Frau grübelt
Andrea Piacquadio/Pexels
Frau grübelt
Warum unser Gedächtnis kurz aussetzt

Türschwellen-Effekt: Was wollte ich grad noch machen?

Du gehst von einem Zimmer ins nächste, um etwas zu erledigen und beim Betreten hast du schon vergessen, was du eigentlich wolltest. Was ist passiert? Was steckt hinter dem Phänomen?

Gedanke wie weggeblasen

Kennst du das? Du bist im Wohnzimmer und willst dir etwas aus der Küche holen. Du stehst auf, gehst durch die Tür in die Küche und plötzlich hast du vergessen, was du dort eigentlich wolltest. So als wäre dein Vorhaben beim Überschreiten der Türschwelle einfach aus deinem Gedächtnis ausradiert worden. Klingt wirklich kurios, doch dieses Phänomen ist tatsächlich wissenschaftlich bewiesen und trägt den Namen: Türschwellen-Effekt. Dieser Effekt beschreibt das Phänomen, sich plötzlich nicht mehr an Dinge erinnern zu können, die man gerade noch erledigen wollte. Oder man unterhält sich, wird kurz unterbrochen und kann sich im Anschluss nicht mehr erinnern, was man eigentlich erzählen wollte. 

Doch was steckt dahinter und warum passiert uns das immer wieder?

Wieso vergessen wir unser Vorhaben?

Mit dieser Frage haben sich bereits 2011 Psychologen und Neurowissenschaftler der US-amerikanischen University of Notre Dame beschäftigt und tatsächlich hat diese "Mini-Amnesie" etwas mit dem Durchschreiten einer Tür zu tun. Die Forschenden haben in ihrer Studie herausgefunden, dass bestimmte Erinnerungen in unserem Gedächtnis gelöscht werden, wenn wir eine Türschwelle überschreiten. 

Das Gedächtnis orientiert sich daher an Ereignissen, so die Ergebnisse der Studie. Unser Gehirn erinnert sich so lange an bestimmte Dinge, bis ein neues Ereignis eintritt und das zuvor abgespeicherte quasi "gelöscht" oder "wegsortiert" wird.

Türen sorgen daher nicht nur für eine räumliche Ordnung, sondern stellen für unser Gehirn auch eine Art Grenze dar und sortieren unsere Gedanken. Der Psychologe Gabriel Radvansky beschreibt dies als sogenannte "Ereignisgrenze". Diese sorgt laut seiner Studie dafür, dass das Gehirn Erinnerungen als kleine, abgeschlossene Episoden speichert, die jeweils mit einem bestimmten Ort verbunden sind. Wird nun ein neuer Raum betreten, ist dies für unser Gehirn ein Signal, dass ein Ereignis abgeschlossen ist und ein neues beginnt. Die "alten" Erinnerungspäckchen werden dann von unserem Gehirn nicht mehr als so relevant bewertet, da sie zu einem vorherigen Ereignismodell gehören und daher oft vergessen, sobald ein neuer Ort aufgesucht wird. Sie werden quasi aus dem Kurzzeitgedächtnis verdrängt. 

„Es ist schwierig, sich an die Entscheidung oder Aktivität zu erinnern, die in einem anderen Raum getroffen wurde, weil sie bereits wegsortiert wurde.“
Psychologe Gabriel Radvansky der University of Notre Dame

Was kann man gegen den Türschwellen-Effekt tun?

Keine Sorge, wenn du regelmäßig beim Betreten eines anderen Raumes vergisst, was du eigentlich tun wolltest. Diese plötzlich auftretende Vergesslichkeit ist kein Zeichen für eine geringere Gedächtnisleistung. Es ist lediglich ein natürlich-neurologisches Phänomen.

Konzentrieren wir uns nun auf eine einzelne Aufgabe, lässt sich dieser Effekt laut einer australischen Studie aus dem Jahr 2021 vermeiden. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass der Türschwellen-Effekt vor allem dann auftrete, wenn wir ohnehin schon sehr viele Dinge im Kopf haben, d.h. wenn wir gestresst oder abgelenkt sind. Wer sich nur auf eine Sache fokussiert und nicht ablenken lässt, wird sein Vorhaben nicht vergessen. Suchst du zum Beispiel deinen Autoschlüssel und gehst daraufhin von Zimmer zu Zimmer, um ihn zu finden, wirst du dies nicht zwischendurch vergessen. 

Quelle: forschung-und-wissen.de, Zeit.de, Focus.de, nationalgeographic.de

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