Hat bei dieser WM schon acht Tore erzielt: Kylian Mbappé.
Tom Weller/dpa
Hat bei dieser WM schon acht Tore erzielt: Kylian Mbappé.
Fußball-WM

Unaufhaltsam: Frankreichs Mbappé trotzt allen Widerständen

Kylian Mbappé lässt sich nicht vom Titelkurs abbringen - nicht von einem Rassismus-Eklat, nicht von einem verschossenen Elfmeter. Die Geschlossenheit des französischen Starensembles ist bemerkenswert.

Kylian Mbappé herzte nahezu jeden, der ihm über den Weg lief. Am Ende einer emotionalen Woche und einer kleinen Achterbahnfahrt beim 2:0-Sieg im Viertelfinale gegen Marokko strahlte Frankreichs Superstar wieder über das ganze Gesicht. Er sei «sehr glücklich», sagte der 27-Jährige. Zum dritten Mal nacheinander stehen Les Bleus im Halbfinale einer Fußball-WM. Selten wirkten sie stärker als bei diesem Turnier in Nordamerika. Vor allem Torjäger Mbappé trotzt allen Widerständen - ob auf oder neben dem Platz.

«Kylian ist unglaublich», sagte Teamkollege Ousmane Dembélé. Der Stürmer von Real Madrid zweifle nie und sei so nervenstark, erklärte der frühere Bundesliga-Profi von Borussia Dortmund. «Wenn du einen Kylian in der Mannschaft hast, musst du dir keine großen Sorgen machen», meinte Didier Deschamps, der nach dieser WM als französischer Nationaltrainer aufhören wird und weiter auf einen goldenen Abschluss seiner Erfolgsära hoffen darf. 

Rassismus-Eklat unter der Woche

Sechs Spiele, sechs Siege, 16:2 Tore - das ist Frankreichs bisherige Bilanz bei diesem Turnier. «Unaufhaltsam» titelte die Zeitung «L'Équipe» nach der doch überraschend einseitigen Partie gegen Marokko am Donnerstag in Foxborough. Die Franzosen erspielten sich Chance um Chance und gerieten defensiv quasi nie in Bedrängnis - und das immerhin gegen den Afrika-Cup-Meister dieses Jahres und WM-Vierten von 2022. Es war wieder mal eine Machtdemonstration.

Und Mbappé demonstrierte seine unglaubliche Nervenstärke. Nach dem hitzigen Achtelfinal-Sieg gegen Paraguay eine Woche zuvor war er von der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla de Boccia in den sozialen Medien wüst und rassistisch beschimpft worden. Der Fall schlug tagelang hohe Wellen, rief unter anderem sogar Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron auf den Plan und hat Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft zur Folge.

Unglückliche Verzögerung beim Elfmeter

Das muss auch ein Mbappé erst mal wegstecken. Und den verschossenen Elfmeter in der 28. Minute gegen Marokko dann eben auch noch. Er habe schlecht geschossen, räumte Frankreichs Kapitän ein. Es sei aber auch «knifflig» gewesen, weil es so ein «Durcheinander» gegeben habe.

Tatsächlich hatte Mbappé mehrere Minuten am Punkt warten müssen, ehe er endlich schießen durfte. Ein Zweikampf, der dem Foul zum Strafstoß vorausgegangen war, hatte noch überprüft werden müssen. Es dauerte eine Ewigkeit. Dass der Schütze letztlich an Marokkos überragendem Torwart Bono scheiterte, war da fast schon keine Überraschung mehr. Viele Spieler schütteln so eine Szene während einer Partie nicht mehr ab. Mbappé schon.

Topstars zeigen erstaunlichen Teamgeist

Der 20. WM-Treffer seiner Karriere war ein Traumtor - und brachte Frankreich nach einer Stunde auf den Weg. Wenige Minuten später servierte Mbappé für Dembélé, der vollstreckte - und die Messe war gelesen. Es gehe nicht darum, wer die Tore erziele, sagte Mbappé hinterher. «Wir kämpfen für Frankreich.»

Und das tut diese Mannschaft mit einer bemerkenswerten Geschlossenheit. Dass gleich mehrere Hochkaräter wie Mbappé, Dembélé oder Michael Olise vom FC Bayern München innerhalb eines Teams derart harmonieren und gern zusammenspielen, ist keine Selbstverständlichkeit. «Wir spielen mit Leidenschaft», sagte Mbappé. Alle wolle man mitnehmen, gab er zu verstehen. Es gebe nichts Größeres, als sein Land bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten.

Ibrahimovic feiert Olise als «Brady»

In der ewigen WM-Torjägerliste ist Mbappé nun wieder bis auf einen Treffer an Rekordhalter Lionel Messi aus Argentinien herangerückt. In der Torschützenliste dieses Turniers liegen sie mit jeweils acht Treffern gleichauf. Das Wettschießen spitzt sich zu. Und auch Zlatan Ibrahimovic dürfte seine Freude daran haben.

Schwedens früherer Topstürmer lobte nach Frankreichs Sieg gegen Marokko einen der zuverlässigsten Vorbereiter von Mbappé: den Münchner Olise. Er sei «der Tom Brady Frankreichs», sagte Ibrahimovic dem TV-Sender Fox. «Wenn du Spieler wie Olise hast, denke nicht nach, renne nur - der Ball wird ankommen.» Football-Star Brady war jahrelang der Quarterback der New England Patriots, die in dem Stadion spielen, in dem Frankreich nun seine Erfolgsstory fortsetzte.

Auch, dass er zwischendurch einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte, störte den glücklichen Mbappé auf seiner Abklatsch- und Umarmungsrunde nicht mehr. Den designierten Bundestrainer Jürgen Klopp herzte er auf dem Rasen gleich auch noch. Unaufhaltsam, dieser Mbappé und seine Franzosen.

Von Christoph Lother, dpa
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