürfe aus Jordanien

In der aktuellen Krise sieht sich Infantino nun auch Erpressungsvorwürfen ausgesetzt. Der Chef des jordanischen Fußball-Verbandes, Prinz Ali bin al-Hussein, behauptet, dass seinen Auswahlspielern in den vergangenen Monaten von der FIFA Gelder vorenthalten worden seien. «Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze», schrieb al-Hussein dazu auf der Plattform X.

«Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun», stellte der Prinz klar und ergänzte: «Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus und wir weigern uns, das zuzulassen.» Der Weltverband war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen angefragt.

Al-Hussein einst Gegenkandidat von Infantino

Prinz Al-Hussein war 2016 im Rennen um die Präsidentschaft des Weltverbands gegen Infantino angetreten, hatte aber keine Chance. Schon im Jahr zuvor war er dem damaligen FIFA-Boss Sepp Blatter bei der Wahl unterlegen. Von 2011 bis 2015 war er als Vizepräsident im mächtigen Exekutivkomitee der FIFA.

Nun schilderte der Funktionär, dass der Weltverband den jordanischen Spielern noch Geld schulde. Als Zweitplatzierte des FIFA Arab Cups im Dezember 2025 stünde Jordanien noch ein Preisgeld zu, das Medienberichten zufolge 4,2 Millionen Dollar (umgerechnet gut 3,6 Millionen Euro) betrug. «Das Geld, das unser Team für das Erreichen des Finales bekommen sollte, wurde noch nicht ausgezahlt, und das, obwohl die FIFA gleichzeitig damit angibt, wie viele Milliarden sie noch in Reserve hat», schrieb al-Hussein auf der Nachrichtenplattform.

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