Dem Streit zwischen zwei Familien sollen bislang drei Menschen zum Opfer gefallen sein.
Boris Roessler/dpa
Dem Streit zwischen zwei Familien sollen bislang drei Menschen zum Opfer gefallen sein.
Landgericht Frankfurt

Blutrache im Hauptbahnhof? Familienmitglieder im Zeugenstand

Brennende Häuser in Antalya, tödliche Schüsse in Frankfurt - eine Familienfehde ist eskaliert. Nun sprechen Zeugen im Gericht von ihren Erlebnissen und ihrer Angst nach der Tat.

Nach der mutmaßlichen Blutrache im Frankfurter Hauptbahnhof im Sommer 2024 haben Angehörige des Opfers im Landgericht über Hintergründe der türkischen Familienfehde berichtet. Sie habe gehört, dass sich das Opfer in den sozialen Medien über die vorherige Tötung eines Angehörigen der gegnerischen Familie gefreut hatte, sagte eine Cousine des Getöteten. Dieser war im Alter von 27 Jahren am Abend des 24. August 2024 mitten im Hauptbahnhof mit drei gezielten Schüssen in den Kopf getötet worden. 

Angeklagt sind in dem aufwendigen Prozess im Frankfurter Landgericht - der von enormen Sicherheitsvorkehrungen begleitet wird - unter anderem der mutmaßliche Schütze, ein 56 Jahre alter Türke, der bis zu seiner Festnahme in Lahr im Schwarzwald lebte. Ihm und sechs weiteren Angehörigen seiner weit verzweigten Familie wirft die Staatsanwaltschaft Mord vor, ihnen droht eine lebenslange Haftstrafe. Der achte Angeklagte, ebenfalls ein Familienmitglied, muss sich in dem seit Februar laufenden Prozess wegen der Verabredung zu einem Verbrechen verantworten.

Ruhe nach erster Tötung

Laut den Schilderungen der 26-jährigen Cousine des Opfers und ihrem 30 Jahre alten Ehemann wurden bislang drei Menschen im Rahmen dieser blutigen Fehde umgebracht. Das erste Todesopfer im Jahr 2016 war der Vater des später im Hauptbahnhof erschossenen 27-Jährigen. Nach dieser ersten Tat war laut den Schilderungen der Zeugen lange Zeit Ruhe. «Ich dachte, beide Familien hätten sich versöhnt», schilderte der 30-Jährige. Sie hätten gemeinsam in einem Stadtteil in Antalya gelebt, er sei mit Mitgliedern beider Familien befreundet gewesen. 

Doch im Mai 2024 flammte die Fehde aus unbekannten Gründen wieder auf: Der Neffe des nun angeklagten Schützen wurde von einem Angehörigen der gegnerischen Familie getötet. Sie seien darüber «schockiert und überrascht» gewesen, schilderte es die Zeugin. In den sozialen Medien sei daraufhin Rache angedroht worden, Häuser ihrer Familie in Antalya seien angezündet worden, alle Familienmitglieder hätten das Viertel verlassen. 

Angst vor weiterer Rache

Ob es Pläne ihrer Familie gebe, den Tod ihres Cousins zu rächen, fragte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer. Davon sei ihr nichts bekannt, antwortete die Frau. Sie selbst sei mir ihrer Familie nach der Tötung im Hauptbahnhof aus Angst vor einer weiteren Blutrache seitens der Familie der jetzt Angeklagten umgezogen, ihre neue Adresse sei geheim. «Man weiß nicht, wer als nächster dran ist», erklärte ihr Ehemann. 

Die Schwurgerichtskammer hat bislang Verhandlungstermine bis in den Juli bestimmt.

© dpa-infocom, dpa:260416-930-953768/1
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