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Rhein-Neckar

Pflegeeltern müssen ins Gefängnis

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Am Amtsgericht Mannheim wurden die 44-Jahre alten Pflegeeltern eines heute 5-Jährigen zu Haftstrafen verurteilt. 3 Jahre und 11 Monate müssen sie ins Gefängnis.

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„Sie sind nicht die Opfer“
Zu Beginn der Urteilsverkündung richtete sich die Richterin an beide Pflegeeltern und sagte: „Sie haben versucht sich als Opfer darzustellen, aber das sind Sie nicht. Es gibt nur ein Opfer und das heißt Justin“. 18 Zeugen und zwei Gutachter wurden in den vergangenen Verhandlungen vernommen und jede Erklärung, die die Pflegeeltern für die Verletzungen von Justin schilderten, konnten wiederlegt werden. Die Richterin nannte sie sogar „absurd“. 3 Jahre und 11 Monate muss die Pflegemutter ins Gefängnis, der Pflegevater 3 Jahre. Die höhere Strafe für die Pflegemutter bergründete die Richterin darin, dass sie der aktive Part gewesen wäre.

Verletzungen in Gesicht und am ganzen Körper
In den fast 2 Jahren, die Justin bei seinen Pflegeltern in Brühl war, brach er sich das Schlüsselbein, wurde mit der flachen Hand und Faust geschlagen und bekam über 3-4 Wochen kaum zu Essen. Auch eiskalt geduscht wurde er, um ihn „zu züchtigen“. Er erlitt Frakturen, Platzwunden, Kratzer und ihm fehlten Haarbüschel. Die 44-Jahre alten Pflegeeltern behaupteten Justin habe sich selbst verletzt. Aber jede ärztliche Aussage sowie Fotos widerlegten die Aussagen. In einem Fall soll Justin sogar wohl mit einem Kochlöffel geschlagen worden sein. Beide Hände waren so geschwollen, dass er nicht mehr richtig greifen konnte. Ihm sei es nur noch möglich gewesen, den Pinzettengriff zu machen und selbst den nur mit wenig Druck. Die Pflegeeltern behaupteten, er wäre von einer Biene gestochen worden.

„Die böse Frau“
Auch Justin selbst kam zu Wort. In einem Video, das vorgespielt wurde, sprach er immer wieder von der „bösen Frau“, womit er seine Pflegemutter meinte. Vor allem wenn er „gepienst“ habe, wurde er geschlagen. Die Richterin sah die Aussage des Jungen als sehr glaubwürdig.

„Er ist wieder mein kleiner Reiber“
Den Prozess verfolgt hat auch Justins leibliche Mutter Sonja. Sie ist immer noch recht aufgewühlt und sagte: „Als ich erfahren habe, dass er misshandelt wurde, habe ich eigentlich die ganze Zeit nur geweint, als er im Krankenhaus war.“ Mit dem Urteil ist sie nicht wirklich zufrieden, sie hätte sich eine höhere Strafe gewünscht. Auch Justins derzeitige Pflegemama Waltraud Eschelbach war bei der Urteilsverkündung dabei. Ihre Augen strahlen, wenn Sie von Justin redet: „Heute geht’s ihm gut. Äußerlich sieht man nichts mehr. Er isst gut, er hat Fahrrad fahren gelernt und geht in den Schwimmkurs. Er kann wieder lachen.“ Bis Justin volljährig ist darf er nun bei Waldtraut bleiben. „Einen Wechsel zu einer anderen Familie würde er nicht verkraften.“, sagt sie.

Ob das Jugendamt versagt hat, diese Frage blieb beim Prozess offen. Genauso wie die Frage, welche seelischen Schäden Justin davon getragen hat. Seine Mama Sonja ist jedenfalls erleichtert, dass das Ehepaar eine „gerechte Strafe“ bekommen hat, sagt sie und „heute geht’s ihm wieder gut, er lacht und spielt. Er ist wieder mein kleiner Reiber, so wie ich ihn kenne.“
 

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