Rhein-Neckar

Heidelberg: Schon 200 Corona-Patienten in Reha-Klinik

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66-Jährige kämpft sich in Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl ins Leben zurück

Tina aus Wiesbaden ist 66 Jahre alt. Seit Mitte Dezember ist sie in der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl. Hier erholt sie sich von einer schweren Corona-Erkrankung und den Folgen. Radio Regenbogen erzählt sie, wie es ihr geht und hat dabei eine klare Aufforderung an alle.

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Am 4. November 2020 wird Tina positiv auf das Corona-Virus getestet. Vier Tage später hat sie schwere Schmerzen in der Brust. Bei einem Lungen CT stellen die Ärzte dann eine beginnende Lungenentzündung fest. Von da an, geht es immer weiter bergab, so Tina. Mit Atemnot und Kopf- und Gliederschmerzen liegt sie drei Wochen in der Klinik. Sechs Tage davon auf der Intensivstation. Doch auch nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist sie längst nicht die Alte. Sie hat kaum noch Muskelkraft, ist schwach und auch ihrer Lunge geht es noch sehr schlecht. Zum Glück bekommt sie schnell einen Platz in der Rehaklinik Heidelberg-Königsstuhl.
 
Schon 200 Corona-Patienten in der Reha

In der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl wurden seit Beginn der Pandemie schon rund 200 Corona-Patienten behandelt. Die Beschwerden sind meist ähnlich, wie bei Tina, so Robert Nechwatal, Chefarzt der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl Radio Regenbogen gegenüber. Viele, die in die Reha kommen, sind wenig belastbar und können kaum Treppen steigen. Schon bei der kleinsten Belastung bekommen sie Atemnot. Nechwatal erinnert sich an die Aussage eines ehemaligen Patienten:

 Man muss sich konzentrieren: entweder aufs Laufen oder aufs Atmen und beides zusammen geht nicht.

Neben Problemen mit der Lunge und der Atmung haben die Patienten oft auch eine geschwächte Muskulatur durch die Erkrankung und die lange Liegezeit auf den Intensivstationen. Dazu kommen häufig noch Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen, sowie Ängste und Depressive Verstimmungen, so Nechwatal:

Wenn die Patienten kommen, sind sie meist komplett verunsichert. Sie haben ja oft quasi ein Nahtoderlebnis hinter sich. Sie müssen Vieles neu lernen. Sie müssen lernen, wie sie laufen. Teilweisen kommen sie noch mit dem Rollator. Sie müssen Ängste überwinden, sich nicht zu übernehmen und sich neu kennenzulernen.

Yoga und Nordic Walking gehörten zu Tinas Alltag

Vor ihrer Erkrankung war Tina topfit. Die 66-Jährige hat täglich Sport gemacht. Wassergymnastik, Nordic Walking, Yoga, Fitnesskurse und vieles mehr. Wenn sie jetzt einen Spaziergang macht, dann muss sie alle 50 bis 100 Meter anhalten und dann erstmal in Ruhe atmen, erzählt sie. Aber jetzt, nach ein paar Wochen Reha, geht es ihr schon etwas besser. Hier macht sie täglich Gerätetraining, Gymnastik oder sie schwimmt. Doch die Zeit in der Reha ist nicht einfach. Wegen des Besuchsverbots musste sie alleine Weihnachten und ihren 66. Geburtstag verbringen. So langsam wird es aber besser, so Tina. Sowohl die Muskelkraft als auch das Körpergefühl. Aber die Lunge ist noch sehr schwach:  

Es geht mir wieder relativ gut. Wenn ich mich nicht anstrengen muss. Also sprich: anstrengen ist für mich Treppenlaufen.

Sie hofft, dass sie dieses Jahr (wie ursprünglich geplant) mit einer Freundin zehn Wanderwege laufen kann. Dass sie es schafft den Berg hochzukommen und zehn Kilometer am Stück zu laufen.

Das ist mein größter Wunsch, das wieder machen zu können im Sommer.

Tina gehört sogar noch zu den älteren Corona-Patientinnen in der Rehaklinik Heidelberg-Königsstuhl. Das Durchschnittsalter hier liegt bei 50. Der Jüngste war sogar erst 30, so Chefarzt Robert Nechwatal. Risikofaktoren seien oft hoher Blutdruck, Übergewicht oder Diabetes.

Das überraschende für uns war, dass nicht nur 80- und 90- jährige Patienten hier waren. Es gab mehrere Patienten, die gemeint haben: „Ja, ich bin so 40/45 und wenn ich Corona bekomme, dann kann mir das nichts anhaben.“ Und dann sind sie auf der Intensivstation gelandet. Es gab solche Fälle. Und die Patienten waren danach natürlich komplett verändert, was das betrifft.

Auch Tina aus Wiesbaden hat einen klaren Aufruf an alle:

Bitte haltet alle die Vorgaben und Empfehlungen von Politikern und Wissenschaftlern ein. Haltet Abstand. Nehmt das nicht auf die leichte Schulter. Zieht die Maske auf. Und meidet den Kontakt zu Leuten, von denen ihr nicht wisst, wie ihr Umgang vorher war.

Tina wird die Reha am 20. Januar verlassen. Ihren Aufenthalt hatte sie schon einmal verlängert. Aber sie wird nicht die letzte Corona-Patientin in der Rehaklinik sein. Nechwatal hofft, dass alle die Situation weiter ernst nehmen.

Ich habe wenig Verständnis für Menschen, die das nicht tun und keine Maske tragen wollen. Da würde ich jedem empfehlen, dass er mal zu uns kommt und ein bisschen mitarbeitet und dann sieht er, wie die Lage tatsächlich ist.

 
 
 
 

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