«Das ist natürlich Mist», sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth ganz offen. Die Sperre, die sich Torjäger Deniz Undav einhandelte, war der kleine Wermutstropfen bei der 4:0 (2:0)-Gala des VfB Stuttgart gegen den Hamburger SV. Im Süd-Schlager der Fußball-Bundesliga beim FC Bayern München am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) wird der Nationalstürmer fehlen.
Ein guter Zeitpunkt, meinen manche angesichts der ohnehin klar verteilten Rollen in diesem Spiel. Ungünstig, findet Wohlgemuth. Schließlich wollen die Stuttgarter im packenden Rennen um die Champions-League-Qualifikation auch bei der bayerischen Übermacht für eine Überraschung sorgen. Er freue sich auf diese «Riesenaufgabe», erklärte Undavs Teamkollege Ermedin Demirovic.
Undav im Abschlusspech
Gegen den HSV stand Undav als einer von mehreren Nationalspielern im Fokus. Wieder einmal. Anders als etwa Angelo Stiller, Chris Führich oder Maximilian Mittelstädt, die mit ihren Leistungen und Toren Bewerbungsschreiben für die WM im Sommer abgaben, erwischte der 29-Jährige aber einen unglücklichen Tag. Er vergab beste Chancen. Und verschoss sogar einen Foulelfmeter.
«Deniz hat viel gearbeitet für das Team. Ich hätte mich gefreut, wenn er ihn rein gemacht hätte», sagte Mittelstädt über den Strafstoß, den er eigentlich selbst schießen wollte, dann aber dem Kollegen überlassen hatte. Undav rutschte leicht weg - und jagte die Kugel beim Stand von 3:0 weit über den Kasten. Eine Szene, die zum Abschlusspech des VfB-Stars in dieser Partie passte.
Rangelei mit Folgen
Das könne schon mal passieren, meinte Sportchef Wohlgemuth. Undav habe aber auch wieder mehrere «herausragende und besondere Pässe gespielt». Dass sich der Stürmer für eine kurze Rangelei mit Hamburgs Nicolás Capaldo seine fünfte Gelbe Karte abholte und den bevorstehenden Hit bei den Bayern daher verpassen wird, ärgerte die Schwaben mehr.
Bei der immer näher rückenden WM in den USA, Kanada und Mexiko dürfte Undav, der in dieser Saison schon 23 Pflichtspiel-Tore für den VfB erzielt hat, ziemlich sicher dabei sein - trotz der vielen Diskussionen, die es um ihn und seine Rolle unter Bundestrainer Julian Nagelsmann zuletzt gab.
Mittelstädt bleibt zuversichtlich
Und Mittelstädt? Der sendete mit seinem Auftritt am Sonntag ein besonders deutliches Zeichen an Nagelsmann, unter dem er in den vergangenen Partien nicht mehr gefragt war. Gegen den HSV traf Mittelstädt erst per Flachschuss und kurz später sogar fast noch ein zweites Mal. Der Außenverteidiger bleibt zuversichtlich, will weiter um einen Platz im deutschen WM-Kader kämpfen.
«Ich glaube, wenn wir die Leistungen, die wir aktuell zeigen, bis zum Ende der Saison bestätigen, wird's bestimmt Überlegungen geben», sagte der 29-Jährige - auch über Teamkollege Chris Führich, der gegen Hamburg ebenfalls getroffen hatte. Letztlich liege die Entscheidung beim Bundestrainer. Fest steht allerdings schon jetzt: Den nächsten Elfmeter will Mittelstädt wieder selbst schießen.
Wichtige Duelle um die Königsklasse
Schließlich haben die Stuttgarter im Saisonendspurt nichts zu verschenken. Vier Punkte liegen sie vor dem Tabellenfünften Bayer Leverkusen. Die direkten Duelle mit der TSG 1899 Hoffenheim am 2. Mai und der Werkself eine Woche später dürften im Kampf um die Königsklasse «entscheidend» werden, glaubt Mittelstädt. Bis dahin soll die aktuell gute Ausgangslage verteidigt werden.
Ein Coup in München würde enorm helfen. «Wir fahren nicht dahin, um nur zu schauen, was geht», kündigte Mittelstädt an. «Wir wollen natürlich etwas mitnehmen.» Auch ohne Unglücksrabe Undav.
Christoph Lother, dpa
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