Dara aus Bulgarien hat mit dem Titel «Bangaranga» den 70. ESC gewonnen.
Georg Hochmuth/APA/dpa
Dara aus Bulgarien hat mit dem Titel «Bangaranga» den 70. ESC gewonnen.
70. Eurovision Song Contest

Der ESC tanzt bulgarisch – und Deutschland wieder hinterher

Begleitet wurde der Song Contest von Protesten: Fünf Länder boykottierten ihn wegen Israels Teilnahme. Am Ende gewinnt Bulgarien - vor Israel. Der deutsche Song verpufft beim Publikum komplett.

Bulgarien hat mit dem Lied «Bangaranga» den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. Die Sängerin Dara bekam die meisten Punkte, wie in der Liveshow in Wien bekanntgegeben wurde. Deutschland landete mit der Sängerin Sarah Engels in der Nacht zum Sonntag abgehängt auf dem 23. Platz von 25 Finalisten. Sämtliche Punkte kamen dabei von den Jurys aus einer Handvoll Ländern - vom TV-Publikum bekam der Beitrag keinen einzigen. Israel wurde Zweiter, es folgten Rumänien, Australien und Italien sowie Finnland.

Für Bulgarien war es der erste ESC-Sieg überhaupt. Seit 2005 nimmt das südosteuropäische Land an dem Wettbewerb teil. Häufig qualifizierte es sich nicht für das Finale. 

Diesmal lag der Beitrag des kleinen Balkanstaats aber sowohl bei den Jurys als auch beim Publikum vorn. «Bangaranga», eine Mischung aus Balkan-Beats, K-Pop und Club-Sounds gepaart mit einem ikonischen Tanz entwickelte eine Sogwirkung. 

Winner's Performance | DARA - Bangaranga (Reprise) | Bulgaria 🇧🇬 | #Eurovision2026
Winner's Performance | DARA - Bangaranga (Reprise) | Bulgaria 🇧🇬 | #Eurovision2026

Sängerin Darina Nikolaewa Jotowa (27) alias Dara, sagte, ihr Ehemann habe noch am Vortag mit ihr gewettet, dass sie gewinnen werde. «Ich fühle mich wundervoll. Ich kann nicht verstehen, was passiert. Meine Arbeit ist, auf der Bühne zu sein, das Lied vorzutragen, mein Herz zu öffnen, Licht und Liebe auszustrahlen», sagte sie dem bulgarischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Deutschlands Starterin Sarah Engels war mit der Startnummer 2 ins Rennen gegangen, was vielen bereits als schlechtes Omen gegolten hatte. Noch nie hatte ein Beitrag von Platz 2 den Wettbewerb gewonnen. Allerdings waren ihr auch bei den Buchmachern seit Wochen praktisch keine Chance auf eine vordere Platzierung eingeräumt worden.

Schorn über Engels' Auftritt: «Was haben wir alles abgebrannt»

Die 33-Jährige versuchte, die schlechten Vorzeichen mit maximaler Energie zu kontern. Ein reduziertes Intro gab ihrem Song «Fire» zunächst mehr emotionale Tiefe, danach folgte eine aufwendige Choreographie mit sehr viel Pyrotechnik. «Was haben wir alles abgebrannt», bemerkte ESC-Kommentator Thorsten Schorn. «Jetzt geht der Spritpreis wieder hoch.» Nur: Es half nichts.

Schlechte Stimmung wollte Engels angesichts des Ergebnisses jedoch nicht aufkommen lassen. «Wir haben alles gemacht, was in unserer Macht steht, und alles andere entscheiden dann die Sterne», sagte sie. Während der ernüchternden Punktevergabe habe sie Süßigkeiten gegessen. «Ich habe richtig reingehauen.» 

