Stolz lief Helen Kevric mit ihrer Goldmedaille um den Hals und der Sieger-Banane unter dem Arm durch die Arena Zagreb. Bei ihrem Europameisterschafts-Comeback nach langer Verletzungspause feierte die 18 Jahre alte Stuttgarterin mit dem Titel am Stufenbarren ihren größten Erfolg.
Für ihren tadellosen Vortrag erhielt die deutsche Meisterin 14,500 Punkte an ihrem Spezialgerät und krönte sich zur ersten deutschen Stufenbarren-Europameisterin seit Elisabeth Seitz 2022 in München. «Ich bin einfach nur dankbar, dass ich jetzt wieder hier stehe, meine Leistung wiederholen konnte und mit der Goldmedaille hier stehe», sagte Kevric.
Zuvor hatte bereits Karina Schönmaier für Jubel im deutschen Lager gesorgt. Die 21 Jahre alte Chemnitzerin holte Silber am Sprung. Mit 14,066 Punkten im Schnitt für ihre zwei Sprünge musste sich die Titelverteidigerin nur Mehrkampf-Europameisterin Angelina Melnikowa aus Russland geschlagen geben, die 14,166 Zähler bekam.
Schönmaier hatte im vorigen Jahr bei der Heim-EM in Leipzig Gold am Sprung gewonnen. «Ich habe das Beste rausgeholt und bin seh stolz und zufrieden, was ich geleistet habe. Ein zweiter Platz ist auch gut», sagte sie nun.
Dagegen flossen bei Pauline Schäfer-Betz bittere Tränen der Enttäuschung. Wegen einer um zwei Sekunden zu langen Übung schrammte die 29-Jährige knapp an ihrer ersten EM-Einzelmedaille vorbei. 0,067 Punkte fehlten am Ende zu Bronze.
«Stolzer Cheftrainer»
«Großartig, starke Leistung. Ich bin ein stolzer Cheftrainer», sagte Bundestrainer Gerben Wiersma nach Abschluss der Finals an den Einzelgeräten. Einziger Wermutstropfen für ihn war den Niederländer die knapp verpasste Balken-Medaille. «Ärgerlich», nannte er den Zeitfehler. Es sei ihm aber wichtiger, dass die Übung akkurat statt schnell geturnt werde.
Rund 15 Monate nach ihrer schweren Knieverletzung bei den Europameisterschaften in Leipzig ist Helen Kevric beeindruckend in die Weltspitze zurückgekehrt. Ihre erste EM-Einzelmedaille glänzte gleich golden, stolz sang sie auf dem Siegerpodest die Hymne mit. «Das ist einfach unglaublich toll. Ich habe schon lange daraufhin gearbeitet. Jetzt eine Medaille hier zu haben, ist einfach unglaublich», sagte die 18-Jährige.
Ausblick auf's Team-Finale
Wie auch Karina Schönmaier hatte sie kurz nach der Siegerehrung die nächste Herausforderung im Visier: Das Mannschafts-Finale an diesem Sonntag zum Abschluss der Titelkämpfe. «Wir sind als Team sehr motiviert, morgen nochmal unsere beste Leistung zu zeigen. Dann wird man sehen, wofür es reicht. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das gut machen werden», meinte Kevric.
Ähnlich blickte auch Schönmaier auf den Teamwettbewerb voraus. Im vergangenen Jahr hatte die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) Silber gewonnen. «Ich freue mich, nochmal mit dem Team auftreten zu dürfen. Es ist nochmal anders, wenn man sich gemeinsam supportet und gemeinsam sein Bestes gibt. Ich freue mich auf jeden Fall auf den Wettkampf und werden ihn nochmal genießen», sagte die Chemnitzerin.
Von Martin Kloth, dpa
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