Daniel Deußer wird von Teamkollegin Sophie Hinners beglückwünscht.
Rolf Vennenbernd/dpa
Daniel Deußer wird von Teamkollegin Sophie Hinners beglückwünscht.
Vor Entscheidung am Freitag

Springreiter trotz Schrecksekunde kurz vor WM-Gold

Das deutsche Team liegt bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen weiter in Führung - und hat am Freitag den Titel selbst in der Hand.

Die deutschen Springreiter liegen bei den Weltmeisterschaften in Aachen auf Gold-Kurs. Das Team von Bundestrainer Otto Becker verteidigte in der zweiten von drei Teilprüfungen Platz eins und benötigt am Freitag (20.15 Uhr/WDR) nur noch drei fehlerfreie Ritte für den Titel. 

«Der Druck war da», sagte Daniel Deußer, der mit einer fehlerfreien Runde im Sattel von Otello vorzeitig dafür sorgte, dass das deutsche Team auf Platz eins liegend übernachtet. «Umso schöner ist es, wenn man über den letzten Sprung reitet und das ganze Publikum hier hinter dir steht. Also von daher war es ein absolut gelungener zweiter Tag.»

Da bei jeder Teilprüfung nur die drei besten Ergebnisse zählen, konnte Richard Vogel als letzter deutscher Starter unbeschwert reiten, weil die drei deutschen Paare vor ihm wie am Vortag fehlerfreie Runden ablieferten und Rang eins schon früh sicherten. «Wir gehen als führende Mannschaft in das Finale und hoffentlich können wir es reißen», sagte Deußer. Erster Verfolger des deutschen Teams sind die USA. Auf Rang drei liegen Belgien und Italien.

Ehning macht es spannend

Als erster Reiter des Gastgeber-Teams blieb Marcus Ehning auch in der zweiten WM-Prüfung ohne Fehler, sorgte aber für eine Schrecksekunde. Beim letzten Sprung war der 52-Jährige mit seinem Coolio etwas zu nahe an das Hindernis geritten und rettete sich mit Mühe zu einer Null-Runde. Das Publikum atmete hörbar auf - und Ehning sagte später: «Am letzten Sprung haben wir es noch einmal ein bisschen spannend gemacht, aber ohne Glück kann man nichts abkriegen.»

«Der letzte Sprung ist immer etwas Besonderes», betonte Bundestrainer Becker. «Und wenn er da drüber ist, fällt einem dann doch ein Stein vom Herzen.» Bis dahin war der Routinier «eigentlich super im Flow», wie Ehning selbst äußerte.

Mit Blick auf die letzte Runde der Teamwertung am Freitag unter Flutlicht sagte der dreimalige Sieger des Großen Preises von Aachen zu den Anforderungen: «Morgen wird es sicherlich noch mal eine Schippe mehr.» Das Einzel wird anschließend in zwei weiteren Runden am Sonntag entschieden.

WM-Debütantin Hinners bleibt fehlerfrei

Tadellos ritt auch Sophie Hinners mit Singclair. «Er sprang großartig», lobte die 28-Jährige den Wallach, der scheinbar mühelos über die Hindernisse flog. «Er war vom ersten Sprung an super konzentriert. Wir konnten wieder unser Ding durchziehen.»

Nur an einem Sprung «haben wir ein klitzekleines bisschen Glück gehabt». Sie habe «auch das Publikum» aufatmen gehört, sagte Hinners. Die WM-Debütantin brachte die Runde danach sicher zu Ende. «Das war natürlich ein unglaubliches Gefühl vor dieser Kulisse, vor diesem Publikum über die Ziellinie zu reiten.»

Im Einzel sind Hinners und Singclair das beste deutsche Paar und liegen auf Platz zwei hinter dem Briten Scott Brash mit Mango. Aber «darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken - ich schaue erst mal, dass wir das als Mannschaft schaffen.»

Deußer macht frühzeitig alles klar

Nach zwei Null-Runden für Deutschland blieb Deußer mit Otello ebenfalls fehlerfrei. Der 45 Jahre alte Profi zeigte erneut eine souveräne Vorstellung und liegt in der Einzelwertung als Dritter in aussichtsreicher Position.

Vogel ritt als letztes Reiter des Starterfeldes ein. Und anders als am Vortag, als er mit United Touch einen Abwurf kassiert hatte, blieb der Einzel-Europameister fehlerfrei.

Von Michael Rossmann, dpa
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