ESC-Kommentator Schorn bemühte sich vor dem deutschen TV-Publikum um Schadensbegrenzung. 0 Punkte vom Publikum - das bedeute nicht, dass gar niemand für Deutschland gestimmt habe. Nur nicht genug, um in die Punkteränge zu rutschen. «Natürlich haben Menschen für Sarah Engels angerufen», sagte Schorn. «Und natürlich hat sie für Begeisterung gesorgt.» 

«Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht» 

Das Lied war in einem vom Südwestrundfunk (SWR) verantworteten Vorentscheid zum deutschen Beitrag gekürt worden. Der Sender hat innerhalb der ARD erstmals wieder die Federführung für den ESC übernommen. Zuvor lag die Verantwortung fast 30 Jahre lang beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). 

Engels habe mit großer Leidenschaft, hoher Professionalität und enormer Bühnenpräsenz einen «überzeugenden Auftritt» hingelegt, erklärte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler. «Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht über die Platzierung, auch wenn für uns diese eine Zahl nicht im Fokus stand.»

In der vorangegangenen NDR-Zeit hatte einerseits der Sieg mit Lena Meyer-Landrut («Satellite») im Jahr 2010 - unter aktiver Beteiligung von Stefan Raab - gelegen. Andererseits landete Deutschland in den letzten elf Jahren auch siebenmal auf dem letzten oder vorletzten Platz. Diesmal war es nun der drittletzte.

Boykotte wegen Israel

Wie bereits in den Vorjahren war die ESC-Teilnahme Israels von politischen Spannungen begleitet. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten das Großereignis diesmal sogar, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker der islamistischen Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.

Während des Auftritts des israelischen Sängers Noam Bettan hatte es im ESC-Halbfinale vereinzelt Zwischenrufe gegeben. Daher lag für das Finale die Erwartung nahe, dass es ähnliche Reaktionen geben könnte. Aber größere Störaktionen waren zunächst nicht bemerkbar. 

Bettan konnte souverän seinen Song «Michelle» vortragen. Das Lied hatte einen dreisprachigen Text: Teile waren auf Hebräisch und auf Englisch, der Großteil jedoch auf Französisch. Als Israel viele Punkte des Publikums erhielt, waren allerdings Rufe in der Halle zu hören.

Bei einem großen Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater waren während der Schnelldurchlauf-Präsentationen der Songs ebenfalls deutliche Buh-Rufe zu hören, als der israelische Beitrag über den Schirm flimmerte. In der Nähe der Veranstaltungshalle wurden zudem 14 propalästinensische Aktivisten festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Polizei eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten und gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

Österreichische Show wirkte etwas behäbig

Drinnen inszenierte Wien sich gewohnt nostalgisch. Passend zu Österreichs Hauptstadt war der sogenannte Green Room, in dem die Teilnehmer während der Show ihren Punkten entgegen bangten, im Stil eines plüschigen roten Wiener Kaffeehauses gestaltet.

Das Host-Duo war bemüht locker. Die «Let's Dance»-Moderatorin Victoria Swarovski und der Schauspieler Michael Ostrowski blieben aber in den Augen vieler weit weniger lustig als letztes Jahr in Basel Sandra Studer und Hazel Brugger. Als «Professor Eurovision» etwa dozierte Swarovski in Hörsaal-Einspielern akademisch und arg zahlenlastig ESC-Expertise.

Während Vorjahressieger JJ seinen Siegersong von 2025 performte und ein neues Lied vorstellte, blieb der andere noch lebende österreichische ESC-Sieger dieser Ausgabe fern. Tom Neuwirth alias Conchita Wurst (Sieg 2014) hatte im Januar mitgeteilt, sich aus dieser Welt lösen zu wollen und nicht mehr an Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem ESC teilzunehmen.

Dafür gab es zum 70. Jubiläum aber ein Wiedersehen mit vielen anderen früheren Teilnehmern, darunter Lordi, Max Mutzke oder auch Cesár Sampson. Im ersten Halbfinale am Dienstag war zum Beispiel auch Vicky Leandros aufgetreten.

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