Deniz Undav jubelt über sein Siegtor gegen Ghana.
Christian Charisius/dpa
Deniz Undav jubelt über sein Siegtor gegen Ghana.
Fußball-Nationalmannschaft

«Sieben-Tage-Dauerthema»: Undav kämpft weiter um WM-Rolle

Siegtor, Fan-Liebe, aber halt nur WM-Joker. Deniz Undav kommt beim Nationalteam nicht aus der Reservistenrolle heraus. Der Bundestrainer hat eine klare Meinung und will ein Szenario verhindern.

Nach seinem späten Glücksmoment gegen Ghana schlüpfte Deniz Undav gleich in mehrere Rollen. Der selbstbewusste Torschütze zum 2:1 war leidenschaftlicher Anwalt für den von den eigenen Fans ausgepfiffenen Leroy Sané. Er war auch Kumpel und Pädagoge für den im Kreise der Fußball-Nationalmannschaft noch schüchternen Bayern-Teenager Lennart Karl.

Mit seiner eigenen Jobbeschreibung für den WM-Sommer möchte sich der Torjäger des VfB Stuttgart aber nicht abfinden. Nur Julian Nagelsmanns Top-Joker: Dafür hält sich Undav immer noch für überqualifiziert. Seine Möglichkeiten sind auch in Amerika eher unbegrenzt, findet der 29-Jährige.

«Natürlich würde ich sie gerne verändern», sagte Undav zu der ihm von Nagelsmann zugewiesenen Rolle als Kurzzeitarbeiter. «Der Erfolg der Mannschaft steht natürlich über allem. Und wie gesagt, jeder hat seine Rolle. Ich hoffe, ich kann die noch verändern», sagte der von den Heimfans schon als Bankdrücker lange vor seinem Siegtor euphorisch gefeierte und geforderte Stuttgarter.

Kimmich sieht «tolle Geschichte»

Mit seinem Treffer in der 88. Minute setzte der Stürmer den erfolgreichen Schlusspunkt unter eine für ihn turbulente Woche mit vielen Diskussionen über seinen Stellenwert bei der Fußball-Nationalmannschaft. «Eine tolle Geschichte auf jeden Fall», sagte Joshua Kimmich zum Tor-Happy-End.

Der DFB-Kapitän fügte aber an, dass «man auch eine sehr gute Bank braucht und Spieler, die dann auch in den letzten 30, 35 Minuten einen Unterschied machen können». Das ist exakt auch Nagelsmanns Denke. Dem Bundestrainer waren mediale Begleitung und vielleicht auch die lautstarke Fan-Liebe zu viel Fokus auf Undav. 

«Er hat sein Tor gemacht, das ist sein Auftrag, das ist seine Rolle. Und damit ist, glaube ich, alles besprochen jetzt im Sieben-Tage-Dauerthema Deniz Undav.» Wie kompliziert es werden kann, wenn ein Fan-Liebling nur Turnier-Reservist ist, hatte der Bundestrainer mit Niclas Füllkrug bei der Heim-EM 2024 erlebt. 

Aus dem «Sieben-Tage-Dauerthema», wie es Nagelsmann nannte, darf keine Sommer-Endlosschleife werden. Mit seinen betonierten Rollenprofilen will der Bundestrainer genau solche Diskussionen bei der WM verhindern.

Tor-Quote brachte Kaderplatz

Nagelsmann sieht Undav - wenn überhaupt - nur als Joker in seinem WM-Aufgebot. Die Nominierung für die Länderspiele gegen die Schweiz (4:3), gegen die Undav keine Minute spielte, und Ghana begründete er nur mit der guten Torquote Undavs beim VfB Stuttgart. 18 Bundesliga-Tore erzielte er in dieser Saison. Nur Bayerns Superstürmer Harry Kane (31 Tore) traf häufiger.

Im Angriffszentrum sind Kai Havertz und Nick Woltemade Nagelsmanns Optionen. Auf der Zehnerposition hofft der Bundestrainer auf eine Rückkehr von Jamal Musiala und sieht Serge Gnabry vorn. Undav, der die legendäre Nummer 13 der Weltmeister Gerd Müller (1974) und Thomas Müller (2014) auf dem DFB-Shirt trägt, ist offenbar überall nur Backup des Backups.

Rollenwechsel «unwahrscheinlich»

Einen Rollenwechsel Undavs sieht er erst einmal nicht. «Eher unwahrscheinlich, weil ich die Rollengespräche nicht geführt habe für den März, sondern für die WM», sagte Nagelsmann. Gegen Ghana habe Undav bis zu seinem Tor auch kein gutes Spiel gemacht, urteilte der Bundestrainer.

«Jeder Spieler sollte den Drang haben, eine bessere Rolle zu spielen. Das ist gut so. Den Ehrgeiz muss man dann auch auf dem Feld umsetzen in Leistung», sagte er. Undavs Auftritt mit dem vierten Tor im siebten Länderspiel manifestiere somit eher seine Rolle als später Glücksbringer.

Undav, das ist klar, muss bis zur Nominierung am 12. Mai beim VfB weiter hochtourig Tore schießen. Seine Story könnte dann sogar noch kitschiger werden. Am Tag des Endspiels, dem 19. Juli, wird er 30 Jahre alt. Mario Götze, der letzte deutsche WM-Siegtorschütze, kam 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien als Joker auf den Platz.

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa
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