Sexueller Missbrauch gegen Minderjährige im Netz, Nötigung zu Selbstverletzung und Herstellung pornografischer Inhalte: Nach seiner Festnahme vor rund einem Jahr hat das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg (CCZ) nun Anklage gegen einen 17 Jahre alten Tatverdächtigen aus dem Landkreis Ludwigsburg bei der Jugendschutzkammer des Landgerichts Heilbronn erhoben. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung vom CCZ und der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe hervor.
Die Vorwürfe gegen den Teenager sind schwer: zum Teil schwerer sexueller Missbrauch gegen Kinder und Jugendliche, Herstellung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten, gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Der damals 16-Jährige wurde den Angaben zufolge Anfang Oktober vergangenen Jahres festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Verbindungen zu «White Tiger»
Zum Netzwerk «764» soll auch der im Juni in Hamburg festgenommene Mann gehört haben, der als «White Tiger» bekannt wurde. Der Deutsch-Iraner soll Kopf einer Gruppe sein, die zahlreiche Kinder im Internet sexuell missbraucht und gequält haben soll. Unter anderem habe er über das Internet einen 13-jährigen US-Amerikaner in den Suizid getrieben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat den 21-Jährigen unter anderem wegen Mordes angeklagt.
Aufnahmen wurden mutmaßlich als Trophäe in Chatkanälen geteilt
Der nun angeklagte Teenager steht im Verdacht, jeweils im März und April 2025 Mitglied in einer sadistischen Splittergruppe des kriminellen Online-Netzwerks «764», namens «Nefarious Maniac Cult» (NMK), und als Rekrutierer neuer Mitglieder tätig gewesen zu sein, wie es hieß.
Ihre Opfer suchten die Mitglieder dieser Gruppe den Angaben zufolge etwa in Online-Spielen oder sozialen Medien. Durch «das subtile und langsame Aufbauen einer scheinbaren Freundschaft oder einer romantischen Beziehung» sollten die Opfer – vor allem Minderjährige – demnach Vertrauen gewinnen und anschließend unter anderem intime Bilder und Videos schicken.
Außerdem seien sie unter anderem dazu gezwungen worden, sich selbst mit Messern oder Rasierklingen Symbole der Gruppierung, den Nutzernamen des jeweiligen Mitglieds und Botschaften in die Haut ritzen. Mit dem austretenden Blut sollten sie die Symbole zum Teil an eine Wand schreiben und sowohl ihre Verletzungen als auch die sogenannten «Wallsigns» filmen oder fotografieren. Die Aufnahmen seien daraufhin als Trophäe in den intern geführten Chatkanälen der Gruppierung veröffentlicht worden, hieß es.
Dem 17-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen in mindestens zwölf Fällen den Kontakt zu potenziellen Opfern gesucht zu haben, wie es hieß. In sechs Fällen sei es demnach zu erheblichen selbstverletzenden Handlungen der Opfer und in vier Fällen zu sexuellen Handlungen gekommen.
Die identifizierten Opfer im Alter zwischen damals 12 und 16 Jahren wohnen in Kanada, den USA und Schweden. Es handelt sich den Angaben zufolge sowohl um weibliche als auch um männliche Opfer. Außerdem soll der Angeklagte zwei weitere minderjährige Mädchen zur Vornahme sexueller Handlungen bestimmt haben. Eines der Opfer konnte identifiziert werden und wohnt in Australien.
Mutmaßliche Inspiration durch den «Maniac Murder Cult»
Den Angaben zufolge handelt es sich bei der «NMK»-Gruppierung um eine Gruppierung aus dem sogenannten COM-Netzwerk, die durch das «764»-Netzwerk und den sogenannten «Maniac Murder Cult» inspiriert wurde. Die «NMK»-Mitglieder sollen das Ziel verfolgt haben, möglichst viele Opfer durch gezielte Manipulation psychisch zu kontrollieren und dazu zu bringen, sich selbst zu verletzen. Die Gruppierung bestand den Angaben zufolge von 2023 bis Ende 2025.
© dpa-infocom, dpa:261023-930-882907/2
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten