Eugen Polanski sah in Freiburg ein ganz schwaches Spiel seines Teams.
Philipp von Ditfurth/dpa
Eugen Polanski sah in Freiburg ein ganz schwaches Spiel seines Teams.
Fußball-Bundesliga

Polanski muss gehen: Abstiegskandidat Gladbach sucht Trainer

Gladbach wechselt als erster Bundesligist in dieser Saison den Coach. Wie im Vorjahr trennt sich die Borussia nach nur drei Spielen vom Cheftrainer. So geht es jetzt weiter.

Das war's für Eugen Polanski. Nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte haben die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach Konsequenzen gezogen und sich vom Trainer getrennt. Einen Tag nach dem erschreckenden 0:5 gegen den SC Freiburg, in dem die Borussia wie ein Absteiger spielte, teilten die punktlosen Gladbacher den nächsten Schritt in einer bedenklichen Entwicklung mit. Die Elf vom Niederrhein taumelt.

«Trotz einer guten Vorbereitung und positiver Ansätze ist es der Mannschaft in der Bundesliga nicht gelungen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen», sagte Sportchef Rouven Schröder. «Die zuletzt gezeigten Leistungen haben zu der Entscheidung geführt, Eugen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden.» Co-Trainer Jan-Moritz Lichte übernimmt den Trainerjob zunächst interimsweise.

Fans skandieren: «Wir haben die Schnauze voll» 

Der Entschluss zur Trennung von Polanski hatte sich bereits am Vortag angedeutet. In Freiburg hatte Schröder ein Bekenntnis zum 40-Jährigen vermieden. Auch der Coach selbst, der schon als Spieler für Gladbach aktiv war, schien zu ahnen, worauf es hinauslaufen sollte. Mit deutlichen Rufen «Wir haben die Schnauze voll» machten zudem die Fans ihrem Unmut Luft.

Mit der Entscheidung zur Freistellung, die auch für Assistent Tobias Trulsen gilt, folgt die Borussia den marktüblichen Mechanismen. Ob damit die Probleme des Traditionsclubs gelöst werden, ist jedoch sehr fraglich.

Seit dem Abgang von Marco Rose im Sommer 2021 betreuten vor Polanski schon Adi Hütter, Daniel Farke und Gerardo Seoane die Gladbacher Mannschaft. Seoane musste in der Vorsaison ebenfalls nach drei Partien gehen.

Auch, wenn in den vergangenen Jahren viele Spieler den Club verließen und neue hinzukamen: Die Probleme der Borussia blieben nahezu die gleichen und trugen letztendlich auch zum Scheitern von Polanski bei. Widerstände lassen das Team regelmäßig einbrechen, die Abwehr ist instabil, eine echte Führungsstruktur innerhalb der Mannschaft scheint zu fehlen oder nicht zu funktionieren.

Schröders Umbau zahlt sich bislang nicht aus

Daran hat auch der große Umbruch in diesem Sommer nichts geändert - zumindest bislang. Nach der enttäuschenden Vorsaison, die Gladbach auf Rang zwölf abschloss hatte Schröder den Kader und das Trainerteam um Polanski stark verändert, anstatt sich vom Chefcoach zu trennen. Insgesamt elf Zugänge hatten im Club die Hoffnung auf eine bessere Spielzeit ohne Abstiegssorgen genährt.

Die Rückkehr von Kapitän Tim Kleindienst, der fast die komplette vergangene Spielzeit verletzungsbedingt verpasst hatte, sorgte zusätzlich für Aufbruchstimmung. Die ist längst verpufft.

Zudem irritierte Kleindienst mit scharfer öffentlicher Kritik an Mitspielern, ohne selbst auf dem Platz zu überzeugen. In Freiburg schwächte der noch torlose Stürmer seine eigene Mannschaft, als er mit Gelb-Rot vom Platz flog. Hinzu kommt Verletzungspech. Insgesamt fünf Spieler fallen aktuell teils schwer verletzt aus. Polanskis Nachfolger muss zahlreiche Baustellen gleichzeitig bearbeiten.

Länderspiele als Chance

Immerhin: Auf die kommende Partie gegen den FSV Mainz 05 folgt eine lange Pause wegen Länderspielen. Polanskis Nachfolger hätte somit zumindest etwas Zeit, seine neue Mannschaft kennenzulernen und erste Dinge zu verändern - sofern Schröder und seine Kollegen rechtzeitig jemanden finden. 

Wer es wird, ist aktuell offen. Als Kandidaten werden unter anderem der ehemalige Leipziger und Bremer Ole Werner sowie Horst Steffen genannt. Steffen kommt aus der Region und war für die Borussia als Spieler und Nachwuchstrainer tätig. Auch der frühere St.-Pauli-Coach Alexander Blessin oder Christian Eichner, der jahrelang den Karlsruher SC prägte, könnten Optionen für die Gladbach-Bosse sein.

Von Thomas Eßer, Jana Glose und David Joram, dpa
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