Die spielerische Klasse von Jule Brand soll den Deutschen in Norwegen helfen.
Robert Michael/dpa
Die spielerische Klasse von Jule Brand soll den Deutschen in Norwegen helfen.
WM-Qualifikation

Klassiker auf Kunstrasen: Norwegen fordert DFB-Elf heraus

Offensivstarke Norwegerinnen, ein ungewohnter Rasen und personelle Änderungen: Die deutschen Fußballerinnen stehen in Stavanger vor einem echten Härtetest.

Für Bundestrainer Christian Wück ist Norwegen «der Gegner, der uns am meisten fordern wird». Lyons Offensivstar Jule Brand warnt vor ihrer Vereinskollegin, der Ex-Weltfußballerin Ada Hegerberg. Und Ann-Katrin Berger fürchtet am Samstag (18.00 Uhr/ZDF-Livestream) im Stadion von Stavanger vor allem den ungewohnten Platz. «Ich muss ehrlich sagen, Kunstrasen tut auch weh für einen Torhüter», sagte die 35-Jährige vor dem heißen Klassiker in der kühlen Küstenstadt.

Für die DFB-Auswahl steckt im zweiten Spiel der WM-Qualifikation viel sportliche Brisanz. 42 Mal duellierten sich beide Teams bereits, die Hälfte der Spiele gewannen die Deutschen, 14 die Norwegerinnen. Viermal gab's die Partie gar in einem EM-Finale, viermal siegte Deutschland. Im einzigen WM-Finale hieß es 1995 aber 2:0 für Norwegen.

Fünfmalige Weltschiedsrichterin pfeift 

Dass die fünfmalige Weltschiedsrichterin Stéphanie Frappart aus Frankreich für die nun anstehende Partie eingeteilt wurde, unterstreicht deren hohe Wertigkeit. Norwegen habe im Vergleich zu den beiden anderen Gruppengegnern «die erfahrensten Spielerinnen und auch die qualitativ interessantesten Spielerinnen», sagte Wück über die zweimaligen Europameisterinnen.

Wie der DFB-Elf, die Slowenien am Dienstag in Dresden mühelos mit 5:0 besiegte, glückte auch Norwegen beim 1:0 in Österreich der Quali-Auftakt. «Die haben sehr viele individuelle Spielerinnen, die wirklich überragend sind», sagte Berger, «da müssen wir uns einfach besser darauf einstellen.»

Norwegens gefährliches Offensiv-Trio

In der Offensive wirbeln etwa die Ex-Wolfsburgerin Caroline Graham Hansen vom FC Barcelona, Signe Gaupset (Tottenham Hotspur) und Lyons Ada Hegerberg, Weltfußballerin von 2018. «Sehr gefährlich» seien alle drei, unterstrich Wück, seine Elf müsse «vor allem auf das Umschaltverhalten der Norwegerinnen aufpassen». Brand hob Hegerberg hervor, «die immer gefährlich ist vor dem Tor».

Vizekapitänin Janina Minge dürfte ob der Offensivpower des Gegners wieder ins Abwehrzentrum neben Rebecca Knaak rücken. In Dresden hatte Wück noch Camilla Küver bevorzugt, um zu schauen, «wie Camilla und Rebecca zusammen harmonieren». Groß beweisen konnte sich Küver, deren Mutter aus Norwegen stammt, gegen physisch klar unterlegene Sloweninnen allerdings kaum.

Im Sturm könnten auch Nicole Anyomi von Eintracht Frankfurt, Lea Schüller (Manchester United) und Larissa Mühlhaus beginnen. Die Bremerin hatte bei ihrem Debüt samt Tor gegen Slowenien direkt ihre Qualitäten nachgewiesen. Ob das reicht, um die zuletzt ebenfalls überzeugende Shekiera Martinez von West Ham United zu verdrängen? «Es wird die eine oder andere Änderung geben», kündigte Wück an, ohne Namen zu nennen.

Meinungen zu Kunstrasen gehen auseinander

Fest steht, dass neben dem Gegner auch der ungewohnte Kunstrasen die Spielerinnen fordern wird. «Ich glaube, dass die Norwegerinnen von Beginn an einen kleinen Vorteil haben, weil sie diesen Kunstrasen besser kennen als wir», urteilte Wück. Und Torhüterin Berger ergänzte: «Ich bin jetzt nicht so der große Fan davon. Der Ball springt einfach ganz, ganz anders.» 

Die Offensivspielerinnen Brand und Vivien Endemann sehen es etwas positiver: «Manchmal ist auch ein Kunstrasen vielleicht besser als ein Acker, auf dem man spielt. Ich glaube, wir können auf dem Kunstrasen dann gut zocken», meinte die Wolfsburgerin. Sie habe zwar «echt ewig nicht mehr auf Kunstrasen gespielt», sagte Brand, «aber ich glaube, wenn der Ball verspringt, war es auf jeden Fall nicht der Platz.»

Von schmerzhaften Erfahrungen berichtete Innenverteidigerin Knaak, die von 2022 bis 2024 für den FC Rosengard auflief: «Ich habe tatsächlich in Schweden relativ viel auf Kunstrasen gespielt damals. Da waren schon die einen oder anderen Schürfwunden den ganzen Sommer offen.»

Von David Joram und Ulrike John, dpa
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