Taxifahrer Muhammad A. steht mit seinem Taxi an der Stelle in Mannheim, an der er mit seinem Auto den Amokfahrer stoppte.
Uwe Anspach/dpa
Taxifahrer Muhammad A. steht mit seinem Taxi an der Stelle in Mannheim, an der er mit seinem Auto den Amokfahrer stoppte.
Amokfahrt vom Rosenmontag 2025

«Ich habe im Rückspiegel gesehen, die Leute schreien.»

Am 3. März 2025 tötete ein damals 40-Jähriger bei einer Amokfahrt in der Mannheimer Fußgängerzone mit seinem Auto zwei Menschen. Der Taxifahrer Muhammad A. stoppte den Täter und rettete Leben.

Muhammad A. sitzt am Rosenmontag 2025 in der Fußgängerzone am Taxistand in seinem Taxi und wartet auf Kunden. Plötzlich sieht er im Rückspiegel, wie ein Fahrer mit seinem Auto Menschen umfährt. «Ich habe im Rückspiegel gesehen, die Leute schreien, richtig schreien», erzählt der 47-Jährige am damaligen Tatort. «Da habe ich gesagt: Nein, ich muss ihn stoppen.» Er schert aus der Reihe wartender Taxis aus, hupt, warnt die Menschen vor dem Amokfahrer und fährt diesem hinterher.

Bei der Amokfahrt am 3. März 2025 in der Mannheimer Fußgängerzone werden zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt. In einer Sackgasse stoppt Muhammad A. sein Taxi hinter dem Auto des Amokfahrers und verhindert damit dessen Weiterfahrt. Der Täter schießt laut Landgericht Mannheim mit einer Schreckschusswaffe gegen die beschädigte Windschutzscheibe, um A. einzuschüchtern und flüchtet. Kurz darauf fasst die Polizei den Mann.

«Der Mut eines Einzelnen»

Mit seinem beherzten Eingreifen damals hat A. Schlimmeres verhindert, lautet die Einschätzung der Ermittler. «Es ist dem Mut eines Einzelnen zu verdanken, dass nicht weitere Menschen verletzt oder getötet wurden», sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU) der Deutschen Presse-Agentur kurz vor dem Jahrestag. «Der Taxifahrer Muhammad A. hat das Fahrzeug des Täters selbstlos und ohne zu zögern gestoppt und so andere Leben gerettet.»

Muhammad A. ist ein ruhiger Mann, der mit leiser Stimme erzählt. Sein Deutsch ist gebrochen. Er lebe seit 19 Jahren in Deutschland und habe seit sieben Jahren sein eigenes Taxiunternehmen in Mannheim. Er habe zwölf Mitarbeiter, fahre aber weiterhin seine eigenen Schichten. Sonst sei das Unternehmen nicht rentabel genug, sagt er.

«Ich bin kein Held»

Als Held will A. nach seiner Tat nicht gelten. «Ich bin kein Held, ich kann nicht Held sein», sagt er beim Gespräch in der Moschee seiner muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde. «Ich bin Muslim und meine Religion sagt: Es gibt keine Helden, alle Muslime sind gleich.» Die Religion gebe ihm Kraft. Wenn er gebetet habe, fühle er sich wie neugeboren. So wie damals während der Tat ist aktuell wieder Ramadan. A. kommt mit anderen Mitgliedern seiner Gemeinde regelmäßig zum Beten in der Moschee zusammen.

Die Erlebnisse vor einem Jahr belasteten ihn allerdings auch, sagt er. Erst zwei Monate nach der Tat sei er wieder bei der Arbeit eingestiegen, zunächst nicht in Vollzeit. Mittlerweile mache er Therapie. Er sei einfach nicht mehr so belastbar wie vor der Tat.

A. klagt über Konzentrationsschwierigkeiten

«Ich kann meine Firma nicht richtig führen», sagt A. Er könne sich nicht richtig auf seine Arbeit konzentrieren. Wenn er zwei Stunden unterwegs sei, habe er Kopfschmerzen und gehe dann nach Hause. Als selbstständiger Unternehmer könne er es sich allerdings nicht leisten, nicht zu arbeiten. Der gebürtige Pakistaner ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der Amokfahrer, ein damals 40-jähriger Deutscher aus Ludwigshafen, war laut Landgericht Mannheim mit mindestens 50 Kilometern pro Stunde in die Fußgängerzone in Mannheim gefahren. Dann habe er deutlich beschleunigt und gezielt Passanten angefahren. Im Dezember verurteilte ihn das Gericht unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. 

Täter in psychiatrischem Krankenhaus untergebracht

Aufgrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung sah das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit an. Es ordnete bis auf weiteres die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

A. wird noch länger damit beschäftigt sein, das Geschehen vom Rosenmontag 2025 zu verarbeiten. Dabei geholfen, habe ihm im vergangenen Jahr unter anderem seine Gemeinde, sagt er. Und: «Meine Familie hat mir sehr geholfen.» Wenn seine Kinder erzählten: Papa, wir sind stolz, mein Lehrer sagt, dass Du alles sehr gut gemacht hast - das motiviere ihn.

«Eine sehr bescheidene Person, die sehr hilfsbereit ist»

Die Menschen würden ihn nicht auf der Straße erkennen, sagt A.. Öffentliche Aufmerksamkeit wolle er auch nicht, aber er wolle anderen deutlich machen, dass sie helfen sollen, wenn sie können.

Der Generalsekretär der Gemeinde, Daud Nasir, kennt A. seit 20 Jahren. «Ich habe ihn als einen sehr ruhigen Menschen wahrgenommen, bis heute noch, auch nach der Heldentat letztes Jahr.» Er habe sich durch die Tat nicht verändert. «Ich kenne ihn als eine sehr bescheidene Person, die sehr hilfsbereit ist, bei Veranstaltungen mithilft.» Er dränge sich nie nach vorn.

Als er am Tag der Amokfahrt gehört habe, was A. getan habe, habe er sich vor allem zunächst Sorgen um ihn gemacht - und um die Menschen, die bei der Tat verletzt worden seien, sagt Nasir. Später habe er A. zu verschiedenen Preisverleihungen begleitet. Dabei habe ein Mitglied der Polizei einmal betont, dass an dem Taxistand sieben Autos gestanden hätten. Doch der Einzige, der reagiert habe, sei A. gewesen. «Das hat mich auch so ein bisschen mit Stolz erfüllt», sagt Nasir, «dass eine Person, die Mitglied der Gemeinde ist, tatsächlich auch den Glauben so gelebt hat.»

Von Stefanie Järkel, dpa
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