Die israelischen Angriffe haben im Libanon viel Zerstörung angerichtet.
Bilal Hussein/AP/dpa
Die israelischen Angriffe haben im Libanon viel Zerstörung angerichtet.
Krieg in Nahost

Israel und Libanon: Führt die Waffenruhe zum Frieden?

Mehrere Wochen lang haben sich Israel und die Hisbollah gegenseitig angegriffen. Im Libanon mussten Hunderttausende flüchten. Nun soll die Gewalt enden - zumindest vorerst. Wie geht es weiter?

Zwei Tage nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran feuerte auch die libanesische Hisbollah-Miliz wieder Raketen auf Israel. Es folgten sechs Wochen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, die vom Iran unterstützt wird, mit mehr als 2.000 Toten im Libanon, mehr als einer Million Binnenvertriebenen und schweren Verwüstungen in dem Land. In der Nacht zum Freitag trat nun eine Waffenruhe in Kraft. Worauf dabei zu achten ist:

Was haben Israel und der Libanon genau vereinbart?

Die libanesische Regierung und mit ihr die libanesische Armee sind keine aktive Kriegspartei des jüngsten Konflikts, der sich zwischen der Hisbollah und Israel abspielte. 

Offiziell befinden sich Israel und der Libanon aber seit Jahrzehnten im Kriegszustand. Umso bemerkenswerter ist, dass es diese Woche erstmals seit Jahrzehnten unter US-Vermittlung zu hochrangigen Kontakten zwischen Vertretern der beiden Länder kam und in der Folge nun zu einer Übereinkunft zwischen den beiden offiziell verfeindeten Ländern.

Die vom US-Außenministerium veröffentlichte Abmachung zwischen den beiden Ländern besagt konkret, dass die Waffenruhe zunächst zehn Tage dauert, bei Fortschritten in den Verhandlungen aber auch verlängert werden könne. Die libanesische Regierung soll mit internationaler Hilfe die Hisbollah an Angriffen auf Israel hindern, heißt es weiter. Israel soll zugleich «offensive» Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen, das Land darf sich jedoch gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen. Betont wird in der Abmachung, dass allein die libanesischen Sicherheitskräfte für die Souveränität und Verteidigung des Libanons verantwortlich sind. 

Wie stehen die Chancen, dass die Waffenruhe hält? Fühlt sich die Hisbollah daran gebunden?

Im Libanon herrscht die Sorge, dass die aktuelle Waffenruhe der Vereinbarung einer Feuerpause im Jahr 2024 gleichkommt: Damals warfen sich beide Seiten stetig weiter Verstöße vor. Das israelische Militär griff damals nahezu täglich weiter im Libanon an und tötete dabei nach UN-Angaben auch immer wieder Zivilisten. Bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten dieser Waffenruhe um Mitternacht (Ortszeit) warf die libanesische Armee Israel den Beschuss mehrerer Dörfer im Süden des Landes vor.

Von der Hisbollah hieß es am Mittag, ihre Kämpfer würden «ihre Hände am Abzug» behalten. Man bleibe wachsam gegenüber «dem Verrat und der Heimtücke des Feindes.» Nach den intensiven israelischen Angriffen - und bereits dem langen Krieg 2023/24 - gilt die Hisbollah grundsätzlich als geschwächt. Anfang März wurden ihr die militärischen Aktivitäten zudem staatlich verboten.

Beobachter gehen davon aus, dass ein Erfolg der Waffenruhe maßgeblich mit den Verhandlungen zwischen dem Iran, den USA und Israel zusammenhängt. «Sollte es zu einem Zusammenbruch der iranisch-amerikanischen Gespräche kommen, gäbe es für die Hisbollah sicherlich einen Anreiz, weiterzumachen», sagte Analyst Michael Young vom Carnegie Middle East Center der Deutschen Presse-Agentur. Die Hisbollah agiere nach iranischer Agenda. Young geht gleichzeitig davon aus, dass Israel weiter ein Interesse daran habe, Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon auszuführen.

Warum hat sich Netanjahu auf die Waffenruhe eingelassen?

Erst vor wenigen Tagen lehnte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Feuerpause im Libanon noch ab. Obwohl es in Israel große Kritik gibt, dass die Kriegsziele nicht erreicht worden seien und die Bevölkerung in Nordisrael weiterhin durch die Hisbollah bedroht werde, lenkte Netanjahu nun ein - israelischen Beobachtern zufolge auf Druck aus Washington. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter, und Washington braucht diese Waffenruhe für die Verhandlungen mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump sei mit der Waffenruhe einer Bitte des Irans nachgekommen, schreibt die israelische Zeitung «Haaretz». 

Der Iran hatte auf eine Feuerpause im Libanon gedrängt und zunächst sogar gedroht, die Anfang April vereinbarte Waffenruhe mit den USA wegen der andauernden israelischen Angriffe auf die verbündete Hisbollah platzen zu lassen. Ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden wertete die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon laut Nachrichtenagentur Fars als Erfolg für Teheran.

Einigen Experten zufolge hofft Netanjahu auch auf Trumps Unterstützung für den Wahlkampf - spätestens im Oktober muss in Israel ein neues Parlament gewählt werden.

Schließen Israel und der Libanon jetzt Frieden? 

Die Frage eines dauerhaften Friedensabkommens hängt von vielen Faktoren ab. Allein die jüngsten Gespräche auf politischer Ebene haben im Libanon für Unruhe gesorgt. Vieles hänge nun vom Erfolg des Hisbollah-Entwaffnungsprozesses in dem Land ab, sagte Young. «Wir müssen abwarten, wie die Armee vorgeht, ob sie überhaupt dazu in der Lage ist.» Die libanesische Armee wurde mit der Entwaffnung beauftragt. Vieles sei noch unklar. Sollte Israel den Libanon nicht in der Lage sehen, die Hisbollah zu entwaffnen, würde der Krieg fortgesetzt werden, sagte Young. 

Wie ist die Stimmung im Libanon und in Israel?

In den mehr als sechs Wochen Krieg wurden rund 1,2 Millionen Menschen im Libanon vertrieben. Rund 2.200 Menschen wurden nach Behördenangaben im Libanon im Krieg getötet. Trotz einer Warnung des israelischen Militärs an die Bewohner im Libanon, sich nicht südlich des Litani-Flusses, etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt, zu begeben, machten sich am Morgen bereits Tausende Menschen auf den Weg in ihre südlichen Heimatorte. Im Südlibanon, in der Bekaa-Ebene im Osten und in den südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut herrscht großflächige Zerstörung. Viele trauen der aktuellen Feuerpause aber auch nicht und wollen vorerst nicht zurückkehren.

Auch in Israel glauben viele Menschen, dass der Krieg weitergehen könnte, solange die Hisbollah nicht entwaffnet wird. Laut aktuellen Angaben der israelischen Armee feuerte die Hisbollah in den vergangenen Wochen mehr als 8.000 Raketen, Mörsergranaten und Drohnen auf Israel. Vor Beginn der Waffenruhe hieß es noch, es seien mehr als 6.500 gewesen. Dabei gab es auch in Israel immer wieder Verletzte und auch Tote. Vertreter aus nordisraelischen Orten sagten nach Verkündung der Waffenruhe, die Bewohner des Nordens fühlten sich «verraten».

Von Amira Rajab und Cindy Riechau, dpa
© dpa-infocom, dpa:260417-930-957862/1
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

ROBBIE WILLIAMS mit ALL MY LIFE

RADIO REGENBOGEN

RADIO REGENBOGEN


Es läuft:
ROBBIE WILLIAMS mit ALL MY LIFE