Der deutsche Rad-Star Florian Lipowitz. (Archivbild)
Nicolás Carvalho Ochoa/dpa
Der deutsche Rad-Star Florian Lipowitz. (Archivbild)
Radsport

Lipowitz will bei der Tour im Schatten von Evenepoel glänzen

Die Erwartungen sind hoch an Florian Lipowitz nach seinem dritten Tour-Rang im Vorjahr. Bei der nächsten «Grande Boucle» tritt er gemeinsam mit dem gegensätzlichen Star Evenepoel an. Kann das klappen?

Im Windschatten des Superstars bastelt Florian Lipowitz in aller Ruhe an seinem nächsten Coup bei der Tour de France. So lautet zumindest der Plan. Und der deutsche Rad-Shootingstar will möglichst keine Unruhe aufkommen lassen um die ungleiche Doppelspitze, die er zusammen mit dem belgischen Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel beim deutschen Red-Bull-Team bildet. 

«Das ist sogar für mich gut, dass ich mich ein bisschen aus dem Vordergrund zurückhalten und einfach so wie letztes Jahr mein Ding machen kann», sagte der 25-Jährige der Deutschen Presse-Agentur vor dem Start der 113. Ausgabe des weltweit größten Radsport-Events. 

Lipowitz: Voneinander profitieren

Im vergangenen Jahr feierte Lipowitz sensationell den dritten Rang bei der Tour, während sein neuer Teamkollege Evenepoel - damals noch bei der Konkurrenz - in den Pyrenäen schlapp machte und während der 14. Etappe vom Rad stieg. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein: Lipowitz, der zurückhaltende Ex-Biathlet. Evenepoel, eher Typ Draufgänger und meinungsstark.

Passt das zusammen? Oder ist Zank programmiert? «Ich glaube, dass wir uns ganz gut ergänzen und dass wir beide einfach voneinander auch profitieren können», meinte Lipowitz. Als Doppelspitze zu starten, nehme viel Druck. 

Viele Rennen haben beide bislang in der Vorbereitung nicht gemeinsam absolviert. «Wir haben ehrlicherweise nicht ganz so viel Kontakt. Klar, wir hatten ein Höhentrainingslager zusammen, da war ich aber gesundheitlich ein paar Tage raus. Deshalb haben wir am Ende gar nicht so viel Zeit miteinander verbracht.»

Bei der Katalonien-Rundfahrt fuhren sie gemeinsam. Evenepoel half Lipowitz, um den dritten Rang zu erreichen. «Das war nie eine Frage. Natürlich werde ich zurückstehen, wenn Florian stärker ist», beteuerte Evenepoel. 

Die Beziehung der beiden Top-Fahrer sorgt für großes Interesse vor dem Start der Tour. Zuletzt widmete ihr Team genau diesem Thema sogar einen längeren Beitrag auf der Website. Dort heißt es, dass beide trotz ihrer Gegensätze zusammen funktionieren. 

Wie sieht es der Boss? Red-Bull-Teamchef Ralph Denk versicherte zuletzt in einer Medienrunde, dass die Teamleitung mit beiden sehr offen über die Pläne gesprochen habe. «Ich bin überzeugt, dass das sehr gut funktioniert und dass man da gar nicht so viel korrigieren muss. Nach wie vor ist Remco schon der Frontmann und Florian so ein bisschen der Wingman», sagte der 54-Jährige.

Evenepoel soll auch medial die Aufmerksamkeit auf sich ziehen - weg vom eher öffentlichkeitsscheuen Lipowitz. Seine Debüt-Tour brachte ihm ein ungewohntes Interesse an seiner Person ein. «Dieses Jahr war speziell, weil ich nach der Tour einen leichten Durchhänger hatte. Mir ging es nicht ganz so gut, vor allem weil auch für mich der ganze Trubel ein bisschen too much war», sagte er. 

Lipowitz jubelt in Slowenien

Lipowitz' Ziel danach: nicht zu viel Druck machen. Das Frühjahr lief toll für den in Laichingen geborenen Senkrechtstarter: Dritter bei der Katalonien-Rundfahrt, jeweils Zweiter im Baskenland und bei der Tour de Romandie. 

Katalonien habe ihm gezeigt, dass Selbstvertrauen und Leistungsfähigkeit zurück waren. Zuletzt absolvierte der in Tirol lebende Profi zwei Wochen Höhentrainingslager. Und er bejubelte den Gesamtsieg bei der Slowenien-Rundfahrt, die allerdings nicht besonders prominent besetzt war. Das Team schickte ihn bewusst nach Slowenien, damit er sich fernab der großen Medien und mit aussichtsreichen Siegchancen in Ruhe auf die Tour vorbereiten konnte. 

«Podium wird dieses Jahr super hart»

Seine größten Konkurrenten fehlten allesamt. Neben den Top-Stars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard hat Lipowitz im französischen Supertalent Paul Seixas einen direkten Konkurrenten dazubekommen.

«Das Podium wird dieses Jahr super hart», sagte Lipowitz. «Jonas und Pogacar fahren definitiv noch auf einem anderen Level.» Als er sich mit den beiden in den Vorbereitungsrennen duellierte, habe er gemerkt: Beide seien noch ein, zwei Schritte voraus. Dennoch zeigte Lipowitz bei der Romandie, dass er mithält. Er attackierte Pogacar und lag später nur 42 Sekunden hinter dem slowenischen Ausnahmeathleten, der seinen fünften Tour-Erfolg anpeilt. 

Im Gegensatz zu Pogacar wird Lipowitz in der Öffentlichkeit noch nicht ständig erkannt. Und das gefällt ihm. «Auf dem Rad kommt man nicht mehr drumherum, dass man hin und wieder erkannt wird», sagte er. Aber «ich kann noch durch die Stadt laufen, ohne groß erkannt zu werden, was ich auch ganz genieße», sagte er mit einem Schmunzeln.

Felix Schröder und David Langenbein, dpa
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