Dieser Mann führt künftig die mächtige CDU-Fraktion
Tobias Vogt übernimmt das Ruder der CDU im Landtag. Er gilt als enger Vertrauter von Landeschef Manuel Hagel. Wird Vogt die Fraktion zu einem eigenen Machtzentrum neben der Regierung aufbauen?
Tobias Vogt übernimmt das Ruder der CDU im Landtag. Er gilt als enger Vertrauter von Landeschef Manuel Hagel. Wird Vogt die Fraktion zu einem eigenen Machtzentrum neben der Regierung aufbauen?
Tobias Vogt ist der neue Chef der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Die Abgeordneten wählten Vogt bei ihrer Sitzung zum Vorsitzenden, wie die Deutsche Presse-Agentur in Stuttgart von Teilnehmern erfuhr. Dem Vernehmen nach erhielt Vogt 80 Prozent der Stimmen - 44 Parlamentarier stimmten für ihn, 11 gegen ihn, es gab eine Enthaltung.
Vogt stellte sich als Handwerksmeister und Familienunternehmer vor, der anpacke und Verantwortung übernehme. Seine Wahl sei ein klares Signal, sagte er - damit rücke die Fraktion die wirtschaftliche Zukunft des Landes noch stärker in den Mittelpunkt. Wirtschaft und Arbeitsplätze hätten oberste Priorität.
Hagel geht in die Regierung
Der bisherige Fraktionsvorsitzende und CDU-Landeschef Manuel Hagel will als Minister und Vize-Ministerpräsident in die neue grün-schwarze Landesregierung wechseln. Deswegen kandidierte der 38-jährige Hagel nicht erneut als Fraktionsvorsitzender.
Vogt sitzt erst seit einer Legislaturperiode im Landtag und vertritt den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Er ist 40 Jahre alt, Kfz-Technikermeister und Vater von drei Kindern. Vogt ist seit 2008 CDU-Mitglied, ist Landesgeneralsekretär der Partei und gilt als enger Vertrauter Hagels - damit gilt es als unwahrscheinlich, dass er die Fraktion als Gegenpol zur neuen Landesregierung aufbaut, in der Hagel sitzt.
Fraktion will «antreibende Kraft» sein
Gefragt nach der Zusammenarbeit mit der Regierung sagte Vogt, dass die Fraktion aus 56 sehr selbstbewussten, direkt gewählten Abgeordneten bestehe. «Unser Anspruch an uns selber und das Selbstverständnis der CDU-Landtagsfraktion ist immer auch, die antreibende Kraft zu sein.»
Vogt hatte die Kampagne für die Landtagswahl als Generalsekretär organisiert und besitzt dem Vernehmen nach viel Rückhalt vor allem bei den erstmals gewählten CDU-Abgeordneten. Allerdings zeichnet er auch verantwortlich für die Kampagne, die nicht so recht zündete.
Viel Vorsprung verspielt
Bei der Wahl am 8. März waren die Grünen mit 30,2 Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Im neuen Landtag verfügen beide Parteien über jeweils 56 Mandate – eine ungewöhnliche Pattsituation. Zwar ist die neue CDU-Fraktion deutlich größer als die alte, aber trotzdem hatte die Union im Wahlkampf einen deutlichen Vorsprung in den Umfragen innerhalb kurzer Zeit verspielt.
Die Christdemokraten hatten den Grünen eine gezielte «Schmutzkampagne» im Wahlkampf vorgeworfen. Hintergrund ist ein Video aus dem Jahr 2018, das eine Grünen-Bundestagsabgeordnete kurz vor der Wahl verbreitet hatte. Darin äußert sich Manuel Hagel über die «rehbraunen Augen» einer Schülerin – der Clip schadete dem CDU-Spitzenkandidaten auf den letzten Metern des Wahlkampfs.
Scharfe Kritik an den Grünen
In diesem Zusammenhang hatte sich auch Vogt sehr scharf geäußert und die Grünen von Spitzenkandidat Cem Özdemir kritisiert. Kurz vor der Wahl beschuldigte er die Grünen, mit ihrer Kampagne Menschen zu «vernichten». Kurz nach der Wahl warf er Özdemir eine «herablassende Arroganz» vor.
In den vergangenen Wochen glätteten sich die Wogen zwischen Grünen und CDU dann wieder. Die Koalitionsverhandlungen sind nun abgeschlossen. Am Mittwoch soll der Koalitionsvertrag der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
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