Zwei Härtetests mit Blick auf die WM 2027: Bundestrainer Christian Wück. (Archivbild)
Ales Fevzer/dpa
Zwei Härtetests mit Blick auf die WM 2027: Bundestrainer Christian Wück. (Archivbild)
Gegen Australien und Japan

Ohne Berger, mit Freigang: Wücks WM-Stresstest für DFB-Team

Alles mit Blick auf die WM 2027 in Brasilien: Nach einer viermonatigen Pause ist das Frauen-Nationalteam wieder gefordert - und hat gleich elf Spielerinnen aus dem Ausland im Kader.

Nach einer viermonatigen Pause läutet Bundestrainer Christian Wück die WM-Saison für die deutschen Fußballerinnen ein - und will sie vor Brasilien 2027 mächtig stressen. «Das werden zwei Spiele auf hohem Niveau, die uns auf ganz andere Art fordern als gegen europäische Teams», sagte der 53-Jährige vor den Heim-Länderspielen gegen Australien am 9. Oktober in Karlsruhe und gegen Japan am 13. Oktober in Bremen. 

Geplant sind Ende November/Anfang Dezember zudem zwei Tests auf einem anderen Kontinent, nach dpa-Informationen soll es ein Amerika-Trip geben. «Die Spielidee ist nicht so, wie wir sie in Europa kennen», sagte Wück mit Blick auf die kommenden Gegner.

Sechs Spielerinnen von englischen Clubs

Er hat als Nachwuchscoach der männlichen U-Auswahlteams schon Reisen nach Indien, Chile und Indonesien erlebt und will seine Spielerinnen nicht nur mit den klimatischen Bedingungen vertraut machen: «Ich will ihnen zeigen, was im Stadion los ist.» Im nächsten Jahr steht dann vor der Weltmeisterschaft noch unter anderem die Olympia-Qualifikation über die Nations League an. 

Gleich sechs Spielerinnen aus der englischen Women's Super League - so viele wie noch nie - nominierte Wück dieses Mal. Damit reagierte der Chefcoach auf Wechsel von einigen Topspielerinnen wie die erstmals in die DFB-Auswahl berufene Ex-Leipzigerin Lisa Baum auf die Insel.

Berger bekommt Pause, Mahmutovic Chance 

Stammtorhüterin Ann-Katrin Berger vom US-Club Gotham FC pausiert in Absprache mit dem Trainerteam. Bei der 35-Jährigen sei schon länger klar, dass sie mal einen Lehrgang aussetzt. «Das war jetzt der Zeitpunkt, weil sie in Amerika in der heißen Phase der Liga ist», erklärte Wück. Ena Mahmutovic von Meister FC Bayern München, die mindestens einen Einsatz bekommen soll, Stina Johannes vom VfL Wolfsburg und Laura Dick von der TSG Hoffenheim sind für die Position zwischen den Pfosten aufgeboten.

Frankfurts Freigang zurück 

Eintracht Frankfurts Kapitänin Laura Freigang steht trotz eines laufenden Disziplinarverfahrens im Kader. «Laura ist spielberechtigt, sie hat mit sportlichen Leistungen überzeugt - deswegen ist sie dabei», sagte Nia Künzer, DFB-Direktorin Frauenfußball.

Innerhalb von zwölf Monaten soll die 28-Jährige laut Angaben der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada) dreimal für eine Dopingkontrolle nicht an dem von ihr angegebenen Ort gewesen sein. Wegen der verpassten Tests droht der 44-maligen Nationalspielerin eine Sperre. Der Fall liegt nun beim DFB und könnte vor dem Sportgericht landen. 

Giulia Gwinn wieder dabei 

Rückkehrerin und Kapitänin Giulia Gwinn führt das 24-köpfige Aufgebot für Karlsruhe und Bremen an. Die Außenverteidigerin von Bayern München hatte im Juni bei den erfolgreichen WM-Qualifikationsspielen gegen Norwegen und in Slowenien wegen einer Schulter-Operation gefehlt.

Aus England dabei sind Sjoeke Nüsken (FC Chelsea), Lea Schüller (Manchester United), Vivien Endemann (FC Liverpool), die Ex-Leverkusenerin Carlotta Wamser (Manchester City), Selina Cerci (zuvor TSG Hoffenheim) und erstmals die 19 Jahre alte Flügelspielerin Baum (beide FC Arsenal).

Wück und die «Währung Spielzeit»

Insgesamt stehen elf Spielerinnen von ausländischen Clubs im Aufgebot. Vor allem die England-Neulinge müssen sich bei ihren Arbeitgebern erst mal durchsetzen. Wück sprach von der «Währung Spielzeit», die ihm extrem wichtig ist - durchaus eine Warnung an seine Kandidatinnen vor der WM (24. Juni bis 25. Juli 2027). 

Die Abwanderung so mancher Topspielerin aus der Bundesliga ist natürlich auch im DFB-Trainerteam ein großes Thema. Der Bundestrainer beklagte auch noch eine «andere Entwicklung, die mir etwas Kopfzerbrechen bereitet»: Er sehe, wenn er in Bundesliga-Stadien auf der Tribüne sitze, oft «nur noch maximal drei, vier Spielerinnen, die für die deutsche Nationalmannschaft einsatzberechtigt wären».

Von Ulrike John, dpa
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