91 Tage lagen zwischen dem Abschied vom alten Reglement beim Finale von Abu Dhabi und dem Aufbruch am anderen Ende der Welt. Leclerc nutzte die neue Startphase mit fünf Sekunden Puffer, ehe die Roten Ampeln erloschen, am besten, um auf die richtige Drehzahl zu kommen. Noch vor der ersten Kurve zog er an Russell vorbei, der in der Qualifikation noch souverän seine achte Pole Position errungen hatte.
Desaster für Lokalheld Piastri
«Es war ein irrer Kampf», meinte Russell über diese furiose Anfangsphase, als sich die beiden Piloten an der Spitze abwechselten. «Jeder, der gesagt hat, es hat zu wenig Show, wurde am Anfang eines Besseren belehrt», befand Mercedes-Teamchef Wolff. «Es war super», meinte auch Hamilton. «Es war sehr spaßiges Rennen direkt vom Start weg.»
Oscar Piastri war da längst Zuschauer. Der WM-Dritte von 2025 kam auf dem Weg in die Startaufstellung in Kurve vier auf den Randstein, verlor die Kontrolle über seinen McLaren und krachte in die Streckenbegrenzung. Ein Schock für den gebürtigen Melbourner Piastri, seine Familie und Fans. Einen Australier auf dem Podium des Heim-Grand-Prix gibt es damit weiter nicht.
50 Prozent Verbrenner, 50 Prozent Batterie
Es war ein Auftakt, der sich sehen lassen konnte. Schließlich hat die Formel 1 die größte Regelrevolution ihrer Geschichte mit neuen Motoren und neuen Autos ausgerufen. Da fast 50 Prozent der Leistung von einer Batterie kommen, sind die Fahrer zu permanentem Energie-Management gefordert. Sie müssen die richtige Balance zwischen Aufladen und Angreifen finden. So sollen die Rennen unberechenbarer werden.
Die erste Virtuelle Safety-Car-Phase nutzten Russell und Antonelli zum Boxenstopp. Anstatt sich aber ebenfalls harte Reifen aufzuziehen, handelte der Kommandostand von Ferrari nicht. «Wenigstens einen von uns hättet ihr reinholen sollen», reagierte Hamilton ungläubig.
An der Spitze drehten dann Russell und Antonelli cool ihre Runden. Leclerc und Hamilton konnten das führende Duo nicht mehr einfangen. «Mercedes hatte ein bisschen mehr Geschwindigkeit als wir», räumte Leclerc ein. Das dürfte auch in Shanghai beim nächsten Rennen am kommenden Sonntag so bleiben.
Martin Moravec und Thomas Wolfer, dpa
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