Ermittlungen nach Gewalttat an 14-Jährigem dauern an
Ein Jugendlicher ist tot, der Verdächtige stirbt nach Schüssen der Polizei: Was steckt hinter den tragischen Ereignissen in Memmingen? Viele Fragen bleiben in dem Fall weiterhin offen.
Ein Jugendlicher ist tot, der Verdächtige stirbt nach Schüssen der Polizei: Was steckt hinter den tragischen Ereignissen in Memmingen? Viele Fragen bleiben in dem Fall weiterhin offen.
Nach dem Gewaltverbrechen an einem 14-Jährigen in Memmingen ermittelt die Kripo weiterhin zu den Hintergründen der Tat. Ein 37-Jähriger, der den Jugendlichen mutmaßlich getötet haben soll, war von Polizisten bei einem Festnahmeversuch angeschossen worden und später im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.
Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft berichtete, gibt es derzeit keine neuen Informationen in dem Fall. «Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt und ob wir noch einmal neue Erkenntnisse haben», sagte Staatsanwältin Stefanie Birle. Am Donnerstag könnte es eventuell eine Mitteilung zu den Ergebnissen der Obduktion des getöteten Tatverdächtigen geben, sagte sie.
Tatverdächtiger konnte nicht abgeschoben werden
Die Regierung von Schwaben informierte unterdessen darüber, warum der Tatverdächtige, ein abgelehnter Asylbewerber, bislang nicht aus Deutschland abgeschoben werden konnte. Der Mann war aufgrund ungeklärter Identität in der Bundesrepublik geduldet. «Die Nationalität konnte trotz intensiver Bemühungen bis zuletzt nicht geklärt werden», sagte ein Sprecher der Bezirksregierung.
Der staatenlose Palästinenser soll aus dem von Israel besetzten Westjordanland stammen. Seit Dezember 2020 soll er in Deutschland gewesen sein, wenige Monate später soll er nach Memmingen gekommen sein. Gegen die Ablehnung des Asylstatus soll der Mann geklagt haben. Seit September 2023 sei er aber ausreisepflichtig gewesen, erläuterte Behördensprecher Philipp Höß.
Nach seinen Angaben gab es zwei Versuche, dem Mann einen Passersatz zu verschaffen. «Jedoch blieben die beiden Verfahren sowohl hinsichtlich der Palästinensischen Autonomiegebiete als auch hinsichtlich eines möglichen Herkunftslandes Jordanien erfolglos, so dass keine aufenthaltsbeendenden Maßnahmen vollzogen werden konnten.»
Die Polizei hatte am Montag den seit Samstag vermissten 14-Jährigen tot in einem leerstehenden Gebäude in der Nähe des Memminger Bahnhofs entdeckt. Die Ermittler gehen von einer Gewalttat aus. Wie genau der Jugendliche starb, haben sie bislang nicht bekanntgegeben. Ob der 37-Jährige den Jugendlichen bereits vor der Tat kannte, ist bislang ebenso unklar.
Der Mann soll sich jedenfalls nach Angaben der Ermittler in dem Haus in einem Schrank versteckt haben. Als Polizisten ihn dort entdeckten, soll der Verdächtige mit einem Messer auf die Beamten losgegangen sein. Danach habe er fliehen können.
Stunden später am Montagabend wurde der 37-Jährige bei einem Hallenbad entdeckt. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wollten fünf Zivilbeamte den Gesuchten festnehmen, der Mann flüchtete allerdings erneut. Bei der Verfolgung soll der Verdächtige wieder ein Messer gezückt und die Polizisten bedroht haben, so dass diese mehrfach auf ihn schossen. Der Mann starb später im Krankenhaus.
Polizei durchsucht Flüchtlingswohnheim
Der Verdächtige war laut Staatsanwaltschaft zweimal in Deutschland zu Geldstrafen verurteilt worden, wegen Sachbeschädigung und unerlaubten Aufenthalts ohne Pass. Nach Angaben der Regierungsbehörde war er vor wenigen Wochen in ein Flüchtlingsheim nach Senden (Landkreis Neu-Ulm) geschickt worden.
Im Kontext der Ermittlungen hat die Polizei deswegen auch diese Unterkunft durchsucht. «Ziel war das Auffinden von Beweismitteln», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte die «Augsburger Allgemeine» über die Durchsuchung berichtet.
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