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Alarmstufe Rot

Karlsruhe: Kliniken fordern Sofortmaßnahmen

Die Krankenhäuser in Deutschland arbeiten wegen der andauernden Belastungen der COVID-19-Pandemie und der massiven Preissteigerungen zunehmend an ihrer personellen und wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Deshalb fordern das Städtische Klinikum Karlsruhe finanzielle Soforthilfen der Bundesregierung.

Die Krankenhäuser in Deutschland sind in Gefahr: Zum einen ist das Personal durch die fortdauernde Corona-Pandemie und die damit verbundenen gesetzlichen Maßnahmen stark belastet. Zum anderen geraten immer mehr Krankenhäuser in substantielle finanzielle Schieflage, da die Corona-Hilfen zur Versorgung der COVID-Patienten beendet wurden, viele Betten aufgrund des Fachkräftemangels für die Patientenversorgung aber weiterhin nicht zur Verfügung stehen, was sich spürbar negativ auf Leistungserbringung und Erlössicherung auswirkt.

Hohe Energiekosten

Neben den Belastungen der Pandemie sind die Häuser akut von der Inflation und damit von den extrem gestiegenen Energiepreisen betroffen. Das Städtische Klinikum Karlsruhe rechnet im Jahr 2022 mit einer zusätzlichen Energie Kostenbelastung von rund 9,5 Mio. Euro im Vergleich zu 2021. Die ViDia Kliniken erwarten im Jahr 2022 Mehraufwendungen für die Energiekosten in Höhe von 2,4 Mio. Euro. Spürbar sind die Kostensteigerungen auch bei den Lebensmitteln. Hier sieht das Städtische Klinikum Karlsruhe eine durchschnittliche Preissteigerung von 24 Prozent, was rund 700.000 Euro entspricht.
 

Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer am Klinikum: „Auch die Kosten für Baumaßnahmen haben sich um rund ein Viertel verteuert. Das merken wir bereits bei unserem im Bau befindlichen neuen Hubschrauberlandeplatz“.

Auch der Bau der Brücke zur Helios Herzchirurgie wird sich aufgrund der Bau- und Materialpreise deutlich verteuern“. Für Medikamente sind die Preise für das laufende Jahr zwar vorverhandelt. 2023 sind jedoch aufgrund steigender Produktionskosten Teuerungen von 7 bis 12 Prozent zu erwarten, wobei mögliche Lieferengpässe die Kosten zusätzlich treiben könnten.

Finanzielle Hilfen

Zwar begrüßen das Städtische Klinikum Karlsruhe, die ViDia Christliche Kliniken und das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, kurzfristig ein Hilfspaket für die Krankenhäuser zu schnüren. Dieses müsse aber tatsächlich zeitnah auf den Weg gebracht werden und die Auswirkungen der Inflation kompensieren. Um die Inflation abfangen zu können, wäre aus Sicht der Kliniken eine deutliche Anhebung der Landesbasisfallwerte 2022 und 2023 um mind. 4% als Zuschuss an die Krankenkassen das adäquate Instrument. Die geplante Anhebung liegt derzeit nur bei 2,32 Prozent und damit deutlich unter der Inflation von 10 Prozent.
Gleichzeitig sind die Corona-Hilfen im Sommer ausgelaufen, während die Aufwendungen für die intensive Betreuung von Corona-Patientinnen und -patienten sowie Personalausfälle durch Coronaerkrankungen und Quarantänemaßnahmen mit der Folge gesperrter Betten und nicht betreibbarer Operationssäle weiterhin die Krankenhäuser belasten. Deshalb fordern die Klinikvertreter dringend eine Verlängerung der gesetzlichen Corona-Ausgleichszahlungen und -Versorgungszuschläge für das Jahr 2023.