Regio Story Ehrenamt Schwimmbadverein
Tanja Burger
Regio Story Ehrenamt Schwimmbadverein
Gemeinsam mehr bewegen:

Wie Ehrenamt in Südbaden Dörfer lebendig hält

Ob Bürgerpost in Burg bei Freiburg oder Freibad in Oberprechtal: Zwei Projekte zeigen, wie Ehrenamt Versorgung, Begegnung und Lebensqualität vor Ort sichert.

Wenn Angebote auf dem Land verschwinden, wächst oft die Sorge vor Stillstand. In Südbaden zeigen zwei Beispiele, dass es auch anders geht: In Burg bei Freiburg wird eine Postfiliale seit zehn Jahren von Ehrenamtlichen getragen, in Oberprechtal hält ein Verein seit zwei Jahrzehnten ein Schwimmbad am Leben. Beide Projekte machen deutlich, was möglich ist, wenn eine Dorfgemeinschaft Verantwortung übernimmt.

Zehn Jahre Bürgerpost in Burg bei Freiburg

Im Kirchzartener Ortsteil Burg mit rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern stand vor zehn Jahren ein zentraler Ort plötzlich auf der Kippe. Als der Buchladen mit Poststelle auf dem Dorfplatz schloss, wuchs im Ort die Sorge, dass nicht nur die Post verschwindet, sondern der Dorfkern insgesamt an Lebendigkeit verliert. Auch andere Geschäfte blickten mit Sorge auf die Entwicklung.

Ulrich Albicker, Vorsitzender des Bürgervereins, erinnert sich an die Stimmung damals: Die Menschen hätten eine Verödung des Treffpunkts im Ortszentrum befürchtet, auch der örtliche Bäcker habe um sein Geschäft gebangt. Die Antwort darauf kam aus dem Ort selbst: eine Bürgerpost.

Nach einem Aufruf und einer Informationsveranstaltung erklärten sich nach seinen Angaben rund 20 Menschen bereit, ehrenamtlich mitzumachen und sich von der Post einarbeiten zu lassen. Das Modell trug. Inzwischen halten 28 Ehrenamtliche die Post am Laufen. Zu ihnen gehören auch die Rentnerinnen Christel Klein und Margarete Ebi.

Für beide ist die Bürgerpost längst mehr als ein Ort für Briefe und Pakete. „Es macht viel Spaß, und die Post ist nicht nur eine Post, sondern ein sozialer Treffpunkt, um sich zu vernetzen oder einfach nur ein Schwätzchen zu halten“, sagen sie. Passend dazu steht im Laden sogar ein Sofa. Außerdem gibt es dort Bücher, Schreibwaren, Geschenkartikel und weitere Angebote.

Auch für die Kundinnen und Kunden ist die Bürgerpost weit mehr als eine praktische Dienstleistung. Sie sparen sich Wege zur nächsten Filiale – und zugleich bleibt das Dorfleben sichtbar und spürbar. Kleine Gespräche, ein Scherz zwischendurch, ein paar nette Worte: Genau das mache den Alltag freundlicher, sagen viele. Dass das Projekt geschätzt wird, zeige sich laut Albicker nicht zuletzt an einem Trinkgeldkässchen und an den positiven Online-Bewertungen.

Ein Freibad als Herzensprojekt in Oberprechtal

Dass Ehrenamt auch größere Infrastruktur retten kann, zeigt Oberprechtal im Kreis Emmendingen. Im idyllisch gelegenen Freibad mit zwei Becken, Rutsche und Liegewiese wird seit 20 Jahren ehrenamtlich mit angepackt. Als die Stadt die Schließung aus finanziellen Gründen ankündigte, wollten die Einwohnerinnen und Einwohner das nicht hinnehmen. 2006 gründeten sie den Schwimmbadverein – und machten das Bad zu einem Gemeinschaftsprojekt.

Heute zählt der Verein nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder – obwohl Oberprechtal selbst 963 Einwohner hat. Vorsitzender ist seit 20 Jahren Rolf Pleuler, ein ehemaliger Polizist. Viele im Ort beschreiben ihn als gute Seele des Bads. Auch seine Frau hilft mit. Dazu kommen mehr als 30 Ehrenamtliche, die ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Sie kassieren, befüllen und reinigen die Becken, prüfen die Wassertechnik und kümmern sich um Hecken, Pflanzen und das Gelände.

Das Engagement endet nicht beim laufenden Betrieb. In den vergangenen Jahren wurde das Bad auch saniert. Nach Angaben von Pleuler investierte der Verein unter anderem rund 40.000 Euro in eine breite Rutsche. Ein örtlicher Handwerksbetrieb unterstützte die Arbeiten mit Bagger und Personal – ebenso bei der Sanierung des Kinderbeckens.

Für Pleuler ist klar, worauf es ankommt: „Es geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen, zusammenhalten und sich gegenseitig helfen. Immer einfach ist das nicht, aber es funktioniert, und mein Job macht mir Spaß. Außerdem bekommen wir auch viel Dankbarkeit zurück.“ Und noch etwas treibt ihn an: „Das Bad ist meine zweite Heimat. Wenn man die Kinder fröhlich in den Becken sieht,

Zwei Projekte, eine gemeinsame Botschaft

So unterschiedlich Bürgerpost und Freibad auch sind – beide Projekte erzählen dieselbe Geschichte. Ehrenamt füllt nicht nur Lücken, die andernorts entstehen. Es schafft Orte der Begegnung, stiftet Identifikation und hält Dörfer lebendig. In Burg bei Freiburg sichert die Bürgerpost Nahversorgung und Austausch im Alltag. In Oberprechtal bewahrt der Schwimmbadverein einen Ort, der für Freizeit, Familienleben und Zusammenhalt steht.

Gerade in Zeiten, in denen im ländlichen Raum immer wieder Angebote wegfallen, zeigen beide Beispiele, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung übernehmen. Gemeinsam mehr bewegen – in Südbaden ist das keine Floskel, sondern gelebte Praxis.