Der leere Glockenturm von der Friedhofskapelle in Edingen im Rhein-Neckar-Kreis.
Bernd Weißbrod/dpa
Der leere Glockenturm von der Friedhofskapelle in Edingen im Rhein-Neckar-Kreis.
Kriminalität

Diebe stehlen Friedhofsglocke - Gemeinde fassungslos

Metalldiebe haben in einem Ort im Rhein-Neckar-Kreis die Glocke der Friedhofskapelle gestohlen. Sie schlugen dabei nicht zum ersten Mal in dem Ort zu - und sind Teil eines größeren Problems.

Der Turm der Friedhofskapelle in Edingen ist leer, bei Beerdigungen läutet die Glocke nicht mehr, Mitglieder der Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis sind schockiert: Metalldiebe haben Ende vergangener Woche nachts die massive Glocke aus dem Kirchturm gestohlen. Die Täter hätten wohl zunächst den Klöppel ausgebaut, welcher mit einem Metallträger an der Glocke befestigt war, heißt es von der Polizei. «Dann wurde die Glocke über das Schrägdach heruntergelassen.» Mehrere Dachziegel seien dabei zu Bruch gegangen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Die Polizei schätzt das Gewicht der Glocke auf mehr als 100 Kilogramm. Wie groß die Glocke, aus welchem Metall und wie viel sie wert ist, kann der Bürgermeister von Edingen-Neckarhausen, Florian König, nicht sagen. «Wir haben uns ehrlich gesagt nicht damit auseinandergesetzt, dass jemand so viel kriminelle Energie aufwendet, eine Glocke von einem Glockenturm runterzuholen», sagt der 37-Jährige. «Weil einfach der Aufwand zum Ertrag, der damit erlösbar ist, glaube ich, in keinem Verhältnis steht.»

Polizei geht von mehr als einem Täter aus

Die Polizei geht von mehr als einem Täter beim Diebstahl der Glocke aus. Es gebe bereits mehrere Hinweise zu der Tat, sagt ein Sprecher. Es habe auch in der Region einige ähnliche Taten gegeben. Laut Landeskriminalamt wurden allein im vergangenen Jahr 130 Metalldiebstähle in Baden-Württemberg gemeldet. Der entstandene Schaden betrug demnach insgesamt knapp 700.000 Euro. Nur rund ein Drittel der Taten sei aufgeklärt worden.

Der ideelle Wert der Glocke ist für die Edinger auf jeden Fall hoch. Sie hat laut Gemeinde zwei Weltkriege überstanden. «Wir gehen davon aus, dass die Ende des 18. Jahrhunderts gefertigt wurde», sagt König. Der Name des Glockenmachers stehe auf der Glocke. Dieser sei bereits 1819 gestorben. Lange sei die Glocke auf dem ursprünglichen Rathaus platziert gewesen. In den 1960-er Jahren sei sie dann auf die Kapelle umgesetzt worden. 

Frauenskulptur aus Bronze vom Friedhof gestohlen

Die 14.000-Einwohner-Gemeinde ist in den vergangenen Wochen mehr als einmal Opfer von Metalldieben geworden: Auf dem Friedhof in Neckarhausen wurde eine menschengroße Frauenskulptur aus Bronze aus ihrer Verankerung gebrochen, wie der Bürgermeister sagt. Materialwert: 400 bis 600 Euro. Der ideelle Wert sei schwer zu bemessen - mehrere Tausend Euro in jedem Fall. «Dass sie künstlerisch wertvoll ist, ist, glaube ich, auch jedem Kunstbanausen bewusst.»

Königs Stellvertreter Dietrich Herold spricht von Pietätlosigkeit und verletzten Gefühlen der Trauernden. Er sagt zu der Tat am Osterwochenende: «Friedhofsdiebstähle sind so ziemlich das Gemeinste, was man sich bei Eigentumsdelikten vorstellen kann.»

Dach des Freizeitbades beschädigt

Kurz nach der Skulptur deckten Diebe auch noch das gemeinsame Dach des Freizeitbades in Neckarhausen sowie der angrenzenden Mehrzweckhalle teilweise ab, in dem sie mehrere Kupferplatten entfernten. An der Halle rissen sie zudem Teile des Blitzableiters sowie Kupferrohre ab, wie der Bürgermeister sagt. Der Schaden liege hier allein bei mehr als 20.000 Euro.

«Das ist ein professionelles, hoch destruktives Vorgehen von Kriminellen, die auf Schaden keine Rücksicht nehmen», sagt der Bürgermeister. Der Schaden am Dach der Friedhofskapelle sei noch nicht beziffert. «Ich hoffe, dass der noch im überschaubaren vierstelligen Bereich bleibt.»

Gemeinde hofft, dass Glocke wieder zurückkommt

Klar ist für die Gemeinde, dass es wieder eine Glocke auf der Kapelle geben soll - so oder so. «Das gehört für uns zum christlichen Glauben dazu, dass bei Begräbnissen Kirchenglocken läuten und auch bei anderen Ereignissen», sagt König. Die Gemeinde stünde bereits mit einem Glockenbauer in Kontakt. 

Allerdings habe die Gemeinde auch noch die Hoffnung, dass die alte Glocke wieder nach Edingen zurückkehren werde. Diese sei gut zu identifizieren, sagt der Bürgermeister. «Wir werden Schrottplätze anschreiben, Schrotthändler.» Damit die Gemeinde auch informiert werde, sollte die Glocke irgendwo angeboten werden.

Von Stefanie Järkel, dpa
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