Wer jetzt im Frühling größere Gartenarbeiten plant, sollte sich vorher über den Verlauf zum Beispiel von unterirdischen Strom-, Gas- und Wasserleitungen informieren. «Kommt es zu Zwischenfällen, bei denen erdverlegte Leitungen beschädigt werden, sind nicht nur Versorgungsausfälle und hohe Kosten für die Reparatur möglich, sondern es entstehen auch Risiken für die Gesundheit - angefangen bei Stromschlägen bis hin zu Gasaustritten», warnt der Netzbetreiber Netze BW in Stuttgart. Was man dazu wissen muss:
Wo liegt die Gefahr?
«In der Regel stellt ein wenig Buddeln, etwa beim Einpflanzen kleiner Gartenpflanzen, kein Problem dar», erklärte die Sprecherin. Wer jedoch einen Gartenteich ausheben oder Wege mit Pflaster- und Tiefbordsteinen anlegen möchte, sollte sich darüber informieren, was sich im Erdreich befinden könnte. Früher seien Kabel häufig auch quer über Privatgrundstücke verlegt worden.
Selbst bei den Profis herrscht «permanente Unsicherheit» bei dem Thema, wie Christoph Walker von der Karl Walker GmbH in Sindelfingen berichtet. Vor allem im Bereich Telekommunikation sei die Zahl der Unternehmen stark gewachsen. «Und man weiß nie genau, welcher Anbieter wo welche Leitungen liegen hat.»
Wie finde ich das heraus?
Eigentümer und Bauherren sind verpflichtet, sich vor Beginn der Erdarbeiten über die Lage der Leitungen zu informieren. Hierfür kann man zum Beispiel den örtlichen Netzbetreiber anfragen oder über ein Online-Leitungsauskunftsportal gehen wie die Bund-Länder-Initiative Leitungsauskunft (BIL). Die Nutzung dort ist kostenfrei, wie es auf der Internetseite heißt. Man erhält eine Übersicht zu Ansprechpartnern und Notfallrufnummern. Auch gebe es gewerbliche Anbieter, die versuchen, Informationen zu bündeln und gegen Bezahlung verfügbar zu machen, erklärt Walker. «Aber ein perfektes System ist uns nicht bekannt.»
Kann ich mich auf die Angaben verlassen?
Nein. Alte Leitungskarten seien nicht immer präzise, warnt Netze BW. «Die tatsächliche Tiefe oder Lage kann abweichen, besonders bei Leitungen, die älter als 50 Jahre sind.» Walker sagt sogar, Leitungspläne und Realität stimmten «sehr häufig» nicht überein. «Wir hatten erst jetzt wieder den Fall, dass Leitungen der Straßenbeleuchtung einer benachbarten Gemeinde zehn Zentimeter unter Pflasterbelägen verlegt worden sind.» Weder seien sie in einem Plan vermerkt gewesen noch entspreche diese Tiefe einer gängigen Richtlinie.
Was gilt es bei Arbeiten in der Nähe von Leitungen zu beachten?
Wer im Schutzbereich von Leitungen (Gas, Strom, Wasser, Telekommunikation) arbeitet, muss äußerste Vorsicht walten lassen. Hier dürfen den Angaben nach keine schweren Baumaschinen eingesetzt werden. Stattdessen solle Erde mit Handwerkzeugen wie Spaten, Schaufel oder Spitzhacke entfernt werden. Wenn Leitungen freigelegt werden, müsse zudem der Netzbetreiber beziehungsweise das Versorgungsunternehmen informiert werden. Bei Hochspannungs- oder Hochdruckleitungen gelten auch Fristen und es sind Genehmigungen nötig.
Gibt es Mindesttiefen beim Verlegen von Stromkabeln?
Ja. Netze BW etwa sieht im Niederspannungsbereich eine Verlegungstiefe von 60 Zentimetern und 80 Zentimetern im Mittelspannungsbereich vor. «Allerdings sind beispielsweise Hofeinfahrten bei der Erstellung von Hausanschlüssen oftmals noch nicht fertiggestellt», teilte die Sprecherin mit. «Wenn später durch Kunden Material abgetragen wird, kann es auf privaten Grundstücken vorkommen, dass die Kabel weniger tief liegen als ursprünglich vorgesehen.»
Was tun, wenn doch etwas passiert?
Werden unterirdische Leitungen unbeabsichtigt beschädigt, sollte man die Arbeiten sofort einstellen. Hilfreich sei es, den Bereich abzusperren und unverzüglich den zuständigen Netzbetreiber zu verständigen. Auch Feuerwehr und Polizei müssen unter Umständen informiert werden.
Welche Folgen drohen?
Wer eine Leitung beschädigt, haftet in der Regel für die Reparaturkosten und Folgeschäden wie den Ausfall der Versorgung für Anwohner. Bei klassischen Schäden an Hausanschlusskabeln - etwa durch einen Minibagger verursacht - bewegen sich die durchschnittlichen Reparaturkosten laut Netze BW meist im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich. Werden hingegen größere Kabel beschädigt, können sie rasch auf einen unteren fünfstelligen Betrag steigen. «Viele Versicherungen setzen für die Schadensregulierung voraus, dass bei Tiefbauarbeiten vorab eine Kabel- und Leitungsauskunft eingeholt wird.»
Wie häufig passieren solche Unfälle?
Gerade im Frühjahr komme es bei Bauarbeiten immer wieder zu unbeabsichtigten Schäden an Versorgungsleitungen, erklärte der Leiter der Netzregion Donau bei Netze BW, Andreas Herre. «Das zeigt sich deutlich durch vermehrte Stromausfälle im Niederspannungsbereich, wodurch z.B. Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Straßenbeleuchtungen betroffen sind.» Dass Menschen zu Schaden kommen, ist den Angaben nach eher die Ausnahme.
Der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen und der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg führen nach eigenen Angaben keine Statistik zu etwaigen Beschädigungen von Leitungen.
Von Marco Krefting, dpa
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