Bayern beenden den Real-Fluch nach Neuers Mega-Patzer
Was für ein Spektakel: Im Gigantenduell mit Real Madrid wackeln die Bayern lange - und triumphieren dann doch. Luis Díaz und Michael Olise treffen in Überzahl zum 4:3. Jetzt geht es gegen Paris.
Was für ein Spektakel: Im Gigantenduell mit Real Madrid wackeln die Bayern lange - und triumphieren dann doch. Luis Díaz und Michael Olise treffen in Überzahl zum 4:3. Jetzt geht es gegen Paris.
Jubelnd standen die Bayern mit ihren Matchwinnern Luis Díaz und Michael Olise vor der Fankurve. «Super Bayern, super Bayern», skandierten die Fans. Und auch Manuel Neuer hüpfte glücklich vor Freude mit. Ein leidenschaftlich kämpfender FC Bayern hat dank eines späten Doppelschlages von Díaz und Olise nach einem Mega-Patzer von Torwart Neuer den Real-Fluch bezwungen. Eine Woche nach dem großen 2:1-Erfolg in Spanien wankten die Münchner in einem spektakulären Fußballspiel in der brodelnden Allianz Arena beim 4:3 (2:3) lange.
Doch nach der Gelb-Roten Karte für den eingewechselten Eduardo Camavinga schlugen Díaz in der 89. Minute und Olise in der Nachspielzeit (90.+4) entscheidend zu. «Ich hoffe, alle Kinder in Deutschland durften etwas länger wach bleiben», sagte Bayern-Stratege Joshua Kimmich. «Ich hoffe, meine Frau hat meinen Sohn ein bisschen länger wach gelassen - und morgen dann zur dritten Stunde in die Schule.» Kimmich sprach von «sehr viel Drama».
PSG wartet im Halbfinale
Nun kommt es in zwei Wochen zum Halbfinal-Highlight gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Die Saison in Europa geht für die Münchner weiter. Und ebenso für Trainer Vincent Kompany und sein lange fehlerhaftes Ensemble die Jagd nach dem Triple. «Ich glaube, jetzt treffen die beiden momentan besten Teams Europas im Halbfinale aufeinander», sagte Kimmich.
Rekordsieger Real deutete mit den Toren von Jungstar Arda Güler (1./29. Minute), der nach Abpfiff wegen Meckerns noch Rot sah, und Stürmerstar Kylian Mbappé (42.) zumindest an, dass es in der Champions League hätte Königliches vollbringen können. Die Bayern ließen das jedoch nicht zu.
Die von den 75.000 Zuschauern nach vorne gepeitschten Münchner glichen durch das erste Champions-League-Tor von Aleksandar Pavlovic (6.) und das insgesamt 50. Saisontor von Harry Kane (38.) zweimal schon in der ersten Hälfte aus.
Neuer-Aussetzer nach 35 Sekunden
«Nein, nein, nein», hatte Kompany energisch interveniert, als ihn ein Reporter am Tag vor dem zweiten Giganten-Duell mit Real auf den möglichen Halbfinalgegner ansprechen wollte. Der Belgier wusste, dass gerade Madrid auch nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel immer zurückschlagen kann.
Und so kam es auch. Das Stadion brodelte, die Stimmung war großartig - und zu einem taktischen Abtasten kam es nach dem Anpfiff gar nicht erst. Denn der 40-jährige Neuer, Bayerns gerühmter «X-Faktor» beim Erfolg im Bernabéu, hatte noch in Minute eins den totalen Blackout.
Ohne Gegnerdruck schlug Deutschlands Rekordtorwart den Ball mit links direkt auf den Fuß von Güler. Und der 21 Jahre alte Türke nahm das Geschenk dankbar an, traf aus über 30 Metern ins leere Tor. Was für ein Auftakt! Was für ein Aussetzer von Neuer!
Bayern öffnen Real viele Räume
Der knappe Bayern-Vorsprung aus der ersten Partie war damit dahin. Und es ging rasant weiter. Ecke Kimmich, Kopfball Pavlovic - jetzt sah Andrej Lunin, der untaugliche Stellvertreter für den verletzten Thibaut Courtois im Gäste-Tor, schlecht aus. Der Ukrainer pennte auf der Linie.
Die Bayern agierten wuchtig im Vorwärtsgang. Aber sie öffneten viel zu viele Räume für die königliche Offensive mit den Stürmerstars Mbappé und Vini Jr. Nachdem Lunin einen Kimmich-Schuss glänzend abgewehrt hatte (27.), war wieder Real-Time in der Arena. Der Edeltechniker Güler zirkelte einen Freistoß hoch ins rechte Eck. Neuer war mit der Hand dran. Aber war dieser Schuss unhaltbar? «In der Form von letzter Woche hätte er den gehalten», sagte Sami Khedira bei DAZN über seinen 2014-Weltmeisterkollegen Neuer.
Auch den erneuten Rückstand schüttelten die Münchner ab. Dayot Upamecano, der häufig Vini Junior stoppen konnte, tauchte plötzlich vorne auf, bediente Kane. Und der Engländer bewies sein Torjäger-Gen, traf eiskalt ins rechte Eck. Es war das 50. Tor von Kane in seinem 42. Pflichtspiel der Saison.
Königlicher Champions-League-Mythos
Ein Durchpusten, eine Spielberuhigung gab es aber nicht in dieser ersten Hälfte. Vini Jr. zirkelte den Ball an die Oberkante der Latte (41.). Und keine 60 Sekunden später bediente der Brasilianer Mbappé, der im Strafraum unbedrängt sein 15. Champions-League-Tor der Saison erzielen konnte. Und dann war Pause.
Abkühlen, sammeln, neu ausrichten. Zu diesem Zeitpunkt standen die Zeichen auf Verlängerung. Die Bayern wollten das 3:3 erzwingen - und Real lauerte auf den entscheidenden Moment, den Konter, die große Offensivaktion. Neuer zahlte ein wenig zurück an sein Team, als er einen Schuss von Mbappé mit einem Reflex mit der rechten Hand entschärfte (55.). Der Champions-League-Mythos, den Real ausstrahlt, er war im Stadion allgegenwärtig.
Nach einer Stunde kam Jamal Musiala für den blass gebliebenen Serge Gnabry. Und der 23-Jährige hatte in seinem 50. Champions League-Spiel gleich eine große Szene. Der Nationalspieler bediente Díaz perfekt, doch der Flügelstürmer verstolperte die Großchance zum 3:3 hektisch im Strafraum. Kurz vor dem Abpfiff machte es der Stürmer dann besser und erlöste den FC Bayern, ehe Olise noch traf.
Von Klaus Bergmann, Martin Moravec und Thomas Eßer, dpa
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