Südbaden & Schwarzwald

Prozess um Bayer-Pille in Freiburg

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36-jährige klagt auf 300.000 Euro

Eine doppelseitige Lungenembolie mit Herzstillstand - der jahrelange Kampf der jungen Südbadenerin Felicitas Rohrer gegen den Bayer Konzern geht morgen in Freiburg weiter.

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Die 36-jährige ist sicher, dass die Antibaby-Pille "Yasminelle" ihren lebensbedrohlichen Zusammenbruch vor elf Jahren verursacht hat. Sie hat Bayer auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 300.000 Euro verklagt. Doch Felicitas Rohrer geht es nicht in erster Linie um Geld sondern darum, dass Bayer Verantwortung übernimmt, sie und andere Geschädigte anerkennt und die Pille vom Markt nimmt.
Außerdem hofft sie, dass es für andere betroffene Frauen leichter wird, zu klagen, wenn sie den Prozess gewinnt.

Nachdem Felicitas Rohrer die Pille "Yasminelle" acht Monate eingenommen hatte, ist sie zusammengebrochen. Sie wurde in der Freiburger Uniklinik operiert, beide Lungenflügel waren voll mit Blutgerinseln. Sie musste mit der Herz-Lungen-Maschine am Leben gehalten werden und hatte eine Überlebenschance von 3%.

Die Folgen sind umfangreich: Sie konnte ihren ursprünglichen Beruf Tierärztin nicht mehr ausüben, kann überhaupt nicht in einer Festanstellung arbeiten, weil sie zwischendurch immer wieder Pausen machen muss, weil sie in ihrem linken Bein ein lymphödem hat, das immer wieder starke Schmerzen verursacht. Die 36-jährige arbeitet deshalb selbständig als Journalistin und Hochzeitsrednerin.

Sie leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung wegen der Nahtoderfahrung und muss wahrscheinlich lebenslang Medikamente nehmen, die es unmöglich machen schwanger zu werden, weil dadurch der Embryo abgetötet werden würde. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie vielleicht durch einen anderen Blutgerinnungshemmer doch noch Mutter werden könnte, aber es wäre auf jeden Fall für sie und das Kind ein hohes Risiko.

Sie hat mit weiteren Betroffenen die Selbsthilfegruppe "Initiative Thrombosegeschädigter" gegründet. Unter www.risiko-pille veröffentlicht die Gruppe Studien, Fakten und Erfahrungsberichte.

Foto: Marc Kästner

 

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