Musste in der Schlussphase behandelt werden: Felix Zwayer.
Lindsey Wasson/AP/dpa
Musste in der Schlussphase behandelt werden: Felix Zwayer.
Fußball

Krämpfe beim WM-Debüt: Zwayers starke Leistung getrübt

Felix Zwayer verteilt sieben Gelbe Karten und hat die WM-Partie USA gegen Australien gut im Griff. Dann bekommt der deutsche Schiedsrichter plötzlich Krämpfe. Kommt er nochmal zum Einsatz?

Die Bilder, die von Felix Zwayers WM-Debüt in Erinnerung bleiben werden, haben wenig mit seiner Leistung als Schiedsrichter zu tun. In der Nachspielzeit der Partie zwischen USA und Australien saß der 45-Jährige auf dem Rasen des Stadions in Seattle und ließ sich von den Profis Krämpfe aus der linken Wade drücken.

Als er wieder aufstehen und die Partie regulär beenden konnte, klatschten die 66.925 Fans voller Respekt. Zwayer verließ die sonst als Football-Stadion genutzte Arena später ohne Kommentar und damit ohne ein Update zu seinem Gesundheitszustand. Die FIFA ist für eine Reaktion angefragt.

Klopp: Trägt nicht zu mehr Spielen für Zwayer bei

Doch der ungewöhnliche Zwischenfall bei 28 Grad in der prallen Mittagssonne von Seattle hatte dafür gesorgt, dass genug Experten über den erfahrenen Schiedsrichter aus Berlin sprachen. «Wir hatten doch vor dem Spiel darüber gesprochen: Was muss ein Schiedsrichter tun, um weitere Spiele zu kriegen? Ich würde jetzt einfach mal annehmen, dass das nicht dazu beiträgt», sagte Jürgen Klopp bei MagentaTV.

Für Zwayer war der Vorfall besonders ärgerlich, weil er den 2:0-Erfolg der USA im zweiten Gruppenspiel zuvor souverän geleitet hatte. Zwar verteilte der deutsche Spitzenschiedsrichter sieben Gelbe Karten und damit mehr als jeder Referee bei diesem WM-Turnier zuvor - jedoch verschaffte er sich mit einer klaren Linie Respekt bei den Profis.

Ittrich: «Zwayer ist topfit»

Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich verteidigte seinen Kollegen und lobte dessen Kondition. «Man will sich nicht nachsagen lassen, dass man nicht fit ist und derjenige ist, der hier ausgewechselt werden muss. Das ist bei Felix Zwayer überhaupt nicht so, weil der topfit ist», sagte Ittrich im Anschluss an die Partie, die sich durch die verletzungsbedingte Pause des Schiedsrichters in der Nachspielzeit noch einmal verlängerte.

Zwayer darf bei dem XXL-Turnier über fünfeinhalb Wochen trotzdem auf einen weiteren Einsatz hoffen. Das belegt auch ein Beispiel aus der WM-Qualifikation. Der Argentinier Facundo Tello hatte im März die wichtige Playoff-Partie zwischen DR Kongo und Jamaika gepfiffen und musste wegen einer Verletzung am linken Bein in der Verlängerung ausgewechselt werden. Der Weltverband FIFA trug es ihm nicht nach und ließ ihn bei der WM gleich Kanada gegen Bosnien-Herzegowina - die dritte Partie des Turniers - leiten.

Krampf oder Verletzung?

Bei Zwayer bleibt aber wesentlich weniger Zeit. Die Frage ist, ob der Deutsche wirklich nur einen Krampf erlitten hat - oder ob er mit einer strukturellen Verletzung zu kämpfen hat. «Ich bin besorgt, muss ich sagen», sagte Ittrich zwischenzeitlich über den Gesundheitszustand seines Kollegen. Nach der Unterbrechung konnte Zwayer die Partie selbst beenden, ehe er den Rasen der Arena mit seinen Assistenten verließ.

Für die TV-Crews von ARD und MagentaTV war die Szene auch Anlass für ein paar Scherze. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger witzelte darüber, dass Zwayer sich am 94. Minute am Boden rumgewälzt und einen Krampf vorgetäuscht habe.

Brych bekam 2018 nur einen Einsatz

Ernst gemeint hatte Schweinsteiger die Aussage ebenso wenig wie Magenta-Moderator Johannes Kerner, der mit Blick auf das sehr mäßige Spielniveau nach dem Wechsel anmerkte: «Er war der Einzige, den das Spiel in der zweiten Halbzeit umgehauen hat.» Unisono lobten Ittrich, Klopp und auch Schweinsteiger die exzellente sportliche Vorstellung des Unparteiischen.

«Er wirklich hervorragende Leistung: viel laufen lassen, gute Gelbe Karten. Das war wirklich top», urteilte Ittrich. Zwayer ist bei dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko der einzige deutsche Referee. 2022 in Katar war Daniel Siebert als deutscher Vertreter dabei. Er erhielt zwei Vorrundenspiele. 

Vor acht Jahren in Russland hatte Felix Brych nur eine Partie bekommen. Für seine Leitung beim hochbrisanten Vorrundenspiel zwischen Serbien gegen Schweiz wurde Brych damals harsch attackiert.

Von Patrick Reichardt, dpa
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