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Magazin

Hannah Milbrandt: Siebenjährige hat Krebs - doch ihre Mutter verfolgt einen niederträchtigen Plan

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Medikamente, Verbände und Schutzmasken

Als siebenjährige, erklärt Hannahs Mutter ihr, sie leide an Krebs und sei sterbenskrank. Teresa Milbrandt schneidet ihrer Tochter die Haare ab, verabreicht ihr Schlafmittel. Und das alles, mit nur einer bestimmten Absicht.

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"Everything happens for a reason" - "Alles passiert aus einem Grund", hat die heute 21-jährige Hannah Milbrandt unter ihrem Schlüsselbein tätowiert. Dass die junge Frau nach ihrer bisherigen Lebensgeschichte so positiv denken kann, ist kaum zu glauben. Denn Hannah hatte weder eine schöne Kindheit, noch eine Mutter, die sich um sie gekümmert hat. Im Gegenteil: Teresa erzählte ihrer Tochter, sie habe Krebs – und ließ Spenden für ihr krankes Mädchen sammeln. Was keiner zu diesem Zeitpunkt wusste – Hannah war kerngesund. 

Medikamente, Verbände und Schutzmasken

"Als ich sieben Jahre alt war, erfuhr ich von meiner Mutter, dass ich Krebs habe", erzählte sie dem Mirror. "Ich wusste nicht, was das bedeutet. Aber ich sah meinen Vater in Tränen ausbrechen und das machte mir Angst." Teresa Milbrandt ging sogar so weit, ihrer Tochter Schutzmasken als Schutz vor Bakterien und Viren anzuziehen. "Ich hasste es, wie mitleidig mich die Leute ansahen", erzählt Hannah. Von da an begann die Gemeinde in Ohio, in der die Familie lebte, Spenden für das kranke Kind zu sammeln. Und auch die Schule sammelte Geld. "Ein schwerkrankes Mädchen, das im Rollstuhl saß, gab mir ihr ganzes über neun Jahre lang gespartes Geld", erzählt Hannah. "Meine Mutter sagte eines Tages zu mir: ,Du bist mein Million Dollar Baby'."
Natürlich konnte Hannah diesen Satz als kleines Mädchen noch nicht deuten. "Überall, wo wir hingingen, kannte man uns. Ich habe es gehasst, aber meine Mutter liebte die Aufmerksamkeit. Sie ging nie ohne die schickste Kleidung, manikürten Fingernägeln und gestyltem Haar aus dem Haus."

Da Teresa von Beruf Krankenschwester war, gab sie ihrer Tochter einfach selber die Medikamente, von welchen sich Hannah häufig schwach fühlte. Zu Arztbesuchen wurde das Mädchen immer von ihrer Mutter und Großmutter begleitet. Ihr Vater hingegen war nie bei den Terminen dabei, denn Teresa ließ die Arztbesuche mit ihm immer kurz vorher platzen. Vor den sogenannten "Untersuchungen" wurde Hannah von ihrer Mutter mit Schlaftabletten vollgepumpt, um ihr danach weiszumachen, der Arzt habe ihr Medikamente verabreicht. Einmal wachte Hannah mit einem Verband um den Kopf herum auf, ein anderes Mal mit einer Glatze, da sie laut Aussage ihrer Mutter bald sowieso durch die Chemotherapie alle Haare verlieren würde.

Hannah malte Bilder vom Himmel

Und als ob das alles nicht genug wäre: Teresa erzählte Hannah schließlich, sie habe nur noch wenige Wochen zu leben.  "Für mich brach eine Welt zusammen und ich hatte große Angst", erzählt Hannah. "Meine Mutter schickte mich zu einem Berater, der mit mir über meine Todesangst sprechen sollte. Ich malte Bilder vom Himmel."
Doch auf einmal tauchten Polizisten auf und Hannahs Eltern und ihre Großmutter wurden verhaftet. "Eine Lehrerin bemerkte, dass meine Haare ganz normal wuchsen und nicht, wie es bei Chemopatienten üblich ist, lückenhaft. Sie wurde misstrauisch und alarmierte das Jugendamt."
Daraufhin gestand Terese Milbrandt, den Krebs ihrer Tochter erfunden zu haben, um sich dadurch Spenden und Geld zu erschleichen. Insgesamt 25.000 Euro kamen dadurch zusammen. Nachdem sie in die Psychiatrie eingewiesen wurde,  plädierte sie darauf, am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom  (das Erfinden oder Herbeiführen von Krankheiten einer anderen Person, meist Kindern, um sich dann um die medizinische Versorgung kümmern zu können oder sie zu verlangen) zu leiden. Trotzdem stufte man sie nach dem Test als voll schuldfähig ein. Die damals 35-Jährige musste wegen Diebstahl und Kindesgefährdung für über sechs Jahre ins Gefängnis. Teresas Mutter und Ehemann Bob Milbrandt, der laut eigener nichts von dem Schwindel wusste, wurden ebenfalls verhaftet. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft habe es genug Beweise gegeben. 
Daraufhin wohnte Hannah zunächst ein Jahr lang in einer Pflegefamilie, dann bei ihrer Tante väterlicherseits. Mit 15 zog sie schließlich zu ihrem Vater, der nach vier Jahren Haft entlassen wurde. Hannah glaubt ihm, dass er mit der schlimmen Tat nichts zu tun hatte. 

So geht es Hannah heute 

Wie geht man damit um, wenn man von der eigenen Mutter so hintergangen wurde? "Mit 12 litt ich an Depressionen, wollte mich umbringen", berichtet Hannah. "Mich verfolgt das alles immer noch, was meine Mutter mir angetan hat und ich denke, ich werde da nie wirklich drüber hinwegkommen." Vor einem Jahr wurde Teresa aus der Haft entlassen und suchte Hannah in einem Restaurant auf, wo diese als Kellnerin jobbt. "Ich habe sie angeschrien, sie soll gehen. Ich möchte nichts mit ihr zu tun haben. Sie hat mir meine Kindheit genommen und ich habe Angst in ihrer Nähe zu sein", sagt Hannah.
Heute ist Hannah 21 Jahre alt, verlobt und studiert soziale Arbeit, um Pflegekindern später helfen zu können."Ich hoffe, ich kann eines Tages Missbrauchsopfern helfen. Sie sollen wissen, dass es trotzdem Licht am Ende des Tunnels gibt. Und ich möchte eigene Kinder und weiß, dass ich die Mutter sein werde, die dieses Monster niemals für mich war."

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