Rhein-Neckar

Hotel öffnet für Obdachlose

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Bleiben Sie zuhause! Wie oft haben wir den Satz im letzten Jahr wohl schon gehört?! Für viele von uns ist das auch gar kein großes Problem, aber was ist, wenn man kein Zuhause hat? Damit kein Obdachloser in Neustadt an der Weinstraße bei Eiseskälte auf der Straße frieren muss, dürfen die vorübergehende in ein Hotel ziehen.

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Touristen wuseln in der Lobby, Geschäftsreisende sitzen in den Tagungsräumen und im Restaurant klappert das Geschirr. Das wünscht sich wohl gerade jeder Hotelbesitzer wieder. Seit rund 12 Wochen ist in Deutschland schon Lockdown und in vielen Hotels ist kein einziges Bett belegt. So wie im Hotel Palatina in Neustadt. Doch seit Mitte Februar ist hier wieder etwas Leben eingekehrt. Bei den eisigen Nachttemperaturen der vergangenen Wochen hat Geschäftsführerin Sara Wiedemann entschieden ihre Zimmer für Obdachlose zu öffnen:

Es war Sau kalt, so kalt kennen wir eigentlich nicht. Wir wollten nur, dass in Neustadt niemand auf der Straße erfrieren muss.

Sara Wiedemann wollte einfach helfen. Groß hin und her überlegt hat sie nicht, für sie ist es eine Herzensangelegenheit. Dennoch kann sie auch Hoteliers verstehen, die ihren Türen nicht für Hilfsbedürftige öffnen, denn wenn etwas kaputt geht, haftet sie alleine dafür:

Die Haftung liegt komplett bei uns selbst, d.h. wenn uns die Bude auseinandergenommen wird, wenn ein Zimmer demoliert wird, stehen wir für gerade. Ich kann das keiner Versicherung melden, ich kann das nicht der Stadt melden, die Haftung übernimmt niemand.

Dusche, Klo und Fernseher, alles dürfen die Obdachlosen im Hotel nutzen. Sechs Personen haben hier zurzeit Unterschlupf gefunden. Auch ein Plausch gehört da mal dazu. Auch wenn einige der Mitarbeiter erst skeptisch waren, gerade sind alle mit der Situation zufrieden, sagt Sara Wiedemann:

Da kommt jemand, so wie man vielleicht einen Obdachlosen vorstellt. Der ist dreckig, riecht nicht besonders. Der kommt rein und am nächsten Morgen kommt der frisch geduscht wieder runter. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht und das ist natürlich auch schön zu sehen. Die Menschen sind sehr dankbar, sie fühlen sich schon sehr heimisch.

Auch Kleiderspenden von Bürgern wurden im Hotel schon abgegeben. Hier haben sich die derzeitigen Bewohner bereits etwas Neues zum Anziehen herausgesucht. Die anderen Teile werden an die Tagesbegegnungsstätte „Lichtblick“ in Neustadt weitergegeben. Damit auch andere davon profitieren. Mindestens diese Woche haben die Obdachlosen hier noch ein Dach über dem Kopf. Auch nächsten Winter kann sich die Geschäftsführerin vorstellen wieder zu helfen:

Wenn es wieder so bitter kalt werden sollte, werden wir bestimmt eine Lösung finden. Wie die aussehen wird, weiß ich noch nicht, denn wir hoffen ja auch, dass wir das Hotel bald wieder aufmachen und Gäste empfangen dürfen. Aber sie können dann mit Sicherheit auch wieder bei uns vorbeischauen und dann schauen wir mal zusammen mit „Lichtblick“, was und wie wir tun können.

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