Union Berlin hat sich überraschend von Coach Steffen Baumgart getrennt und befördert Marie-Louise Eta als erste Frau in der Bundesliga-Geschichte bis Saisonende zur Cheftrainerin. Die unerwartete Entscheidung teilte der Hauptstadt-Club am Samstagabend kurz vor Mitternacht mit. Wenige Stunden zuvor hatten die Berliner 1:3 bei Schlusslicht Heidenheim verloren. Der Vorsprung des Tabellenelften auf Relegationsplatz 16 beträgt weiter sieben Punkte.
Neben dem 54 Jahre alten Baumgart müssen auch dessen Co-Trainer Danilo de Souza und Kevin McKenna gehen. «Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden: Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern», erklärte Profifußball-Geschäftsführer Horst Heldt laut Mitteilung.
Heldt: Hatten keine Überzeugung mehr
«Zwei Siege aus vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr in der bisherigen Konstellation noch gelingt», so Heldt weiter. «Wir haben daher entschieden, jetzt noch einmal neu anzusetzen.»
Baumgarts sportliches Ende bei Union kommt auch deshalb überraschend, weil die Berliner erst im Januar den Vertrag mit dem früheren Union-Spieler vorzeitig verlängert hatten. Der gebürtige Rostocker hatte die Köpenicker Anfang Januar 2025 als Trainer übernommen und in der vergangenen Saison auf Platz 13 geführt.
In Eta wird erstmals eine Frau als Cheftrainerin einen Männer-Bundesligisten anleiten. Für Eta, die ab dem Sommer die Bundesliga-Frauen der Berliner übernehmen wird, ist die Aufgabe kein komplettes Neuland. Bereits von November 2023 bis Mai 2024 hatte die 34-Jährige als Co-Trainerin den Abstiegskampf der Köpenicker begleitet.
«Ich freue mich, dass Marie-Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen, bevor sie im Sommer wie geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen wird», sagte Heldt. Sie habe «die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen», ergänzte Eta.
Karriere als Spielerin endet vorzeitig
Als Fußballerin hatte sie in ihrer aktiven Karriere große Erfolge mit Turbine Potsdam gefeiert. Damals noch unter dem Namen Marie-Louise Bagehorn gewann sie mit dem Verein dreimal die deutsche Meisterschaft und 2010 den Titel in der Champions League. Wegen mehrerer Verletzungen musste sie bereits mit 26 Jahren ihre Laufbahn als Spielerin beenden.
Danach kam ihre Karriere als Trainerin schnell auf Touren. Zunächst arbeitete sie im Nachwuchsbereich von Werder Bremen, für den Club hatte sie zuletzt noch gespielt. 2021 wurde sie vom Deutschen Fußball-Bund als Co-Trainerin der weiblichen U15-Auswahl engagiert. Ein Jahr später schloss sie erfolgreich den Pro-Lizenz-Lehrgang ab und darf seither offiziell auch als Cheftrainerin in der Bundesliga und 2. Liga arbeiten.
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