Überraschend kommt die Trennung nach den Ereignissen der vergangenen Wochen nicht mehr, ein tiefer Einschnitt ist sie dennoch. Wenn Fußball-Trainer Christian Eichner den Karlsruher SC nach dem Zweitliga-Heimspiel gegen den VfL Bochum zum Saisonfinale am 17. Mai verlassen wird, verliert der Traditionsverein eines seiner bekanntesten Gesichter.
Nur Kapitän Marvin Wanitzek hat im Umfeld und bei den Fans des KSC einen ähnlich hohen Status wie Eichner, der seit mehr als sechs Jahren auf der Bank der Badener sitzt und damit dienstältester Trainer der zweiten Liga ist. Selbst Karlsruhes Sportgeschäftsführer Mario Eggimann sprach, als er Eichners Abschied bekanntgab, von «einem Aushängeschild unseres Clubs» - auch wenn das Verhältnis der beiden nicht das beste gewesen sein soll.
Der Trainer könnte den KSC noch viel Geld kosten
Jedenfalls entschloss sich der Schweizer gemeinsam mit anderen Verantwortlichen des KSC, im Sommer einen Neuanfang ohne Eichner zu wagen. Dessen Vertrag läuft noch bis 2027. Weshalb der 43-Jährige den Club noch einiges an Geld kosten könnte. Zuletzt sei «der Eindruck gereift und hat sich immer weiter verfestigt, dass wir nach sechseinhalb Jahren gemeinsamer Arbeit einen Punkt in der Entwicklung erreicht haben, an dem wir für die Zukunft neue Impulse setzen wollen», erklärte Eggimann.
Beide Seiten - der Verein und der Trainer - werden ihren Traum von der Rückkehr in die Bundesliga nun also getrennt weiterverfolgen. Wobei es nicht überraschen würde, wenn für Eichner bald das ein oder andere Angebot von anderen Clubs bekanntwerden würde.
Immer wieder Differenzen
Geknirscht hat es zwischen dem KSC und seinem obersten Übungsleiter schon länger. Doch Eichner verhielt sich trotz immer wieder aufkommender Meinungsverschiedenheiten und Streitereien bis heute überaus loyal zu seinem Herzensverein. Selbst dann, als der KSC sich Anfang Dezember von seinem Co-Trainer und engstem Vertrauten Zlatan Bajramovic trennte und ihn und die Mannschaft damit schockierte.
Sollte der Verein mit dieser Entscheidung versucht haben, gleich auch den verärgerten Chefcoach loszuwerden, wie es manche Beobachter vermuteten, blieb er allerdings erfolglos. Eichner schmiss seinen Job nicht hin und wird die Mannschaft des Tabellenneunten wohl auch am Freitag (18.30 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld und danach in den fünf letzten Saisonpartien mit voller Konzentration betreuen.
«Egal in welcher Funktion, ob als Spieler oder als Trainer, habe ich meine Rolle im Fußball immer so definiert, dass die Interessen des Vereins über allem anderen stehen», sagte Eichner nun. «Insofern habe ich stets versucht, auch solche Entscheidungen loyal mitzutragen, die ich persönlich womöglich anders getroffen hätte.»
Im Hintergrund gab es jedoch wiederholt Differenzen über die sportliche Ausrichtung. Der meinungsstarke Eichner galt einigen Verantwortlichen zunehmend als unbequem, weil er den bloßen Fokus auf vermeintlich gewinnbringende Nachwuchsspieler intern nicht immer unkritisch mittragen wollte.
Immerhin: KSC unter Eichner stabiler Zweitligist
Am Cheftrainer war schon in den vergangenen Wochen immer wieder Kritik aufgekommen. Speziell nach der 1:5-Pleite in Nürnberg Mitte Februar hatte Eggimann ein Bekenntnis zum früheren Verteidiger und Bundesliga-Profi des KSC vermieden und Gespräche angekündigt. Zeitweise war dann dank einiger positiver Ergebnisse und Eichners Beitrag zur Entwicklung junger Spieler wie Sturmtalent Louey Ben Farhat wieder etwas Ruhe eingekehrt.
Allerdings gelang es dem KSC nicht, seinem Fußballlehrer die nötigen Unterschiedsspieler zur Verfügung zu stellen, um die Entwicklung voranzutreiben und dem ersehnten Bundesliga-Aufstieg näherzukommen. Obwohl die Rahmenbedingungen mit dem neuen Stadion, einem oft ausverkauften Haus und Rekordumsätzen stimmten. Eichner schaffte es dennoch, Karlsruhe als stabilen Zweitligisten zu etablieren.
Während es ihm durchaus zuzutrauen ist, schon bald einen Bundesligisten zu trainieren, ist der KSC vom Oberhaus weit entfernt. Statt in dieser Saison im Aufstiegskampf eine Rolle zu spielen, geht es für die im Tabellenmittelfeld stehenden Badener mal wieder nur um Schadensbegrenzung.
Matthias Jung und Nils Bohl, dpa
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