Mein Morgen

​Von Deutschland nach Indien - im umgebauten Polizeibus

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Erika Müller-Runge, Christian Müller und ihr gemeinsamer 11-jähriger Sohn Levin aus Speyer haben ihren Traum verwirklicht. Dafür haben sie sich einen Mercedes 711D umgebaut und reisen damit bis August 2022 um die halbe Welt.

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Die geplante Route führt die Speyrer über Schweden, Finnland und Russland (das Geburtsland von Erika) in den Ural, dann von der kasachischen Steppe über die Mongolei, nach Tadschikistan, China und zu guter Letzt nach Indien. 

Für Sohn Levin hat die Familie eine Befreiung vom Präsenzunterricht gewilligt bekommen, seine Eltern machen mit ihm „busschooling“.  „Levin fühlt sich sehr wohl, er ist ein gutes Reisekind. Am liebsten mag er es, wenn wir irgendwo anhalten, wo Wasser ist“, sagt Christian Müller zufrieden. Er arbeitet selbstständig als Zimmermann. Deshalb ist die Familie auch hinsichtlich möglicher Pannen unbesorgt. Trotz teilweise katastrophaler Straßenzustände gab es bisher auch nur einen Reifenschaden, der von Christian Müller schnell wieder behoben werden konnte. Seine Frau Erika arbeitete im Frühjahr als OP-Fachschwester im Krankenhaus die Stunden vor, sodass Sie einen Teil des Geldes während der Reise ausbezahlt bekommt. 

18.000 Euro und hunderte Arbeitsstunden

Günstig wird die Reise aber nicht: Allein der Bus und dessen Umbau haben etwa 18.000 Euro und viele hundert Stunden Arbeit gekostet. Dafür kann der Wagen jetzt aber auch so einiges. Die Fußbodenheizung, ein spezielles Toilettensystem und ein 1100 Liter fassender Wassertank ermöglichen der Familie, unterwegs besonders eigenständig sein zu können.

Vier Wochen sind Erika, Christian und Levin nun schon unterwegs. Nach dem Abschiedsmarathon in der Heimat ging es zu Freunden nach Leipzig und anschließend campen in Kroatien. Über Albanien fuhr die „Globelotte“, so nennen die Speyrer ihren Bus, schließlich nach Griechenland. „Griechenland sehen wir als Transitland an. Wir haben beschlossen, dass wir hier ein bisschen Strecke machen wollen“, sagt Vater Christian. 

Das Highlight der Reise

Albanien war bisher das Highlight der Reise. „Das ist landschaftlich und von den Menschen her ein sehr schönes Land. Leider liegt hier aber überall Müll rum. Die Menschen verpesten damit die ganze Natur, das fanden wir etwas schade“, fasst Erike Müller-Runge ihre Eindrücke zusammen. „Das Land ist uns sehr ans Herz gewachsen. Da haben wir sogar Freunde kennengelernt“, ergänzt Christian Müller. Diese Reisebekanntschaft wollen sie nun in Griechenland wieder treffen und gemeinsam mit ihnen nach Istanbul fahren. 
 

 
Auch sonst konnte die dreiköpfige Familie aus Speyer schon einige Kontakte knüpfen. „Wenn man freisteht, dann hat man auch die Gelegenheit, eher Kontakt zu den Einheimischen zu bekommen, so wie uns das in Albanien passiert ist. Da haben wir auch wild gecampt und wurden von den Einheimischen zum Essen eingeladen. Die haben für uns am Strand gegrillt und ein selbstgeschlachtetes Lamm und selbstgeangelten Fisch für uns zubereitet. Das war ein sehr schönes Erlebnis für uns“, erzählt Mutter Erika begeistert.

Kurzzeitiger Zuwachs mit dramatischem Ende

Kurzzeitig konnte die Familie sogar ein viertes Mitglied auf der Reise mitnehmen. In Albanien adoptierten sie einen kleinen Hund aus dem Straßengraben. Das gemeinsame Glück war aber nur von kurzer Dauer, denn der kleine Vierbeiner erkrankte nach knapp einer Woche an dem Parvovirose, das besonders für Jungtiere sehr gefährlich werden kann. „Leider hat er das nicht überlebt, sodass wir jetzt zu dritt weiterreisen“, sagt Erika traurig.
 

 
Besonders aufregend für die Familie waren die albanischen Alpenpässe. „Das waren einfache Schotterpisten, die kaum Gegenverkehr zugelassen haben. Da gings auf der einen Seite 100 Meter nach oben und auf der anderen direkt wieder 100 nach unten“, sagt Christian Müller euphorisch.

Gegen Ende Albanien gings dann an die Südküste. Weil es dort aber zu touristisch, zu laut und zu voll für die kleine Familie wurde, haben sie spontan den Weg nach Griechenland eingeschlagen.
Nach der Türkei geht es laut Christian Müller dann zum Kaukasus und in das schöne Georgien.
 

 
Die Pandemie steckt in den Köpfen

Die unsichere Corona-Situation steckt aber natürlich ein wenig in den Köpfen. Den Spaß wollen sie sich dadurch jedoch nicht verderben lassen. "Das Leben kann so kurz sein, lass' uns doch einfach das machen, worauf wir schon die ganze Zeit Lust haben und was wir schon seit letztem Jahr geplant haben", meint Erika optimistisch.

Erika, Christian und Levin dokumentieren ihre Reise übrigens auf ihrem Instagram-Account. Dort heißen sie, genau sie wie ihr Bus, globelotte53.

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