Passagen, in denen die Fahrer praktisch nicht sehen, was nach der nächsten Kurve kommt, sind nicht selten auf dem Kurs. Hinzu kommt: Auslaufzonen sind Mangelware, Streckenmauern die Regel. «Wenn man einen Fehler macht, wird der Preis ohne Zweifel hoch sein», prophezeit Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali.
Rote-Flaggen-Festival beim Ernstall-Test
So wie bei den Testfahrten der Formel 3 jüngst. 19 Rote Flaggen, drei Chassis zerstört, dazu noch sechs Schäden an der Radaufhängung. Für die Autos sei es «eine Killerstrecke», meint Williams-Teamchef Jeff Vowles. Dass der Kurs kaum Grip hat, macht es nicht einfacher. Dass die Autos wegen der Batterie-Power noch unberechenbarer in Sachen Tempo und Beschleunigung sind, erhöht den Unfallfaktor zudem.
Für alle Teams werden die ersten Runden auf der Strecke Neuland sein an diesem Freitag in den beiden Übungseinheiten - bis auf Ferrari. Die Scuderia hatte im Juli einen Filmtag auf dem damals noch im Bau befindlichen Madring, Lewis Hamilton und Teamkollege Charles Leclerc hatten einen Vorgeschmack auf den Kurs bekommen. Ob das hilft? Im WM-Klassement liegt Hamilton mittlerweile satte 76 Punkte hinter Italiens Wunderkind Kimi Antonelli von Mercedes auf Platz 3.
Wieder ein Silberpfeil-Duell, aber diesmal zwischen Mauern?
Erster Verfolger des Monza-Triumphators ist sein britischer Teamkollege George Russell - 66 Punkte zurück nach Platz zwei in Italien. Zweikämpfe beim Großen Preis an diesem Sonntag (15.00 Uhr/Sky und RTL) wie zuletzt in Monza zwischen den beiden könnten auf dem Madring folgenreicher sein - und dem WM-Kampf vor der entscheidenden Saisonphase eine kleine Wendung geben.
Dass mit Madrid nun ein neues Rennen auf dem alten Kontinent in der Formel 1 wieder hinzukommt, ist bemerkenswert. Zuletzt wurden nur in Istanbul (eröffnet 2005) - allerdings im asiatischen Teil - und in Portimão (eröffnet 2008) neue Kurse errichtet, auf denen auch die Formel 1 schon fuhr. Mit einem Comeback von Istanbul wird immer wieder mal gerechnet, der Kurs an der Algarve ist ab kommender Saison im Rennkalender.
Bei Real hören sie die Motoren röhren
Madrid will aber mit dem Kurs Maßstäbe setzen, der auch aus temporären Passagen besteht, die normalerweise öffentlich genutzt werden. Im Trainingszentrum von Real Madrid, das nicht mal einen Kilometer direkt neben der «Curve monumental» liegt, dürften sie auch die Motoren hören.
Die Königlichen unterstützen als lokaler Eventsponsor die Rückkehr der Formel 1 in Spaniens Hauptstadt nach fast 50 Jahren ebenso tatkräftig wie Stadtrivale Atlético - reichlich Fußball-Prominenz dürfte also Sonntag programmiert sein, zumindest von Real. Die Königlichen spielen am Abend vorher im Bernabéu gegen Rayo Vallecano. Atlético muss Sonntagabend in San Sebastián ran.
Spanischen Berichten zufolge beliefen sich die Kosten bei der Ausschreibung für den Madring auf knapp über 83 Millionen Euro. Hinzu kommen laut «Marca» diverse weitere Kosten, insgesamt würden sich die Ausgaben auf 141,3 Millionen Euro belaufen.
Initiative gegen das Rennen: «Stop Fórmula 1 Madrid»
Einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PwC zufolge soll der Große Preis in Madrid 467 Millionen Euro bringen und 8.850 Arbeitsplätze schaffen.
Doch nicht alle sind glücklich mit der PS-Party, für die bis auf den letzten Drücker am Kurs gehämmert, gestrichen und geklebt wird. «Stop Fórmula 1 Madrid» heißt eine Initiative, die sich klar gegen das Rennen ausspricht. Es geht vor allem um Lärmbelästigung und Umweltbelastung. Auf deren Homepage läuft der Countdown bis zum Start auf dem «Kurs gemacht für Spektakel»: «Verbleibende Tage bis zu einer Gefährdung der Gesundheit der Anwohner.»
Jens Marx, dpa
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