Rhein-Neckar

Mehr Stechmücken als letztes Jahr

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Vor allem das Hochwasser im Juli hat den Stechmücken optimalen Brutplatz geboten.

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Hand heben, anvisieren und draufhauen: Ziemlich jeder nahe Rheinbewohner hat diese Bewegung dieses Jahr unzählige Male gemacht – gefolgt vom wilden Herumfuchteln, weil man ein hohes Fiepsen gehört hat. So manche heiß ersehnte Gartenparty endete so in einem Blutsauger-Massaker. Denn von den zwei Milligramm leichten Stechmücken gab es dieses Jahr viele, mehr als noch im letzten Jahr. Grund dafür ist, dass 2020 ein sehr trockenes Jahr war, während wir 2021 viel Regen und damit verbunden auch Hochwasser hatten. So konnten sich die Stechmücken wunderbar vermehren – sowohl in den Wäldern als auch bei uns in den Regentonnen.

Hochwasser, das Paradies der Stechmücken
Normalerweise gibt es etwa vier Hochwasser-Wellen im Jahr. Dieses Jahr hatten wir doppelt so viele, erzählt Xenia Augsten von den Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer:

Wir hatten acht relevante Hochwasser-Wellen für uns und die kamen in einem relativ engen Zeitintervall aufeinander. Der Rheinpegel zwischen diesen einzelnen Wellen konnte auch gar nicht richtig absinken. Mit der achten Welle ist der Pegel so rapide angestiegen, dass die ganzen Larven verdriftet wurden und wir haben die alle gar nicht mehr rechtzeitig finden können bevor die sich verpuppt haben. Weil es natürlich auch super warm war zu der Zeit.

Die Stechmücken-Population war dieses Jahr so hoch, dass diese aus den Wäldern in die Dörfer und Städte gezogen sind. 10 Kilometer von ihrer Schlüpfstätte können sie sich problemlos entfernen. So konnten die Stechmücken auch schon vormittags in Massen vorkommen und nicht wie gewohnt nur zur Abenddämmerung.

Juckende und dicke Placken
Die Stechmücken spritzen mit ihrem Stechrüssel Speichel in ihre Opfer und der menschliche Organismus reagiert auf diesen Fremdkörper. Die Stiche konnten dieses Jahr bei vielen juckender und größer sein als z.B. noch im letzten Jahr. Dafür gibt es eine einfache Erklärung, sagt Xenia Augsten:

Wenn Sie die letzten Jahre keinen Stich hatten, dann war Ihr Immunsystem das auch nicht mehr gewohnt. Da kann es natürlich sein, dass Ihr Körper dann auch anders auf den Stich reagiert hat.

Nordbaden traf es härter als Südbaden
Die Menschen in Nordbaden mussten mehr leiden als die im Süden, weil es dort mehr Flächen gibt, die überflutet werden können und damit auch mehr Senken, wo die Stechmücken brüten können.

Wie wird das Stechmücken-Jahr 2022?
Ob es nächstes Jahr wieder so viele Stechmücken geben wird, können die KABS noch nicht sagen, weil man nicht vorhersehen kann wie der Sommer wird. Die Gemeine Stechmücke (die wir in der Regentonne haben) sucht sich jetzt einen Platz in unseren Kellern, um nächstes Jahr wieder Eier zu legen. Die Auwaldstechmücke (aus unseren Wäldern) hat ihre Eier schon gelegt. Da kommt es darauf an, ob die Gebiete dann nächstes Jahr geflutet werden und sich so die Eier entwickeln können.

Außerdem muss das Wetter auch mitspielen, damit die Stechmückenbekämpfer mit ihren Hubschraubern das für Mückenlarven tödliche Eiweiß-Granulat über Brutstätten verteilen können. Dieses Jahr mussten Einsätze wegen Gewitter und Sturmböen abgebrochen oder verschoben werden. Die Bekämpfung bleibt also eine Herausforderung, aber die KABS sind gewappnet, meint Xenia Augsten:

Wir müssen uns darauf einstellen, dass es unter Umständen jetzt immer extreme Jahre gibt: Also entweder extrem trocken oder so wie dieses extrem feucht. Wir haben aber grundsätzlich einen Puffer mit eingelagert.

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