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Corona

Wie gehe ich mit Anhängern von Verschwörungstheorien um?

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Zunächst zuhören und Verständnis zeigen

Verschwörungstheorien können oft zum Konflikt zwischen langjährigen Freunden, Partnern oder auch Kindern und Eltern führen. Wir haben Sarah Pohl, Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen Baden-Württemberg in Freiburg, gefragt wie wir in solchen Situationen mit dem Gegenüber umgehen sollen.

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Die Wertschätzung beibehalten

Bei der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen Baden-Württemberg in Freiburg melden sich meistens Angehörige von Personen, die Verschwörungstheorien glauben. Leiterin Sarah Pohl erzählt, dass sich oft Leute zwischen 30 und 50 Jahren melden, weil sie sich Sorgen um ihre Eltern machen. Nicht selten teilen diese Personen sogenannte Fake News und Nachrichten, die in Richtung der Verschwörungstheorien fallen. 

"Es gibt ein paar Studien, die zeigen, dass die Fähigkeit "Fake News" zu erkennen, offenbar bei der Generation über 60 nicht so ausgeprägt ist, wie bei den jüngeren Generationen."

Senioren sind oft Menschen, die noch nicht ganz entschlossen sind. Bei ihnen, so Pohl, können Angehörige noch gut durch Aufklärungsarbeit punkten. Da lohnt es sich auf der Faktenebene mit Videos oder Seiten, die richtig Stellung nehmen, dagegen zu halten. "Bei manchen älteren Personen, die einfach verunsichert sind, bedarf es oft einer Wissensvermittlung. Dazu gehört auch eine Vermittlung von wichtigen Quellen", so Sarah Pohl. 

Zwischen Eltern und Kindern sei es wichtig, dass die Wertschätzung erhalten bleibt. Meist neigen wir dazu, Menschen, die einer anderen Meinung sind, abzuwerten. Das fühlt sich oft bedrohlich an. Es sei bedeutsam, den Eltern zu sagen, dass ich sie nicht als Gesamtperson verurteile. Nur weil ich mich von deiner Meinung distanziere, heiße das nicht, dass wir ich mich von der gesamten Person distanziere. 

Kinder werden schnell zum Zankapfel

Auch in der Beziehung und in der Familie kommt es oft zu Unstimmigkeiten. Wenn beide Eltern unterschiedlicher Meinung sind, wirkt sich das oft auf die Kinder aus. Das eine Elternteil sagt, dass das Kind keine Maske tragen muss. Der andere Teil sagt das Gegenteil. Es kann aber auch so weit gehen, dass Elternteile, die Verschwörungstheorien glauben, ihren Kindern bewusst Videos und Seiten zeigen, die ihre Theorie bestätigen. Dadurch wird das Kind oft zum Zankapfel.

Bei Jugendlichen, die es gerade nicht verstehen können, warum sie gerade keine Party machen oder sich mit Freunden treffen können, ist es wichtig, ihnen zu zuhören und ihnen das Gefühl zu geben, dass man es als Elternteil nachvollziehen kann, warum diese Zeit gerade so schwer für sie ist. Dazu gehört auch, dass als Eltern Fragen gestellt werden. 

Die Partnerschaft kann auch stark unter diesen Meinungsunterschieden leiden. Sarah Pohl, Leiterin der Beratungsstelle, rät Paaren, in diesem Fall zu einer Paarberatung: "Man versucht zu schlichten, aber meistens ist man da ziemlich festgefahren." Nicht selten kommt es vor, dass dieser Konflikt in einer Trennung endet, weil die Personen nicht mit der Meinung des anderen leben können. 

Wie gehe ich mit Verschwörungstheoretikern um?

"Es gibt keine Pauschallösung, wie ich mit so jemanden umgehen kann", räumt Sarah Pohl zu Beginn ein. Es sei in erster Linie wichtig zu verstehen, was so jemanden umtreibt, warum bewertet er die Lage so wie sie ist. Dann ist es bedeutsam, demjenigen erst einmal zuzuhören und zu verstehen, was ihn dazu veranlasst, sich nicht an bestimmte Regeln zu halten. 

"Auch mal gucken, was es auf der Gefühlsebene für die Person bedeutet, gerade alleine zu sein und ihm das Gefühl geben, dass ich ihn verstehe. Da ist erstmal ein großes Verständnis zu signalisieren."

Wenn sich jemand verstanden fühle, falle es der Person meist leichter auch die andere Seite zu akzeptieren. Wir neigen oft dazu in eine Gegenrede zu gehen und sagen zu schnell: "Nein, so geht das nicht". Das sei allerdings der falsche Ansatz.

Die Leiterin der Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen berichtet auch, dass viele dazu neigen, das Thema Corona auszuklammern: "Das gärt dann meistens so im Untergrund und führt meistens so, dass es an einer anderen Stelle wieder hochkommt." Es sei jedoch wichtig zu erkennen, was einen mit der Person verbindet und wo es Gemeinsamkeiten gibt. Oft achten wir nur darauf, was uns trenne und nicht was uns verbinde. Es ist wichtig, der anderen Person viele Fragen zu dem Thema Verschwörungstheorien zu stellen und zu fragen, warum sie das glauben. Das helfe oft dabei, dass sich die Betroffenen anfangen, selbst zu hinterfragen. 

Viele Menschen sehen in Theorien Sicherheit

Oft sind es die Menschen, die sich gerade in einer persönlichen Krise befinden, die Verschwörungstheorien glauben. Sie sehen in den Theorien Halt und Sicherheit. Man muss das als Konstrukt sehen, das dieser Person gerade besser durch die Krise hilft. "Es kann hilfreich sein, nachdem man auf dieser Empathie-Ebene geblieben ist, nochmal reinzuhorchen, welche Fakten so eine Theorie stützen." Generell rät Pohl nur mit den Personen zu diskutieren, wenn man sich auf der Faktenebene wohlfühle. Es sei oft ziemlich anstrengend zu versuchen, die Argumente des anderen mit Fakten zu entkräften. 

Theorien können dramatische Folgen haben

Dass der Glaube an Verschwörungstheorien auch dramatischere Folgen mit sich bringen kann, erklärt Pohl: "Es gibt Leute, die ihr ganzes Geld abgehoben und in Gold investiert haben, da sie Angst hatten, dass die Währung an Wert verlieren könnte. Ebenfalls gab es auch den Fall, dass Eltern ihr Haus verkauft haben und Richtung Osten gezogen sind, da sie glaubten, dass es einen Regimeumsturz geben wird.

Verschwörungtheoretiker handeln oft missionarisch

Laut Pohl sind die Personen, die eine Theorie glauben, in der frühen Anfangsphase am anstrengendsten. Sie haben meist noch den missionarischen Eifer die Welt verändern zu wollen und alle Personen davon überzeugen zu wollen. Dies lasse nach einer gewissen Zeit wieder ab. Weil sich die Leute selbst mit ihrer Theorie beschäftigen und Widersprüche erkennen. Man könne das Verhalten mit einer verliebten Person vergleichen, die gerade frisch verliebt ist. "In der Anfangsphase sieht man seinen Partner auch völlig kritiklos durch die rosarote Brille. So ist es auch mit den Theorien", so Pohl. Zunächst erkennen die Theoretiker nichts Negatives an der Theorie. Irgendwann erkenne man doch erste Widersprüche. 

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