Trainer Kompany erklärt den Verzicht auf Neuer.
Peter Kneffel/dpa
Trainer Kompany erklärt den Verzicht auf Neuer.
FC Bayern in Champions League

Kunstrasen-Rarität und Keeper-Überraschung: Neuer fehlt

Manuel Neuer muss nach seinem Bundesliga-Patzer auf eine schnelle Reaktion warten. Der Bayern-Kapitän ist angeschlagen. Trainer Vincent Kompany erklärt den Fall.

Das Kunstrasen-Abenteuer soll für den FC Bayern mit Jonas Urbig statt Manuel Neuer im Tor nicht zur Mission Impossible werden. Wegen des Champions-League-Spiels auf ungewohntem Untergrund in Norwegen ließ der Münchner Trainer seine Stars früher als gewohnt anreisen. Die spannende Frage, ob Kapitän Neuer nach seinem Augsburg-Patzer oder Urbig im Auswärtsspiel bei Viking Stavanger im Tor stehen würde, beantwortete Trainer Vincent Kompany schnell bei der Pressekonferenz am Vorabend der Partie. 

Neuer habe «etwas am Fuß gespürt. Daher ist die Frage, wer morgen im Tor stehen wird, ganz schnell beantwortet», sagte Kompany über die «rein medizinische» Entscheidung. Er würde es nicht Verletzung nennen, aber man werde kein unnötiges Risiko eingehen. Dass Neuer trotzdem in den Charterflieger nach Nordeuropa gestiegen war, überraschte da etwas. Man habe gedacht, dass er in Stavanger trainieren könne, erklärte Kompany.

«Gar keine Zweifel an Manu»

Mit dem Fauxpas beim schnellsten Gegentor der Bundesliga-Historie in Augsburg (2:2) hat der Torwartwechsel also nichts zu tun. Sportvorstand Max Eberl betonte vor einem «vermeintlich exotischen» Königsklassen-Abend am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video), dass es «gar keine Zweifel an Manu» gebe. Neuer selbst hatte schon «eine Vorahnung» gehabt, wer zwischen den Pfosten stehen wird. Von seiner Blessur hatte er dabei aber nichts verraten. 

Urbig kommt so zum dritten Pflichtspieleinsatz der Saison. Zuletzt war er unter Bundestrainer Jürgen Klopp überzeugend zum Nationalspieler aufgestiegen. «Wir sind im Plan - die Minuten, die wir ihm geben wollten für seine Entwicklung, hat er bekommen. Er hat ein Pokalfinale gespielt, mehrere Champions-League-Spiele. Dass er jetzt Nationalmannschaft spielt, ist eine Folge dieser Entwicklung. Und jede Minute ist gut für seine Entwicklung», sagte Kompany. 

Für Urbig & Co. geht es auf einem ungewohnten Boden zur Sache. Das laut Club-Angaben erst zweite Pflichtspiel des deutschen Fußball-Rekordmeisters auf Kunstrasen - am 22. November 2006 gab es ein 2:2 bei Spartak Moskau - veranlasste Kompany zur Änderung der gewohnten Reise-Abläufe in der Champions League. Statt zu Hause auf dem saftigen Grün an der Säbener Straße wurde das Abschlusstraining vor Ort auf dem ungewohnten Untergrund angesetzt.

Kompany mit klarer Forderung

«Ich habe in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt», erklärte Kompany. Seine Stars sollten sich ein Gefühl für Boden und Schuhwahl verschaffen, Antworten habe er selbst auf diese Fragen auch noch nicht. «Aber ob Wind, Regen oder Sonne, egal ob in Amerika in Carolina mit 45 Grad oder in Stavanger mit minus fünf Grad auf Kunstrasen, das ist für mich alles egal. Ich möchte gerne, dass wir überall Bayern sind», forderte Kompany. 

Zwar hat der norwegische Meister, der beim VfB Stuttgart im September mit 1:3 verlor, in der heimischen Lyse Arena seit August letzten Jahres lediglich ein Pflichtspiel vor eigenem Publikum nicht gewonnen. Rund 45 Minuten Autofahrt und einen schönen Aufstieg entfernt von der atemberaubenden Klippe des Preikestolen, wo Tom Cruise eine der bekanntesten Actionszenen aus der Reihe «Mission: Impossible» drehte, ist der nächste Bayern-Sieg in der Ligaphase aber alles andere als ein unmöglicher Auftrag.

Kimmich: Können auch auf Kunstrasen guten Fußball spielen

«Ich gehe davon aus, dass man auch auf einem Kunstrasen sehr guten Fußball spielen kann», sagte DFB-Kapitän Joshua Kimmich. Zum Glück hätten sich die Kunstrasenplätze in den vergangenen Jahren entwickelt und seien nicht mehr «so wie ein Hockeyfeld».

Gerade in Regionen mit langen Wintern, viel Regen und vergleichsweise wenig natürlichem Licht bietet Kunstrasen Vorteile. Für Spieler fühlt sich der Boden aber anders an. Der Ball kann etwas schneller laufen und anders aufspringen. Auch das Zusammenspiel zwischen Schuh und Rasen verändert sich.

«Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen; er geht etwas stärker auf Knie und Knöchel. Mit den richtigen Schuhen sollte das aber kein großes Problem sein», sagte Harry Kane, der zuletzt vor neun Jahren mit England in Litauen auf Kunstrasen spielte. «Gut, dass wir im Herbst und nicht im Winter dort spielen, sonst wäre der Unterschied größer.»

Neuer vor zwei Rekorden

Nach dem 5:0 zum Auftakt der neuen Königsklassen-Saison gegen FK Bodø/Glimt vor einem Monat streben die Münchner gegen das Team des Trainerduos Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen den nächsten Erfolg an. «Unsere Norwegen-Wochen gehen weiter», sagte Eberl. «Wir müssen und wollen das Spiel gewinnen, um gut in die Champions League reinzustarten.»

Eberl bekräftigte, dass der FC Bayern auch nach einem schlechten Neuer-Spiel an seinen Torhüterrollen festhält. «Manu ist unsere Nummer eins, wird es auch bleiben. Und was dann in Zukunft passiert, das wird man dann sehen», sagte der 53-Jährige. 

Christian Kunz, dpa
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