Zweites Rennen, zweite Medaille für Anja Wicker.
Martin Schutt/dpa
Zweites Rennen, zweite Medaille für Anja Wicker.
Winterspiele in Italien

Medaillenreicher Auftakt für Team D bei Paralympics

Das deutsche Team erwischt bei den Winter-Paralympics einen glänzenden Auftakt. Zwei Biathleten gewinnen ihre zweite Medaille. Im Deutschen Haus wird Anna-Lena Forster für ihren Gold-Coup gefeiert.

Glänzender Auftakt dank Frauen-Power: Einen Tag nach dem Abfahrts-Gold für Anna-Lena Forster haben starke Biathletinnen die Medaillenbilanz für das Team D bei den Winter-Paralympics in Italien kräftig aufgebessert. Anja Wicker, am Vortag bereits Sprint-Dritte, schaffte es als Zweite im Einzelrennen ebenso auf das Podest wie die sehbehinderte Johanna Recktenwald auf Rang drei. Einziger deutscher Mann mit Medaillen ist Marco Maier, der wie im Biathlon-Sprint auch im Einzel Dritter wurde.

Erschöpft, aber über das ganze Gesicht strahlend, rollte Wicker nach ihrer Silbermedaille durch das sonnige Langlaufstadion in Tesero. «Unglaublich. Davon träumt man. Zwei Rennen, zwei Medaillen. Ich muss mich kneifen», sagte die 34-Jährige. Nur 12,8 Sekunden Rückstand hatte Wicker, die direkt den ersten von 20 Schuss daneben setzte und damit eine Strafminute kassierte, am Ende auf die siegreiche Südkoreanerin Yunji Kim.

Wicker freut sich über «i-Tüpfelchen» – Eskau disqualifiziert

«Es hat vom ersten Meter an Spaß gemacht und es freut mich, dass es so eng ist und ich um Silber mitlaufen konnte», sagte die Stuttgarterin, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist. Nach Bronze am Vortag war es für Wicker insgesamt bereits die fünfte Paralympics-Medaille. «Ich war super entspannt am Start, weil mit der Medaille gestern mein Ziel erreicht und damit der Druck weg war. Jetzt habe ich noch das i-Tüpfelchen draufgesetzt», berichtete sie. 

Bitter endete das Rennen für ihre Teamkollegin Andrea Eskau. Bei ihren neunten Paralympics und nach eigener Aussage letzten Winterspielen blieb die 54-Jährige in der sitzenden Klasse als einzige Athletin fehlerfrei, wurde jedoch wegen einer nicht korrekt genommenen Wende disqualifiziert. Eskau, die am Vortag Neunte geworden war, nahm es aber mit Humor: «So ist es im Leben – manchmal hat man kein Glück, und dann kommt manchmal noch Pech dazu.»

Zweite Bronzemedaille für Maier - Auch Recktenwald auf drei 

Zum zweiten Mal jubeln konnte auch Maier. Wie tags zuvor bei frühlingshaften Temperaturen in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs, kam der 26-Jährige nach Bronze im Sprint auch im Einzel mit einem Schießfehler als Dritter ins Ziel. «Ich hätte nie gedacht, dass ich gleich hintereinander zwei Medaillen gewinne, gerade weil ich vorher krank war», sagte Maier, der wegen verkürzter Finger an der linken Hand nur mit einem Stock startet. 

Den erfolgreichen Tag komplettierte bei den sehbehinderten Frauen Recktenwald mit Guide Emily Weiss. Nach einem fehlerfreien Schießen konnte sich die 24-Jährige beim erneuten Sieg der Chinesin Yue Wang über Bronze und damit ihre erste paralympische Medaille freuen. «Es ist ein Riesentraum, der in Erfüllung geht», sagte Recktenwald sichtlich gerührt. Teamkollegin Leonie Walter - am Vortrag im Sprint noch mit Bronze - kam auf Platz fünf. 

Forster wird gefeiert

Am Vorabend wurde Anna-Lena Forster mit großem Tamtam im Deutschen Haus für den ersten Goldmedaillengewinn bei den italienischen Spielen gefeiert. Beim sogenannten Medal Walk bejubelten die zahlreichen Gäste die 30-Jährige mit Kuhglockengeläut, lauten Rasseln und Jubelrufen. «Ich bin überwältigt», gestand die nun fünfmalige Paralympicssiegerin. 

Mitten im Trubel war auch Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein, die mitklatschte und Forster beglückwünschte, nachdem sie den Goldlauf bereits an der Strecke verfolgt hatte. «Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit dabei zu sein, diesen Moment hautnah mitzuerleben - und war ja haarscharf und hochgradig spannend», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. 

Für Forster hatte sie nur lobende Worte parat. «Sie ist ein unglaublich positiver Mensch und natürlich auch ganz erfahren. Es ist immer sehr berührend, das mitzubegleiten und im Austausch mit den Athleten zu sein», erklärte sie. Am Tag darauf freute sich Schenderlein in Tesero mit den Medaillengewinnern im Biathlon.

Tränen im Zielraum

Ihr erstes Abfahrts-Gold hatte die Zollbeamtin mit dem Wimpernschlag von 0,05 Sekunden Vorsprung nach rund 2,1 Kilometern auf der berühmten Tofana-Piste vor der Spanierin Audrey Pascual Seco gewonnen. «Das ist so geil, jetzt diese Medaille gerade in der Abfahrt in der Hand zu haben. Ich freue mich einfach riesig», sagte Forster. 

Mit dem Sieg im ersten alpinen Wettbewerb der Winter-Paralympics in Cortina d'Ampezzo fiel auch eine gewaltige Last von der Monoskifahrerin ab. «Ergreifend» sei es für sie im Zielraum gewesen. «Als Audrey hier runterkam und mir bewusst wurde, krass, okay, das ist jetzt die Goldmedaille, da sind dann doch ein paar Tränen geflossen», berichtete sie. 

Ihren weiteren Starts beginnend mit dem Super-G an diesem Montag blickt sie nach einem trainingsfreien Sonntag viel entspannter entgegen. «Ich glaube schon, dass es hilft, dass die Goldmedaille da ist und ich weiß, dass ich mich hier wohlfühle. Ich mache einfach so weiter, wie ich heute angefangen habe von meinem Gefühl her und dann schauen wir, was noch rausspringt», sagte Forster.

Von Jana Glose und Martin Kloth, dpa
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