In Wien hatte sich der Hamburger in der Frage, wann es so weit sein wird, abgeklärt gegeben. «Ich weiß, dass es passieren wird. Für mich ist es nicht so ein Riesenthema im Kopf, ob ich es diese Woche werde oder die Woche danach», sagte Zverev nach dem hart erkämpften Auftaktsieg über den Spanier Martin Landaluce.
Traumsaison mit zwei Grand-Slam-Titeln
Gegen den Niederländer Griekspoor gelang Zverev sofort ein Break. Nach gerade einmal 40 Minuten holte sich der gebürtige Hamburger den ersten Satz. Im zweiten Durchgang hatte Zverev erneut eine schnelle Breakchance, vergab diese aber. Zum 6:5 nahm er dem Niederländer aber den Aufschlag ab und machte wenig später unter den Augen seiner Freundin Sophia Thomalla den Sieg und den Sprung auf Platz eins perfekt. Auch von einer defekten Werbebande ließ sich Zverev vor dem Matchball nicht mehr irritieren.
Damit erreichte Zverev in einer Traumsaison den nächsten Meilenstein. Bei den French Open hatte er sich von der großen Last befreit, womöglich als bester Tennisspieler ohne Grand-Slam-Titel in die Geschichte einzugehen. Gelöst holte er sich bei den US Open direkt den zweiten Major-Triumph.
Dort fehlte Sinner bereits mit einer Knieverletzung, der Spanier Carlos Alcaraz war in New York gerade erst nach einer langwierigen Handgelenksblessur zurückgekommen. Auch deshalb debattiert die Tennisszene, welchen Anteil die langen Ausfälle der beiden dominierenden Profis der vergangenen Jahre an Zverevs Krönung haben.
Medwedew: Zverev verdient Erfolg «100 Prozent»
Der Russe Daniil Medwedew, selbst frühere Nummer eins der Welt und lange Zeit einer von Zverevs Angstgegnern, schlug sich dabei auf die Seite des Deutschen. «Punkte sind der fairste Teil im Tennis. Natürlich hätte Jannik wahrscheinlich große Chancen gehabt, viel mehr Punkte zu gewinnen, wenn er gesund gewesen wäre», sagte Medwedew. «Aber das ist Teil des Sports, Pech für ihn. Sascha verdient es, 100 Prozent.»
Noch ist Zverev in diesem Jahr nicht am Ende seiner großen Ziele angekommen. Nach den ATP Finals in Turin, die er das dritte Mal gewinnen will, steht noch die Finalrunde im Davis Cup an. Im Teamwettbewerb wartet das deutsche Tennis fast so lange auf einen Titel wie auf eine Nummer eins bei den Männern. Becker & Co. triumphierten zuletzt 1993.
«Ich glaube, dass wir dieses Jahr und vielleicht auch noch die nächsten zwei, drei Jahre die Chance haben», sagte Zverev mit Blick auf die Endrunde in einem knappen Monat in Bologna. «Und ich möchte jede Chance nutzen, den Davis Cup zu gewinnen.» Es wäre die endgültige Krönung einer unfassbaren Saison.
Von Florian Lütticke und Lars Reinefeld, dpa
© dpa-infocom, dpa:261029-930-914829/2
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten