Dion hatte ihre Diagnose 2022 öffentlich gemacht. (Archivbild)
Evan Agostini/Invision/AP/dpa
Dion hatte ihre Diagnose 2022 öffentlich gemacht. (Archivbild)
Nach Krankheitspause

«Ich bin bereit»: Céline Dion will auf die Bühne zurück

Einst ging sie auf große Tourneen und sang Dutzende Konzerte. Doch wegen einer seltenen Krankheit musste Superstar Céline Dion sich zurückziehen. Nun sagt sie: Sie ist bereit für ein Bühnen-Comeback.

Jahrelang kämpfte Superstar Céline Dion gegen ihre seltene Autoimmunkrankheit an, nun will die Sängerin zurück auf die Bühne. «Dieses Jahr bekomme ich das schönste Geschenk meines Lebens», sagte die Sängerin an ihrem 58. Geburtstag in einem auf Instagram veröffentlichten Video. «Ich bekomme die Möglichkeit, euch zu sehen und wieder für euch zu performen, ab September in Paris.» Zeitgleich spielte in Paris eine spektakuläre Lichtshow auf dem Eiffelturm unterlegt mit Hits von Dion. Am Ende die Worte: «Paris, ich bin bereit!». Fans, die sich in Scharen unterhalb des Wahrzeichens eingefunden hatten, sangen hinterher spontan ein Geburtstagsständchen.

Immer wieder hatte die am Stiff-Person-Syndrom leidende Dion, der man den Spaß während ihrer früheren Shows deutlich ansehen konnte, betont, wieder Konzerte geben zu wollen. «Ich werde auf die Bühne zurückkehren, selbst wenn ich kriechen muss, selbst wenn ich mit meinen Händen sprechen muss», sagte Dion einst in einem Interview.

Von einem solchen Kampf ist nun keine Rede. «Ich fühle mich gut, ich bin stark, ich bin aufgeregt, natürlich ein bisschen nervös, aber vor allem bin ich euch allen sehr dankbar!», sagte Dion in dem Video. «Ich kann es nicht erwarten, euch wiederzusehen.» Insgesamt zehn Konzerte will die Musikdiva vom 12. September bis zum 14. Oktober in der Pariser La Défense Arena singen. Für Dion ist es ein Bühnen-Comeback der Superklasse. Die Halle fasst bis zu 45.000 Zuschauer und ist nach eigenen Angaben die größte Indoor-Halle Europas.

Krankheit zwang Dion zu Konzertpause

Sechs Jahre ist es nun her, dass die Sängerin von Welthits wie «My Heart Will Go On» und «I'm Alive» ihre letzte große Bühnenshow hinlegte. Danach waren krankheitsbedingt nur noch einzelne kürzere Auftritte gefolgt - etwa bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 in Paris und einer Show in Saudi-Arabien.

Dion war 2022 mit der Diagnose Stiff-Person-Syndrom an die Öffentlichkeit gegangen. Nach 15 Konzert-Tourneen mit jeweils Dutzenden Auftritten hing es nun von ihrer Tagesform ab, ob sie verreisen oder auftreten konnte. Alle für 2023 und 2024 geplanten Termine ihrer «Courage World Tour» in Europa musste die Sängerin absagen.

Krämpfe als würde sie erwürgt werden

Schwere Krämpfe in der Kehle, ein Gefühl, als würde sie erwürgt werden, Anfälle so stark, dass sie sich dabei die Rippen brach: Mit großer Offenheit erzählte der internationale Superstar in Interviews und dem Dokumentationsfilm «Ich bin: Celine Dion» immer wieder, was es für sie bedeute, mit der Krankheit zu leben. Überall im Körper könne das Leiden zu Muskelkrämpfen führen.

Erste Symptome hatte die Hit-Sängerin sogar bereits 2008 bemerkt. Lange gab es keine Diagnose. Dion selbst dachte zunächst, sie leide an Erkältungen oder an Erschöpfung, weil sie zu hart arbeitete. Rückblickend sagte sie, dass sie sich nicht die Zeit genommen habe, der Sache auf den Grund zu gehen.

Mühsamer Kampf «von Kopf bis Fuß»

Doch Dion, eine der erfolgreichsten Musikerinnen ihrer Generation, wollte trotz der mitunter schweren Symptome nicht aufgeben. Mit Physiotherapie, Gesangstraining und Medikamenten kämpfe sie gegen die Krankheit an - und das fünfmal die Woche, wie sie der «Vogue» sagte.

Aus ihrer Sicht habe es zwei Optionen gegeben: «Entweder trainiere ich wie eine Athletin und arbeite super hart oder ich schalte ab und es ist vorbei, ich bleibe zu Hause, höre meine Lieder, stehe vor meinem Spiegel und singe für mich selbst.» «Von Kopf bis Fuß» arbeitete die Sängerin daran, wieder auf die Bühne zurückkehren zu können.

Therapie kann über Monate weitgehend von Symptomen befreien

Das Stiff-Person-Syndrom gilt laut Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, als nicht heilbar, aber als ganz gut symptomatisch behandelbar. «Es ist möglich, dass man die Symptome so gut behandelt, dass die Personen, die die Erkrankung haben, im Alltag kaum beeinträchtigt sind.»

Der Experte erklärt: «Wenn sich Autoantikörper nachweisen lassen, und das ist bei der Mehrzahl aller Patientinnen und Patienten so, kann man eine Therapie etablieren, die sich gegen diese Autoantikörper richtet, und kann damit auch über längere Zeiträume, sprich über einige Monate, eine weitgehende Symptomfreiheit herbeiführen.»

Durch die Autoantikörper werde zu wenig von einem reizhemmenden Überträgerstoff produziert. So könnten die Muskelverkrampfungen entstehen. Man gehe davon aus, dass Autoantikörper beim Stiff-Person-Syndrom wahrscheinlich immer eine Rolle spielen, auch wenn man nicht bei allen Patienten die genauen Antikörper kenne.

Typischerweise gebe es eine Therapie auf drei Ebenen. «Es erfolgt eine symptomorientierte medikamentöse Therapie gegen die Muskelverkrampfungen. Es erfolgt die autoantikörperorientierte Therapie mit Immuntherapeutika, und man beschäftigt sich mit der betroffenen Person und versucht typische Auslösemechanismen zu identifizieren und Strategien dagegen zu entwickeln, damit es möglichst nicht mehr zu den Symptomen kommt.»

Frankokanadierin in Frankreich Riesenstar

Dass das Bühnen-Comeback nun in Frankreich verkündet wird, ist kein Zufall. Zwar ist sie mit mehr als 200 Millionen verkauften Alben weltweit international ein Star. Doch Dion, die aus dem französischsprachigen Teil Kanadas stammt, wird in Frankreich geradezu verehrt. Neben ihren englischsprachigen Welthits sind es hier vor allem französischsprachige Lieder wie «Pour Que Tu M'Aimes Encore» oder «J'Irai Où Tu Iras», für die sie gefeiert wird.

Mit einer Lichtshow mitten am Eiffelturm, dem Ort, an dem Dion bei der Olympia-Eröffnung alle mit einem ersten emotionalen Auftritt seit Jahren überraschte, beginnt nun ihr Weg zurück auf die Bühne. Spektakulärer könnte ein Konzert-Comeback kaum anfangen.

Von Rachel Sommer, dpa
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